Schon am Abend vor der Schulung konnten die ukrainischen Feuerwehrmänner ihre neuen Fahrzeuge kurz betrachten. Nach dem Abendessen der Delegationen fragte Neustadts Feuerwehrleiter Stefan Klein die Ukrainer, ob sie nicht die Wache sehen wollen. "Die Augen wurden ganz groß", sagt Klein. Als er ihnen die Fahrzeuge zeigte, fragte einer: "Das sind wirklich unsere neuen Feuerwehrautos?"
Die Stadt Neustadt hat der Feuerwehr aus der westukrainischen Stadt Mukatschewo drei ausrangierte Feuerwehrautos gespendet. Um an den Fahrzeugen geschult zu werden, sind die Ukrainer in einem Minibus knapp 1.400 Kilometer nach Neustadt gereist.
Neustadt hat kürzlich selbst neue Fahrzeuge bekommen
Die Idee zur Fahrzeug-Spende kam im Oktober vergangenen Jahres, erzählt Neustadts Oberbürgermeister Marc Weigel. Als die Freiwillige Feuerwehr auf dem Neustadter Marktplatz neue Löschfahrzeuge bekam, sprach ihn ein Mann an, sagt Weigel: Wollen wir die alten Autos nicht spenden? "Da musste ich keine Sekunde überlegen, die können die Fahrzeuge gut gebrauchen", sagt Weigel. Die Stadt Neustadt habe die drei alten Fahrzeuge generalüberholt und voll ausgestattet.
Seit Jahren ist Krieg in der Ukraine. Auch wenn Mukatschewo im Westen des Landes ist – den Krieg spüre man überall, sagt Julia Tayps, Vize-Bürgermeisterin Mukatschewos: "Auch bei uns gibt es täglich Luftalarm, psychologischen Druck, wirtschaftliche Belastungen. Wir haben gerade 25.000 Binnenflüchtlinge."
Was bringen drei Feuerwehrautos im Krieg in der Ukraine?
Was bringen da drei Feuerwehrautos? Viel, sagt Tayps. Russland greife gezielt Löschfahrzeuge an. Das Land kann jede Hilfe gut gebrauchen. "Unsere Männer fahren mit den Autos direkt an die Front", sagt sie. Dort verteidige man nicht nur die Ukraine, sondern ganz Europa, so Tayps.
Neustadt spendet zwei Löschfahrzeuge und eine Drehleiter. Die Feuerwehrmänner aus der Pfalz zeigen ihre Kollegen aus der Ukraine die Pumpen, Schläuche, Armaturen; die Drehleiter wird ausgefahren, die Feuerwehrautos Probe gefahren. "Die Einweisung ging relativ schnell, wir haben uns auf Englisch verständigt", sagt einer der Feuerwehrmänner aus Neustadt.
Neustadt: Bratwurst mit Kartoffelsalat zum Abschluss
Einen Vormittag, länger brauchen die Ukrainer nicht. Dann sind sie bereit, die Feuerwehrautos zu benutzen. Zum Abschluss gibt es Mittagessen auf der Feuerwache. Bratwurst mit Kartoffelsalat.
Danach geht es für die Feuerwehrleute aus der Ukraine wieder zurück. Fast 1.400 Kilometer liegen vor ihnen, 24 Stunden werden sie unterwegs sein – in ihren neuen Feuerwehrautos.