Immer wieder werden Kommunalpolitiker beschimpft und bedroht, im Internet und auf der Straße. Auch für den Landauer Bürgermeister Lukas Hartmann (Grüne) ist das nichts Neues: "Es gab in Landau einen Mann, der immer eine Kotzgeste machte, wenn ich ihm begegnete", sagt Hartmann.
Vergangene Woche schrieb ein Nutzer auf Facebook: Er wolle, dass Hartmann gelyncht wird. Hartmann fordert schon länger, dass die Stadt ihre Facebook-Präsenz beendet. Im Gespräch erklärt er, wieso.
SWR Aktuell: Herr Hartmann, Sie wurden vergangene Woche auf der Straße beschimpft und bedroht, kurz davor hat jemand auf Facebook zum Mord gegen Sie aufgerufen. Wie geht es Ihnen?
Lukas Hartmann: Gerade komme ich vom Laufen, das tut morgens gut bei so einem Job. Ich muss sagen: Die Angelegenheit auf Facebook berührt mich nicht so sehr - ich finde das schlimm, aber leider ist es normal dort. Aber was auf der Straße mit meinem Sohn auf dem Arm geschehen ist, das geht mir ein bisschen nah.
Es gibt keinen absoluten Schutz für Amtsträger.
SWR Aktuell: Haben Sie Angst in Ihrem Alltag, dass Ihnen oder Ihrer Familie etwas passieren kann?
Hartmann: Es gibt für uns Amtsträger keinen absoluten Schutz, vielleicht auch keinen großen Schutz - abgesehen von einer Gesellschaft, die auf uns aufpasst. Wenn uns jemand was antun möchte, dann wird er oft die Gelegenheit dazu finden. Wenn man gedanklich irgendwann zu dem Punkt gekommen ist, dann lässt sich ein bisschen entspannter damit leben. Für meine Familie hoffe ich, dass sie nicht zu sehr unter meinem Amt zu leiden hat.
"Ein Drittel fand es richtig gut, ein Drittel fand es richtig scheiße, der Rest: irgendwo dazwischen" Wie Lukas Hartmann in Landau die Verkehrswende durchsetzen wollte
Lukas Hartmann (Grüne) hat in Landau eine Verkehrspolitik gemacht, über die bis heute diskutiert wird. Wir haben mit ihm gesprochen, über Autos, Fahrräder - und wie es heute um die Verkehrswende in Landau steht.
SWR Aktuell: Wie häufig kommt sowas vor, dass Sie beleidigt oder gar bedroht werden? Und wie gehen Sie dagegen vor?
Hartmann: Der Staatsschutz und die Staatsanwaltschaft kümmern sich. Der Staatsschutz war beispielsweise mal bei uns zu Hause, hat sich alles angeschaut, hat uns beraten und nachgerüstet.
Ich würde sagen, früher kam sowas häufiger vor: Zu den Zeiten, als ich für Verkehr und Mobilität zuständig war in der Stadt Landau, ist das leider regelmäßig passiert. Vielleicht war letzte Woche doch einfach nur eine sehr merkwürdige Woche.
SWR Aktuell: Sie selbst sind seit vier Jahren nicht mehr auf Facebook und haben im Stadtvorstand vorgeschlagen, dass die Stadt sich nun auch aus dem Netzwerk herauszieht. Hat das was mit der Morddrohung zu tun, die Sie kürzlich erhalten haben?
Hartmann: Das ist nur der Anlass, noch mal darüber zu reden. Ich finde, dieses Netzwerk ist geprägt von einer krassen Negativität. Da wird quasi alles schlecht geredet, was die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung Landau machen. Es können die sinnvollsten Sachen sein, aber wenn Sie da die Kommentarspalten lesen, dann glauben Sie, hier arbeiten nur Deppen.
Hartmann: Ich glaube, das schadet letzten Endes der Stadt Landau, und das lässt sich nicht moderieren. Gute Leute, die Engagierten, die Verständnisvollen - die kommentieren dort kaum noch mit. Und deshalb muss man irgendwann mal sagen: Die gute Zeit von Facebook ist vorbei. Da sollte man einfach raus.
SWR Aktuell: Überlässt man damit die sozialen Netzwerke nicht Menschen, die radikale Meinungen oder gar Morddrohungen verbreiten wollen?
Hartmann: Solange man als Stadt dort ist und sieht, dass Straftaten begangen werden, sollte man diesen nachgehen. Ansonsten würde ich sagen. Hey, raus da und überlassen das wir doch den Rechten und den irgendwie Mit-Sich-Selbst-Unzufriedenen ein Netzwerk, in dem sie sich wie bei einem alten Stammtisch treffen und sich gegenseitig aufputschen. Alles, was wir dort sagen, bringt eh nichts. An anderer Stelle sollten wir uns weiter engagieren.