"Ja, es ist eine stressige Woche…" sagt Dekan Volker Janke. Er jage gerade von Termin zu Termin, leider habe er keine Zeit für ein persönliches Treffen, nur für ein Telefonat mit dem SWR. Janke gehört dem Protestantischen Kindertagesstättenverband Landau an, Betriebsträger von 19 evangelischen und drei ökumenischen Kindertageseinrichtungen in Landau und im Kreis Südliche Weinstraße.
Seit Dienstag ist er im Krisenmodus: Da musste er die Eltern von gut 70 Kindern informieren, dass die Kita "Froschteich" im Landauer Stadtdorf Queichheim erstmal geschlossen werden muss. Weil Ratten im Gebäude gesehen wurden.
Unterbringung der gut 70 Kinder jetzt gesichert
Für die Eltern sei das erstmal der Super-GAU gewesen, berichtet Janke: "Es möchte ja niemand seine Kinder in einer Kita haben, in der Ratten rumlaufen." Hinzu kommen die organisatorischen Herausforderungen, wenn die Kita plötzlich dicht ist. "Ich mache mir da viele Gedanken drüber: Das wird für einige ein großes Problem, da eine Betreuung sicherzustellen."
Am Freitag teilte der Protestantische Kindertagesstättenverband Landau mit: Die Unterbringung der gut 70 Kinder sei jetzt geregelt. Ab Mittwoch kommender Woche kann demnach eine Betreuung für sieben Stunden - von 8 bis 15 Uhr - in anderen Kindertagesstätten in Landau für alle Kinder gewährleistet werden.
Zwei Aufgaben: Ratten raus, Kinder rein
Dafür waren Janke und sein Team an zwei Fronten aktiv: Zum Ersten sollten die Kinder auf andere Kitas im Umland verteilt werden. Da müsse man natürlich auch drauf achten, dass das kindgerecht passiert, so Janke: "Die werden ja völlig aus dem vertrauten Umfeld herausgerissen." Gerade für die kleineren Kinder könne das schwierig werden. Die Erzieher saßen Janke zufolge seit der Schließung zusammen und versuchten, das zu organisieren.
Zum zweiten soll die Kita so schnell wie möglich wieder bezogen werden können. Und da gibt es Hoffnung, dass die Kita doch nicht gleich vier Wochen am Stück geschlossen werden muss. Laut Janke ist es momentan nämlich unklar, ob das Problem überhaupt noch besteht.
Sind die Ratten noch da?
Zwar seien wohl einzelne Ratten in einem Eimer in der Kita gefunden und rausgebracht worden, so Janke. Die könnten allerdings auch reingeschlüpft sein: "Wenn die Kinder im Freien spielen, muss eine Tür offen sein. Ich kann die Kita nicht hermetisch abriegeln." Der Kammerjäger habe jedenfalls bislang kein Anzeichen dafür gefunden, dass sich noch immer Tiere in dem Gebäude befinden. "Es gibt keine Löcher und auch in der Speisekammer wurde nichts angeknabbert", so Janke.
Am Mittwoch hatte der Kammerjäger Fressfallen in der Kita ausgelegt. Sollten die in einer Woche noch unberührt sein, könne man davon ausgehen, dass keine Tiere mehr da sind. Dann könnte eine komplette Grundreinigung des Gebäudes in Auftrag gegeben werden.
Viel Solidarität nach Rattenbefall in Kita
Bis dahin hat Janke auch weiterhin viel zu tun: Am Donnerstagabend traf sich der Elternausschuss, für Montag ist eine Elternversammlung geplant. Trotz ihrer Sorgen hätten die Eltern viel Verständnis, sagt Janke. Mehr noch: "Wir bekommen gerade eine Welle von Sympathie: Eltern, Firmen, alle bieten uns Hilfe an."
Doch auch verletzende Kommentare auf Social Media bekomme die Kita seit der Schließung. Gerade auf Facebook kursieren Janke zufolge aber auch Kommentare, die ohne jedes Hintergrundwissen über die hygienischen Verhältnisse in der Kita spekulieren: "Die Menschen vor Ort sind emotional getroffen. Das Gesundheitsamt und Ordnungsamt hat uns bescheinigt, dass an den hygienischen Verhältnissen nicht auszusetzen ist", sagt er.
Mutter von betroffenem Kind: "Anstrengend für uns"
Und wie geht es den Familien, deren Kinder gerade nicht mehr in die Kita können? Chinnu Georges Tochter Georgia vermisst ihre Kita: "Für sie ist es anstrengend, und für uns auch", sagt George.
Ihre Tochter wolle immer viel Kontakt mit anderen haben. Draußen sein, mit Kindern spielen, nicht Zuhause sein. "Aber zurzeit geht das leider nicht." Chinnu George ist gerade in Elternzeit, weil sie einen kleinen Sohn bekommen hat. Deswegen kann sie es gerade noch gut regeln, sagt sie.
Normalerweise arbeiten sie und ihre Mann beide als Krankenpflege - da wäre das dann etwas schwieriger, so ganz ohne Kita.