Neben den 55 getöteten Weidetieren wurden im Norden von Rheinland-Pfalz weitere acht Tiere durch Angriffe von Wölfen verletzt. Einige davon so schwer, dass sie anschließend geschlachtet werden mussten. Aus den Daten des Koordinationszentrums Luchs und Wolf (KLUWO) geht außerdem hervor, dass weitere zwölf Weidetiere nach Wolfsangriffen verschwunden sind.
Bei den Weidetieren handelte es sich um Schafe, Ziegen oder Damwild. Laut KLUWO waren die meisten der Tiere nicht durch spezielle wolfsabweisende Schutzzäune gesichert.
Die mit Abstand meisten Angriffe durch Wölfe gab es im Kreis Neuwied, im Kreis Altenkirchen und im Westerwaldkreis. Dort leben drei Wolfsrudel, die in diesem Jahr erneut alle Nachwuchs bekommen haben. Es gab aber auch einzelne Vorfälle mit Wölfen im Rhein-Lahn-Kreis oder im Rhein-Hunsrück-Kreis. Dort ziehen immer mal wieder einzelne Wölfe durch.
Wolfsrüde im Westerwald weiterhin auffällig
Vor einem Jahr hatte das Umweltministerium den Wolfsrüden des Leuscheider Rudels im Westerwald zum Abschuss freigegeben. Der Schritt war möglich, weil der Wolf zweimal innerhalb eines kurzen Zeitraums einen speziellen Schutzzaun überwunden und Weidetiere getötet hatte. Das Verwaltungsgericht Koblenz hatte die Abschussgenehmigung jedoch kassiert, weil die Naturschutzinitiative mit Sitz im Westerwald dagegen geklagt hatte.
Auch in diesem Jahr hat dieser Wolfsrüde erneut mehrfach Weidetiere getötet. Laut KLUWO hat er dabei aber nicht erneut zweimal binnen kurzer Zeit einen speziellen Schutzzaun überwunden. Das Umweltministerium hatte also keine Handhabe, erneut einen Abschuss zu prüfen.
Deutlich weniger Wolfsrisse im Sommer
Beim Blick auf die Daten des KLUWO fällt auf, dass es im Sommer deutlich weniger Angriffe durch Wölfe auf Weidetiere gab. Laut KLUWO hängt das vermutlich damit zusammen, dass die Wölfe im Sommer mehr Wildtiere jagen - etwa Rehe oder Wildschweine. Deren Jungtiere seien im Sommer leichter für die Wölfe zu erbeuten.
Außerdem würden sich die Wolfsrudel im Sommer nicht so viel und weit bewegen, weil sie durch ihre jungen Wolfswelpen eingeschränkt seien. Die Welpen könnten zu dieser Jahreszeit noch keine weiten Strecken zurücklegen. Die Wölfe bleiben also eher im Wald.