Nach Petition für besseres Essen

Streit um Schulessen gelöst: Der Speiseplan an Frankenthaler Schulen wird erweitert

Ungenießbar und nicht genug – eine Petition kritisierte das Essen an Ganztagsschulen in Frankenthal. Nun wird das Essen angepasst.

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Von Autor/in Paul Lütge

Penne mit Sojabolognese, buntes Linsenragout mit Spätzle, Seelachsfilet mit Bio-Kartoffeln – in der Theorie klingt der Speiseplan für das Karolinen-Gymnasium in Frankenthal echt gut, findet Monika Weber. Auch ein Expertengremium aus Mainz hat beim Blick auf den Speiseplan festgestellt: Vollwertig und ausgewogen, sehr gute Bewertung, 13 von 15 Punkten.

Doch probiert haben die Experten das Essen nicht. Denn die Realität sehe anders aus, sagt Weber, deren Tochter die Schule seit September 2023 besucht: Die Nudeln seien öldurchtränkt, die Kartoffeln ungesalzen, die Spätzle glichen einer Mehlpampe. Weber fordert deshalb in einer Petition an den Bürgermeister der Stadt Frankenthal: "Verbessern Sie das Mittagessen in Frankenthaler Schulen, Herr Dr. Meyer!" Mehr als 700 Menschen hatten den Aufruf schon unterschrieben.

Schlechtes Schulessen: Stadt Frankenthal reagiert auf die Kritik

Nun hat die Stadt Frankenthal reagiert. In Gesprächen mit dem zuständigen Caterer wurde entschieden: Das Essen an den betroffenen Schulen wird angepasst. Die Schülerinnen und Schüler der betroffenen Schulen haben in Zukunft die Auswahl zwischen zwei unterschiedlichen Speisen, teilte die Stadt Frankenthal mit: "Oberbürgermeister Dr. Nicolas Meyer hat die Beschwerden ernst genommen und die Akteure an einen Tisch gebracht, um gemeinsam eine schnelle Lösung zu finden."

Den erweiterten Speiseplan soll es schon nach der Karnevalswoche geben. Er sei gültig bis zum Ende des Schuljahres, schreibt die Stadt in einer Pressemitteilung.

42 Euro im Monat fürs Schulessen

Dass sich Kinder mal übers Essen beschweren, sei sicher nichts Ungewöhnliches, sagt Weber. Doch ihre Tochter und viele andere Kinder nutzen das Kantinenangebot schon lange nicht mehr: "Vorletzte Woche Dienstag haben 35 von 80 Kindern das Essen gegessen", sagt Weber. Weber und andere Eltern in Frankenthal zahlen dafür 42 Euro pro Monat. Sie haben dafür einen Vertrag mit der Stadt abgeschlossen, der sich nur am Ende eines Schuljahres kündigen lässt.

Catering-Unternehmen soll die Stadt vor Unzufriedenheit gewarnt haben

Der betroffene Essens-Lieferdienst kommt aus Mannheim, das Unternehmen heißt BVS-Catering. Es beliefert insgesamt vier Grundschulen, drei weiterführende Schulen und zwei Förderschulen in Frankenthal. Seit 2019 versorgt das Unternehmen Schulen in Frankenthal, das aktuelle Vertragsverhältnis begann 2022. In einer Stellungnahme an den SWR schrieb das Unternehmen, dass es die Stadt Frankenthal mehrmals um eine "Preisanpassung" bat, um "die Wirtschaftlichkeit der täglichen Essenslieferung gewährleisten zu können". Wegen der wirtschaftlichen Veränderungen in den vergangenen Jahren, etwa durch die Inflation, sei eine solche Preisanpassung notwendig.

Weil die Stadt diesen Forderungen nicht nachgegangen sei, hatte sich der Caterer auf die "Mindestvorgaben des in der Vergabe definierten Leistungsverzeichnisses reduziert". BVS-Catering schrieb weiter: "Wir möchten an dieser Stelle darauf hinweisen, dass wir bereits im Vorfeld auf die mögliche Unzufriedenheit an den Schulen hingewiesen haben, da die Auswahl der Speisen dadurch eingeschränkt wird."

Quelle: Privat
Frankenthaler Ganztagsschulen werden von BVS Catering aus Mannheim beliefert

Diese Reduktion der Menüs führte laut Caterer aber "in keiner Weise zu einer Beeinträchtigung der Qualität der gelieferten Speisen." Eine Preisanpassung soll es nun gegegen haben, sagt die Stadt Frankenthal auf Nachfrage. Der Caterer bekommt mehr Geld. Somit sei eine zweite Menülinie wieder eingeführt worden. "Wir freuen uns, dass wir in den Gesprächen zu einer guten, gemeinsamen Lösung gekommen sind", sagt Sebastian Götz, Geschäftsführer von BVS Catering.

Stadt: Essen entspricht den Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung

Die Stadt Frankenthal bestätigt, dass die Beschwerden sich in den vergangenen Wochen gehäuft haben. "Es wurde sehr intensiv in der Schulessen-AG, der auch Eltern angehören, die die Petition gestartet haben, darüber gesprochen."

Auch aus Sicht der Stadt lagen die Ursache für die Beschwerden nicht in der mangelnden Qualität der Speisen, heißt es in einer Stellungnahmen an den SWR. Das Catering-Unternehmen hatte die Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung eingehalten: Salzarm, fettreduziert, schonend gegart.

Vertrag mit dem Caterer läuft im Sommer aus

Petition, Ärger, Prüfung durch die Stadt, nun eine Änderung des Speiseplans - dabei könnte sich das Problem im Sommer erledigen: Am Ende des Schuljahres läuft der Vertrag der Stadt Frankenthal mit dem BVS-Catering aus. Frankenthal leitet in den nächsten Wochen ein europaweites Vergabeverfahren ein, die Entscheidung soll im Mai durch den Stadtrat erfolgen.

Spinat, Kartoffeln und ein Omelett, das wär' mal was!

Zu spät, hatte Weber empfunden. Sie verlangte besseres Essen oder ein Ende des Vertrags, jetzt. Und die betroffenen Schülerinnen und Schüler? Monika Weber sagt, dass in der Klasse ihrer Tochter bereits ein Kantinen-Tagebuch geführt wurde, mit detaillierter Beschreibung des Essens – und warum es mangelhaft ist. Weber packte ihrer Tochter nun täglich Thermo-Boxen ein, mit eigenem Essen. Auf das Schulessen verzichte sie – dabei verlange sie gar nicht viel, sagt Weber. Ihre Tochter soll ihr erst kürzlich gesagt haben: "Spinat, Kartoffeln und ein Omelett, das wär‘ mal was!".

Dass der Plan nun geändert wird, freut Weber. Trotzdem ist sie noch skeptisch: "Mal schauen, ob das Essen dann auch wirklich besser schmeckt", sagt sie.

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