Die Basilika St. Kastor in Koblenz war bis zum letzten Platz besetzt. Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) hatte zu der staatlichen Trauerfeier eingeladen und für heute Trauerbeflaggung an allen öffentlichen Gebäuden angeordnet.
Schweitzer: Mertin war "feste Säule der lebendigen Demokratie"
In seiner Rede würdigte Schweitzer Herbert Mertin als Demokraten aus tiefster Überzeugung, der sich unermüdlich für Freiheit, Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit eingesetzt habe: "Er hat sein Leben in den Dienst unseres Landes, des Rechtsstaats und der Demokratie gestellt. Politisch und menschlich ist sein Tod ein großer Verlust", sagte der Ministerpräsident. Mertin sei eine feste Säule der lebendigen Demokratie gewesen.
Hering: Herbert Mertin stand für "Fairness und Anstand"
Landtagspräsident Hendrik Hering (SPD) kondolierte im Namen des Landtags Rheinland-Pfalz. Hering sagte, das Land verliere mit dem FDP-Politiker seinen hoch geschätzten Justizminister, der Landtag einen seiner engagiertesten Abgeordneten und wir alle einen Mann des Ausgleichs.
"Fairness und Anstand - für diese Werte stand Herbert Mertin. Sie mögen bei Populisten und Demokratiefeinden nichts zählen, aber umso mehr können wir nur zutiefst dankbar sein für Menschen, die sie uns unbeirrt vom Lärm der Welt vorleben. Herbert Mertin war einer von ihnen", sagte Hering bei der Trauerfeier.
Mertin war "Glücksfall für die Justiz"
Der Präsident des Verfassungsgerichtshofs Rheinland-Pfalz, Lars Brocker, sagte, Mertin sei ein unschätzbarer Glücksfall für die Justiz gewesen. "Mit der Ernennung zum Justizminister wurde aus einem engagierten, leidenschaftlichen Citoyen ein großer - im Wortsinne - Diener des Volkes, bei dem die Justiz im Land immer gut aufgehoben war."
Das Wirken von Mertin als Staatsminister der Justiz sei durch seinen unbedingten, leidenschaftlichen Einsatz für unsere offene Gesellschaft geprägt gewesen, sagte Broker. Mertin sei prinzipienfest, integer und menschlich zugewandt gewesen.
Persönliche Worte eines langen Wegbegleiters
Der Vorsitzende der Fraktion der Freien Demokraten im Landtag Rheinland-Pfalz und enger Freund der Familie, Phillipp Fernis, fand in seiner Rede sehr persönliche Worte: "Wir nehmen Abschied von einem ehrlichen Menschen, einem aufrechten Politiker und einem engen Freund. Der Verlust von Herbert Mertin wiegt schwer." Die Stimme Mertins sei über die Fraktionsgrenzen hinweg gefragt und respektiert gewesen. Auf ihn sei menschlich, wie politisch Verlass gewesen. "Er war ein Bürgerrechtsliberaler im besten Sinne."
Zum Abschluss seiner Trauerrede sagte Ministerpräsident Schweitzer: "Herbert Mertins Einstehen für den Rechtsstaat und sein Weitblick für die Gesellschaft reichen über Rheinland-Pfalz hinaus. Auf ihn war immer Verlass. Er fehlt uns als Kollege, als leidenschaftlicher Demokrat und als Mensch. Ich werde ihn vermissen."
Mertin galt als feste Größe in der Landespolitik
Herbert Mertin war im Februar bei einer Veranstaltung für ehrenamtliche Richter in Koblenz zusammengebrochen und gestorben. Der in Chile geborene 66-Jährige hinterlässt eine Frau und vier erwachsene Söhne.
Der FDP-Politiker und Rechtsanwalt war über viele Jahre hinweg eine feste Größe in der Landespolitik. Mertin war insgesamt 19 Jahre Abgeordneter im rheinland-pfälzischen Landtag, von 2006 bis 2011 Vorsitzender der FDP-Fraktion und mit einer Unterbrechung insgesamt 15 Jahre lang Justizminister.