Traditionelles Handwerk an Rhein und Mosel

Trockenmauerbau soll Immaterielles Kulturerbe werden

Trockenmauern prägen das Bild der Weinregionen an Rhein und Mosel – und sind Lebensraum für Tiere. Nun soll ihr Bau Immaterielles Kulturerbe in Deutschland werden.

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Von Autor/in Alexandra Leininger

Wenn man durchs Mittelrheintal oder die Moselregion fährt, fallen sie sofort ins Auge: Trockenmauern. Meist aus regionalem Naturstein gebaut, stützen sie Hänge, gliedern Weinberge, bieten Lebensraum für Tiere und prägen das Landschaftsbild – und das seit Jahrhunderten. Jetzt setzen sich Akteure aus ganz Deutschland für die Aufnahme des Trockenmauerbaus in das Immaterielle Kulturerbe Deutschlands ein.

Etwas zu schaffen, was fast eine Ewigkeit hält.

Handwerk aus Stein - ganz ohne Mörtel

In Filsen am Rhein treffen sich regelmäßig Teilnehmer zu Trockenmauerbau-Kursen. Einer von ihnen ist Heiner Brodt. Der Rentner aus Idstein ist für die Kurse in seine Heimatregion zurückgekehrt. Die Faszination: Steine so zu setzen, dass sie ohne Mörtel stabil halten – und dabei Lebensräume für Tiere wie Eidechsen, Wildbienen oder Spinnen entstehen.

Geführt werden die Kurse unter anderem vom Zweckverband Oberes Mittelrheintal oder dem Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum. Kursleiter Günter Werner beschreibt das Bauprinzip wie ein Puzzle.

Jeder Stein ist anders. Aus diesen Formen eine stabile Mauer zu bauen, das ist echte Handwerkskunst.

Kursleiter Günther Werner spaltet einen Stein für eine Trockenmauer.
Kursleiter Günther Werner spaltet einen Stein für eine Trockenmauer. Bild in Detailansicht öffnen
Nico Melchior, Heiner Brodt und Günther Werner arbeiten an einer Trockenmauer in Filsen im Oberen Mittelrheintal
Trockenmauern sind für das Landschaftsbild im Mittelrheintal prägend - wie hier in Filsen, wo Nico Melchior, Heiner Brodt und Günther Werner an einer Mauer arbeiten. Bild in Detailansicht öffnen
Nico Melchior vom Zweckverband Oberes Mittelrheintal legt Steine für eine Trockenmauer.
Nico Melchior vom Zweckverband Oberes Mittelrheintal legt Steine für eine Trockenmauer. Der Zweckverband bietet regelmäßig Kurse für dieses Handwerk an. Bild in Detailansicht öffnen

Mauern mit Geschichte und Bedeutung an Rhein und Mosel

Trockenmauern sind nicht nur schön, sondern auch funktional. In den Steillagen der Mosel und des Mittelrheins strukturieren sie Weinberge, verhindern Erosion und speichern Wärme. Schon in der Jungsteinzeit war diese Bauweise bekannt – und bis heute ist sie eng mit der Kulturlandschaft von Rhein und Mosel verbunden.

Das Terrassieren der Hänge war ganz entscheidend für die Bewirtschaftung der Steillagen und damit für das Erscheinungsbild und die wirtschaftliche Entwicklung der Region.

Welterbe-Titel für mehr Sichtbarkeit des Trockenmauerbaus

Weltweit ist der Trockenmauerbau bereits Immaterielles Kulturerbe der UNESCO – etwa in Griechenland, Italien oder Irland. Deutschland steht bislang allerdings nicht auf der Liste. Das wollen die Regionalinitiative "Faszination Mosel", der Zweckverband Oberes Mittelrheintal und weitere Partner aus verschiedenen Regionen Deutschlands nun ändern.

Ein terrassierter Weinberg im Saaletal in Sachsen-Anhalt.
Trockenmauern prägen insbesondere in den deutschen Weinanbaugebieten das Landschaftsbild - wie hier an der Saale in Sachsen-Anhalt.

Ziel ist es, den Trockenmauerbau zunächst auf die deutsche Liste des Immateriellen Kulturerbes setzen zu lassen. Bis Ende Oktober muss der Antrag eingereicht sein. Danach kann die Nominierung für die internationale UNESCO-Liste folgen.

Denn der Trockenmauerbau sei prägend für die Moselregion und ihre Weinkulturlandschaft, sagt Simone Röhr von der Regionalinitiative Faszination Mosel. "Die Anerkennung wäre wertvoll für den Erhalt des Handwerks, der Kulturlandschaft und der Artenvielfalt."

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Großer Tag für das "Trierer Nationalgetränk": Der Apfelwein Viez gehört jetzt zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Die Urkunde wurde am Dienstag in Wiesbaden vergeben.

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Alexandra Leininger