Ungewöhnliche Idee

Ludwigshafen: Grundschüler sollen während Sanierungen in Auffangschulen ausweichen

Wenn gehämmert, gebohrt und gefräst wird, ist ungestörter Schulunterricht so gut wie unmöglich. Was also tun, wenn die Schule saniert werden muss? In Ludwigshafen hat die Stadt einen Vorschlag.

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Von Autor/in Frank Schumann

In Ludwigshafen gibt es nicht nur auf den Straßen und Brücken viele Baustellen. Aktuell sind viele Bauarbeiter auch in Kitas und Schulen aktiv. In den Stadteilen Nord und Maudach werden zwei Kitas neu gebaut. Und in den Stadtteilen Oggersheim, Süd, Gartenstadt und West werden insgesamt fünf in die Jahre gekommenen Schulen saniert und erweitert. Die Höhe der Kosten für diese Bauarbeiten kann sich sehen lassen: mehr als 90 Millionen Euro bis 2027, wenn alles fertig saniert ist.

Ludwigshafen: Sanierungen gehen immer weiter

Ist eine Schule oder Kita fertig modernisiert, ist schon die nächste fällig. Die Stadt besitzt eigenen Angaben zufolge 52 Schulen und fast 40 Kitas. Baudezernent Alexander Thewalt (parteilos) ist überzeugt: "In den nächsten Jahren werden die Sanierungen immer größer". Meist werden Fenster erneuert, Wasserleitungen neu gelegt und die Heizung ausgetauscht. Diese Arbeiten während des laufenden Schul- und Unterrichtsbetriebs zu machen, gilt als unmöglich - Lärm und Baustaub würden Schüler und Lehrer mürbe machen.

Ausweichquartiere müssen her

Also müssen die Beteiligten während der Sanierung woanders hin umziehen. Containerlösungen gibt es zwar, sind aber nicht beliebt. Bei älteren Schülern wie zum Beispiel im Gymnasium, könnten Schüler und Lehrer eine Zeitlang in andere Schulen ausweichen, wo Platz ist, auch wenn dies vielleicht nur in einem anderen Stadtteil möglich wäre. Bei den sechs- bis zehnjährigen Grundschülern ist das nicht möglich. Längere Schulwege sollen den Kleinen nicht zugemutet werden. Und so wird in der Stadtverwaltung eine Idee hoch gehandelt: die der Ausweichquartiere.

Immer wenn in Ludwigshafen eine Grundschule saniert oder teilweise neu gebaut wird, sollen die Schülerinnen und Schüler in ein festes Ausweichquartier während der Umbauzeit einziehen. Das ist die Idee von Alexandert Thewalt. Die Verwaltung sei auf der Suche nach geeigneten Standorten, sagt er. Einmal sei die Verwaltung kurz davor gewesen, ein geeignetes Grundstück zu kaufen, verrät er dem SWR. Doch dann hätte ein Investor das Grundstück gekauft.

Wofür er Verständnis hat, ergänzt der Baudezernent. Denn schließlich müsse sich die Stadt ja weiterentwickeln und in einem solchen Fall hat ein Investor Vorrang. Thewalt kann sich einen Neubau eines Ausweichquartiers vorstellen. Aber auch ein leeres Gebäude sei dafür denkbar, wenn es für die Erfordernisse angepasst werden kann, die man für einen Schulbetrieb braucht.

Gespräche mit der Landesregierung schon geführt

Bis zu drei solcher "Auffangschulen" sind laut Baudezernent in Ludwigshafen denkbar. Das kostet natürlich Geld. "Zu diesem Thema sind wir mit dem Land im Gespräch", beteuert Thewalt. Wieviel Geld solche Ausweichquartiere kosten würden, ist noch nicht bekannt. Die Verwaltung betritt auf jeden Fall Neuland. Ludwigshafen wäre die erste Stadt in Rheinland-Pfalz mit dauerhaften Ausweichquartieren für Grundschulen.

Der alte Luitpold-Bau der Schillerschule in Ludwigshafen wird saniert.
Der alte Luitpold-Bau der Schillerschule in Ludwigshafen wird saniert.

Wie lang sich eine Schulsanierung hinziehen kann, dafür ist die Schiller-Grundschule im Stadtteil Oggersheim ein gutes Beispiel. 2019 begann das Sanierungsprojekt, zunächst mit geschätzten Kosten in Höhe von 8,2 Millionen Euro. 2023 begann die "heiße Phase": Die Lehrer und 340 Schülerinnen und Schüler zogen in ein zwei Kilometer entferntes Ausweichdomizil. Glücklicherweise fanden sie Platz in der "Integrierten Gesamtschule Ludwigshafen Oggersheim Ernst Bloch", der "IGSLO". Dieses Provisorium hält nun schon mehr als zwei Jahre lang an.

Schillerschule: Es gab immer wieder Verzögerungen

In der Schillerschule am Oggersheimer Altstadtplatz musste ein Gebäude abgerissen und neu gebaut werden. Außerdem mussten der "Schillerbau" und der "Luitpoldbau", zwei alte Gebäude, umgebaut werden. Außerdem galt es, den Schulhof neu zu gestalten.

Ein Zementmischer auf dem Schulhof der Schillerschule in Ludwigshafen. Noch gibt es einiges zu tun.
Ein Zementmischer auf dem Schulhof der Schillerschule in Ludwigshafen. Noch gibt es einiges zu tun.

Der Umbau war im vollem Gang, als Experten des Landesdenkmalamtes auf dem Schulgelände ein Gräberfeld von 1862 fanden. Die 60 Gräber mussten umgebettet werden und das kostete Zeit. "Die Arbeiten mussten ruhen", stellt Baudezernent Thewalt fest: "Das hat den Umbau verzögert". Trotzdem sollten Schülerinnen und Schüler nach den Sommerferien in ihre sanierte Schule zurückkehren. Doch das wird wieder nichts: Die Außenanlagen sind noch nicht fertig. "Das ist blöd", gibt Thewalt zu und hat nun den 27. Oktober, den ersten Schultag nach den Herbstferien, für den Umzug im Blick.

Wird am Ende alles gut?

Schüler und Lehrer können sich dann auf helle, neue Räumlichkeiten freuen. Alle Gebäude sind barrierefrei, die Klassen- und Lehrerzimmer hell und freundlich. Alle Fenster wurden ersetzt. Einige Malerarbeiten stehen noch aus und Spielgeräte werden noch angeschafft. Die Schule hat eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Geheizt wird allerdings noch mit Gas. Um dem Ziel mit klimaneutralem Heizen näher zu kommen, hoffen die Techniker in Zukunft auf Fernwärme.

Ein neues Klassenzimmer im Neubau der Schillerschule in Ludwigshafen.
Ein neues Klassenzimmer im Neubau der Schillerschule in Ludwigshafen.

In vielen Räumen stehen schon die Umzugskartons. Die Komplett-Sanierung der Schillerschule hat natürlich auch ihren Preis: statt der geplanten 8,2 Millionen sind die Kosten auf erwartete 14,1 Millionen Euro gestiegen.

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Frank Schumann

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