Der Manja verdanke er, dass er noch lebt, sagt ein Patient. Er wollte am 13.03. eigentlich sterben, an seinem Hochzeitstag. Er ging sein Telefonbuch durch, um sich von Bekannten und Freunden zu verabschieden. Manja kannte er von einem vorherigen Aufenthalt.
Sie sagte: Komm zu uns in die Klinik. Dort haben sie ihn aufgepeppelt. Man erkannte, dass seine Gallenblase platzt. Sie hat ihn gerettet, sagt er.
Manja Bergmann, 48, ist Deutschlands Pflegerin des Jahres. Sie arbeitet in Ludwigshafen auf einer Station für Patientinnen und Patienten mit Rückenmarksverletzungen. Was macht sie so besonders?
Manja Bergmann: Seit 25 Jahren an der BG Ludwigshafen
"Hälfte geschafft, du Profi!", sagt Manja zu einem Patienten. Sie hilft ihm in den Rollstuhl, eine Kollegin unterstützt. "Stück für Stück, zum absoluten Glück!"
Manja duzt alle auf der Station, das macht man so bei uns, sagt sie. Weil ihre Patienten oft monatelang bei ihr sind. Weil sie so ein engeres Verhältnis zu ihnen hat.
Manja kommt eigentlich aus Brandenburg. Sie arbeitet seit 25 Jahren an der BG-Klinik in Ludwigshafen. Schon in der Abi-Prüfung ging es bei ihr um Querschnittslähmungen, erzählt sie. Später, als sie ihre Ausbildung in der Neurologie machte, wollte sie wissen, wie es für Patienten mit Rückenmarksverletzungen weitergeht. Jetzt ist sie auf der Station Q für Querschnittsgelähmte.
Ätherische Öle als Ergänzung für ihre Patienten
Sie hat sich weitergebildet zu ergänzenden Pflegemethoden. Manja nutzt Aromapflege mit speziellen ätherischen Ölen, also dann, wenn ihre Patienten das wollen.
Dem Patienten, dem sie in den Rollstuhl half, massiert sie ein Öl mit Rosmarin in den Rücken. “Es ist keine 0815-Pflege hier, sondern ein Extra”, sagt er. “Es tut einfach gut”. Die Düfte befreien seinen Atem. Und er fühlt sich wohler damit, sagt er.
Aroma als Brücke gegen Berührungsängste
Die Aromen sind oft eine Brücke für Angehörige, erzählt Manja. Dass man gelähmt ist, führt bei vielen zu Berührungsängsten. Manja erzählt von Paaren, die sich durch Düfte wieder angenähert haben. Von Erinnerungen, die mit Düften verbunden werden. Erinnerungen an Zuhause.
“Der Duft und das Riechen geht unmittelbar in unser limbisches System, da ist das Belohnungssystem ganz nah”, sagt der Oberarzt Ansgar Türk. Es ist ein Zugang zu Menschen, der ganz lange offen ist - auch bei Menschen, denen es nicht gut geht. Die Pflege mit Düften ist ein Zusatz.
Selbstgenähte Kissen mit positiven Botschaften
Im Laufe des Vormittags hilft sie Patienten aus dem Bett, misst den Blutdruck, wäscht Haare, entfernt Fäden nach einer OP. Und zeigt und erklärt gleichzeitig alles einem Kollegen, denn Manja ist auch Praxisanleiterin.
Immer mit dabei: Ein kleiner Wagen mit Duft-Diffuser, ätherischen Ölen und selbstgenähten Kissen mit Sprüchen wie “Du schaffst das”. Ihre Tochter fing während Corona an, die kleinen Kissen zu basteln. Jetzt macht das ganze Team der Station mit. Patienten bekommen sie an ihr Bett gehängt.
Patient: "Sie hat mich getröstet"
“Ich bin unheimlich gerne mit Menschen zusammen”, sagt Manja. Sie liebt ihren Beruf. Gerade auch, weil sie Menschen in einschneidenden Momenten begleiten kann. “Manchmal helfen auch keine Worte. Da nimmt man sich dann einfach in den Arm”, sagt sie.
Warum hat sie den Preis so verdient?
“Sie ist Mensch geblieben”, sagt der Oberarzt. “Sie ist immer für einen da, nicht nur im Stationsalltag”, sagt eine Kollegin. “Sie hat mich getröstet”, sagt ein Patient.