Fabian atmet tief aus. Er trainiert gerade in einem Frankenthaler Fitness-Studio. Regelmäßig kommt er hier her. Und dass er das kann, zehn Jahre nach seinem Schädel-Hirn-Trauma und den daraus folgenden körperlichen Einschränkungen, das sorgt für Glücksgefühle bei dem 30-Jährigen.
So lebt Fabian aus Frankenthal heute
"Wenn ich hier nach der Arbeit herfahren und wie ein normaler Mensch trainieren kann, das ist einfach ein Riesen-Freudegefühl für mich", sagt Fabian. Er arbeitet im Versicherungsbüro seines Vaters in Frankenthal. Dort macht er eine Ausbildung zum Versicherungsfachmann.
Die Ärztin sagte, wir sollen einen Pflegeplatz für Fabian suchen - er wird nie wieder laufen.
Der Vater Andreas Pozywio ist stolz, dass Fabian sich trotz des schweren Schlags wieder ins Leben zurückgekämpft hat. Kurz nach der Tat am 8. August 2015 hat es nicht danach ausgesehen, sagt Fabians Vater: "Am 16. Januar 2016 hat die Krankenhaus-Ärztin angerufen und gesagt, wir sollen einen Pflegeplatz für Fabian suchen...."
Und dann versagt die Stimme des Vaters. Er schluckt, eine Träne fließt über seine Wange.
Nach Bierflaschen-Angriff wieder auf den Beinen
"Die Ärztin sagte: Er wird nie wieder laufen", erzählt Andreas Pozywio. Das kann nicht sein, antwortet Andreas Pozywio damals. Denn Fabian konnte seine Beine im Rollstuhl bewegen.
Und der Vater behielt recht: Nach mehreren Aufenthalten in Reha-Einrichtungen und durch intensives Training hat es Fabian wieder auf die Beine geschafft, im wahrsten Sinne des Wortes.
Fabian sagt, er sei glücklich
An seinem Gangbild sieht man auch zehn Jahre nach der Tat die Einschränkung. In einer Hand hat er noch eine Spastik. Zudem hat Fabian Probleme mit dem Kurzzeit-Gedächtnis. Der Angriff damals kam aus dem Nichts, sagt Fabian. Es gab Streit wegen eines Mädchens. Er war mit der Ex-Freundin des Täters zusammen.
Und der habe zugeschlagen. Trotz des Angriffs ist der 30-Jährige heute glücklich, sagt er dem SWR-Reporter: "Ich kann wieder Autofahren, habe eine tolle Wohnung und eine hübsche Freundin - das hätte ich vor fünf, sechs Jahren nie gedacht."
Zehn Jahre nach Bierflaschen-Attacke: Gewaltopfer über Pressearbeit Gewaltopfer aus Dirmstein: "Über die Opfer wird kaum gesprochen"
Am Tag der Kriminalitätsopfer ist unter anderem Thema, wie Medienberichterstattung auf Opfer wirken. Ein Gewaltopfer aus Dirmstein erzählt von seiner Erfahung.
Eine Sache schmerzt Fabian Pozywio aber noch immer sehr - auch zehn Jahre nach der Tat: Der in erster Instanz verurteile Täter musste nie ins Gefängnis.
Denn während der Verhandlung in der zweiten Instanz vor dem Frankenthaler Landgericht flüchtete er ins Ausland und kam bislang nicht zurück. Er wurde zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt.
Fahndung nach verurteiltem Täter auch 10 Jahre nach der Tat
Auf Anfrage teilte die Staatsanwaltschaft in Frankenthal dem SWR mit, dass gegen den rechtskräftig verurteilten Täter weiterhin ein sogenannter Vollstreckungshaftbefehl besteht. Aufgrund dieses Haftbefehls werde weiter nach dem Täter gefahndet.
Die Tat als solche könne nicht mehr verjähren, da sie bereits rechtskräftig abgeurteilt worden sei. Jedoch trete mit Ablauf des 25. September 2029 eine sogenannte Vollstreckungsverjährung ein. Nach Ablauf dieser Frist darf die Haftstrafe nicht mehr vollstreckt werden.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft bleibt der Täter bis zu diesem Datum zur Festnahme ausgeschrieben.