Sommercamp in Ludwigshafen

Ukrainische Kinder nehmen "Auszeit vom Krieg" in Ludwigshafen

13 ukrainische Kinder verbringen zwei Wochen in Ludwigshafen. Es ist das erste Mal in drei Jahren, dass sie an einem friedlichen Ort sind - frei vom Krieg.

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Von Autor/in Laura Scanu

"Ich vermisse meine Oma sehr. Ich denke immer daran, wie sie mir die leckersten Pfannkuchen gemacht hat", erzählt die 11-jährige Marina. Zwölf andere Kinder sitzen in einem Stuhlkreis mit ihr. Alle tragen traditionell ukrainische Tracht. Auf den ersten Blick sieht die Gruppe wie eine Schulklasse aus.

Bei der Gruppe handelt es sich aber nicht um eine Schulklasse. Das einzige, das sie verbindet, ist der Krieg in ihrer Heimat, der Ukraine. Jetzt sind sie in Sicherheit - das erste Mal, seitdem Russland vor drei Jahren die Ukraine angegriffen hat. In Ludwigshafen besuchen sie das Sommercamp "Auszeit vom Krieg".

13 ukrainische Kinder verbringen zwei Wochen in Ludwigshafen und nehmen eine "Auszeit vom Krieg" in der Ukraine.
13 ukrainische Kinder verbringen zwei Wochen in Ludwigshafen und nehmen eine "Auszeit vom Krieg" in der Ukraine.

So erleben Kinder den Krieg in der Ukraine

Am Tag, an dem Russland die Ukraine angegriffen hat, hat Marina morgens Donnergeräusche gehört, erzählt sie. Als sie dann aus dem Fenster geschaut hat, sah sie, dass es Bomben waren. Mit ihrer Familie flüchtete sie nach Swjahel, wo sie auch heute noch lebt. Ihre Oma blieb zurück, erzählt Marina mit Tränen in den Augen.

Zwei Mädchen fangen auch an zu weinen, als Marina ihre Geschichte erzählt. Die beiden Betreuerinnen nehmen sie in den Arm, auch ihnen fließen die Tränen. Ein Junge, er heißt Sascha, verlässt den Raum. Er hat seinen Vater an der Front verloren, erklärt Valentyna Sobetska. Sie organisiert das Sommercamp.

Sascha und Marina aus Swjahel in der Ukraine. Sie nehmen auch am Sommercamp in Ludwigshafen teil.
Marina und Sascha aus Swjahel in der Ukraine beim Sommercamp in Ludwigshafen.

Zwölf Tage Sommercamp in Ludwigshafen

Über 1.700 Kilometer sind die Kinder und zwei Betreuerinnen von Swjahel nach Ludwigshafen gefahren. 28 Stunden hat die Fahrt gedauert. In Ludwigshafen bleiben sie insgesamt zwölf Tage, bevor es wieder zurück in die Heimat geht.

Das Sommercamp "Auszeit vom Krieg" gibt es seit 2014. Organisatorin Sobetska, die selbst aus Swjahel kommt, hat den Verein Kinderhilfe Ukraine Rhein-Neckar gegründet und setzt sich seitdem für die Partnerschaft der Städte ein.

Die Kinder leben dort unter Sirenen und Alarmen. Das Sommercamp soll ihnen zumindest für kurze Zeit einen kriegsfreien Alltag ermöglichen.

"Die Kinder leben dort unter Sirenen und Alarmen. Das Sommercamp soll ihnen zumindest für kurze Zeit einen kriegsfreien Alltag ermöglichen", sagt Sobetska. Das Programm ist vielfältig und soll Spaß machen.

Viele Wanderungen stehen auf dem Plan, denn das ist seit dem Krieg in der Ukraine nicht mehr möglich, erklärt sie. Die Gefahr von Minen sei zu groß. Das Highlight: ein Besuch im Plopsaland, dem ehemaligen Holidaypark.

Hoffnung auf Frieden in der Ukraine

Die beiden Kinder Marina und Sascha wünschen sich beide ein schnelles Ende des Krieges. "Ich wünsche mir als erstes aber, dass alle Kriegsgefangenen freigelassen werden", sagt Sascha. Er wirkt müde und mitgenommen.

Beim Frühstück am Dienstagmorgen ist auch Ludwigshafens Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck dabei. Für sie haben die Kinder ein ukrainisches Volkslied eingeübt und präsentieren es. Es spricht vom Frieden und der Schönheit der Ukraine.

Swjahel seit Kriegsbeginn Partnerstadt von Ludwigshafen

Seit 2022, dem Jahr des Kriegsbeginns in der Ukraine, sind Ludwigshafen und Swjahel Partnerstädte. Zu Beginn der Partnerschaft hieß die nordukrainische Stadt noch Novograd-Volynskij. Aber der Name sollte nicht mehr russisch sein. Swjahel ist eine Anlehnung an den Namen der Stadt, den sie bis Ende des 18. Jahrhunderts hatte.

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