Bezirkspolizei als Ausweg?

Nach erneuter Massenschlägerei zwischen Großfamilien: Anwohner haben Angst

Zum wiederholten Mal kam es in Ludwigshafen zu einer Massenschlägerei. Anwohner fürchten, dass ein Streit zwischen zwei Großfamilien eskaliert. Wie sicher ist es vor Ort noch?

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Stand

Von Autor/in Finn Jakob Müller

"Ich habe Angst gehabt, mein Herz hat geschlagen bis zum Hals", sagt eine Augenzeugin der Auseinandersetzung am Freitag vor einer Woche. Sie möchte anonym bleiben.

Edigheim, der Stadtteil, in dem sie lebt, galt bis vor Kurzem noch als ruhig. "Wir haben immer in Sicherheit gelebt", betont auch Christiane Ohlinger-Kirsch (CDU), Mitglied im Ortsbeirat. Doch die Idylle gerät ins Wanken.

Anwohnerin: Aus Wortgefecht wird Massenschlägerei

Gegen 21 Uhr habe sie am Freitag vor einer Woche draußen Stimmen gehört, berichtet die Anwohnerin. Ihre erste Vermutung: lärmende Betrunkene. Doch als sie aus dem Fenster sah, seien dort mehrere Männer gewesen, die sich beschimpft hätten.

Die wurden immer aggressiver, lauter, immer schneller.

Immer mehr Personen seien dazugekommen – rund 20 Menschen standen sich laut Polizei schließlich gegenüber. Die Situation eskalierte. Die Gruppen gingen aufeinander los - auch mit Messern und Pfefferspray.

"Ich habe dann nur noch gemacht, dass ich in Deckung gehe, den Notruf wähle", sagt die Augenzeugin.

Man weiß ja in so einer Situation auch nie – nachher steht man im Wohnzimmer und kriegt eine Kugel in den Kopf.

Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an. Mehr als 50 Beamte aus verschiedenen Dienststellen waren im Einsatz. Die Bilanz der Auseinandersetzung: fünf Verletzte, zwei von ihnen schwer.

Ein paar Tage später steht Ortsvorsteher Frank Meier (SPD) am Tatort. "Das darf nicht wahr sein, das passt zu uns gar nicht hier", sagt er. Die Sorgen vor Ort seien groß. Er habe Mails und Anrufe von Anwohnern bekommen. "Sie haben gesagt: Sie fühlen sich nicht mehr so sicher."

Polizei: Massenschlägerei Teil eines schwelenden Konflikts zwischen Großfamilien

Laut Polizei geht es bei der Auseinandersetzung um einen schon länger schwelenden Konflikt zwischen zwei türkischstämmigen Großfamilien. Erst vor wenigen Wochen war es nur ein paar Straßen weiter zu einem ähnlichen Vorfall gekommen – ebenfalls mit Verletzten.

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Worum es bei dem Streit konkret geht, ist noch unklar. Thorsten Mischler von der Polizei Ludwigshafen schließt aus, dass es um Streitigkeiten aus dem kriminellen Milieu geht. Der Ursprung liege "eher im persönlichen Bereich. Aber was genau es ist, das wissen wir noch nicht".

Wenn wir hier von Familienstreitigkeiten reden, dann sollte man das wie Familien klären - ohne Gewalt, in Gesprächen, am heimischen Küchentisch. Und nicht in der Öffentlichkeit.

Für viele im Stadtteil ist das kein Trost. "Das geht einfach nicht, das ist so nicht in Ordnung", sagt Ortsbeirätin Christiane Ohlinger-Kirsch. Dass ein Familienstreit einen ganzen Ortsteil in Angst versetze, sei inakzeptabel.

Polizei kündigt verstärkte Präsenz im Ludwigshafener Stadtteil an

Ohlinger-Kirsch fordert mehr Polizeipräsenz. Die Polizei wolle dem nachkommen, kündigt Polizeisprecher Mischler an. Ziel sei es, mögliche Eskalationen frühzeitig zu erkennen. Es seien bereits sogenannte Gefährderansprachen erfolgt. Bei solchen wird versucht, auf bisher noch nicht straffällig gewordene Beteiligte einzuwirken, um weiteren Konflikten vorzubeugen. Weitere Maßnahmen, wie Meldeauflagen oder auch Personen in Gewahrsam zu nehmen, seien möglich. Gegen drei Tatverdächtige wird aktuell ermittelt.

Forderung nach Massenschlägerei: Bezirkspolizei stärken

Wie sich solche Vorfälle künftig verhindern lassen? Das diskutiert auch die Kommunalpolitik. CDU und SPD in Ludwigshafen fordern von der Landesregierung, den Bezirksdienst der Polizei zu stärken – als Ansprechpartner vor Ort. Um Entwicklungen frühzeitig erkennen zu können.

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Auf Anfrage dazu schreibt das rheinland-pfälzische Innenministerium: Der Dienst werde zurzeit modernisiert, damit Beamte in Ortschaften präsenter sein können. Noch in diesem Jahr sollen die Maßnahmen schrittweise ausgerollt werden. Dadurch soll laut Ministerium auch der Bezirksdienst in Ludwigshafen gestärkt werden. Die Gewerkschaft der Polizei ist jedoch skeptisch: Um den Bezirksdienst wirklich stärken zu können, brauche es vor allem mehr Personal.

Sorge vor weiterer Eskalation im Ludwigshafener Stadtteil

Trotz aller Ankündigungen bleibt in Edigheim erst mal ein mulmiges Gefühl. "Das ist so wie die Ruhe vor dem Sturm", sagt Ortsbeirätin Ohlinger-Kirsch.

Man lebt natürlich in der Sorge: Kommt es wieder? Passiert wieder so ein Vorfall? Wird es noch schlimmer?

Die Hoffnung der Menschen in Edigheim: Dass endlich wieder Ruhe einkehrt – in ihren bis vor Kurzem noch so friedlichen Stadtteil.

Das Recherche-Team des SWR-Politikmagazins "Zur Sache" hat vor Ort versucht, mit Familienmitgliedern der Konfliktparteien zu sprechen. Laut einem Anwohner sei eine der beiden Familien allerdings unmittelbar nach der Schlägerei in Urlaub gefahren. Auch zu der anderen Familie fand sich kein Kontakt.

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