Bei der Tafel in Ludwigshafen bilden sich am Donnerstagmittag schon eine halbe Stunde vor der Lebensmittelausgabe lange Schlangen. Alleinstehende Senioren, Familien mit kleinen Kindern warten darauf, günstig frisches Obst und Gemüse, Backwaren aber auch Milchprodukte einkaufen zu können.
Nur wirklich Bedürftige dürfen bei der Ludwigshafener Tafel einkaufen
"Zu uns dürfen die Menschen alle 14 Tage an einem ihnen fest zugewiesenen Tag zum Einkaufen kommen", erklärt Jürgen Hundemer, Vorsitzender der Ludwigshafener Ehrenamtsbörse 'Vehra', die die Tafel organisiert. Einkaufen darf nur, wer seine Bedürftigkeit auch nachweisen kann, etwa weil er Grundsicherung bezieht.
3.000 Menschen sind in Ludwigshafen Tafel-Kunden
3.000 Menschen, davon 1.000 Kinder, nutzen in Ludwigshafen das Angebot der Tafel. Um allen gerecht zu werden, hat die Tafel Ludwigshafen an sechs Tagen die Woche auf. 185 Ehrenamtliche sind pro Woche für die Tafel im Einsatz.
Es herrscht schon viel Armut in Ludwigshafen.
Eine von ihnen ist Alexandra Siebenhaar. Sie engagiert sich seit zwei Jahren bei der Tafel: "Wir haben mittlerweile Aufnahmestopp. Es werden ja immer mehr Familien, die auf unser Angebot angewiesen sind. Es herrscht schon viel Armut in Ludwigshafen. Und da sind schlimme Schicksale dabei", erzählt die Ehrenamtliche.
Der Ansturm ist nicht mehr bewältigbar
Jürgen Hundemer erklärt: "Wir können diesen Ansturm überhaupt nicht mehr bedienen. Wer bei uns auf der Warteliste steht, muss vier Monate warten, bis er bei uns einkaufen kann." 1.000 Menschen stehen auf der Warteliste der Tafel in Ludwigshafen.
Energiekosten explodieren
Und die Kosten für die Tafel explodieren. 150.000 Euro im Jahr machen allein die Fixkosten für die Tafel Ludwigshafen aus. Darunter fallen auch die enorm gestiegenen Kosten für Strom, Gas und für Diesel für die Fahrzeuge, mit denen die Tafel die günstigen Lebensmittel bei den Supermärkten abholt.
"Es ist eine Katastrophe für uns. Wir werden dieses Jahr allein 13.000 Euro für Diesel für unsere Fahrzeuge ausgeben müssen", erklärt Vehra-Chef Hundemer. Das alles sei ohne große Spendensummen nicht mehr leistbar.
Tafel Speyer beim DRK: Monatliche Spritkosten verdoppelt
Auch im Tafelladen in Speyer hat sich eine kleine Warteschlange gebildet. Zwei Mal in der Woche werden dort Lebensmittel ausgegeben - sechs Tonnen pro Woche.
Die Tafel wird vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) organisiert, wir treffen DRK -Geschäftsführerin Simone Heilmann und Karin Zenkert, die sich ums Büro und neue Kundenanträge bei der Tafel kümmert. Insgesamt sind 1.500 Kunden registriert, zu jeder Lebensmittelausgabe kämen rund 100 Menschen.
Tafel Speyer: Spritkosten verdoppelt
Die gestiegenen Preise seien deutlich spürbar, sagen beide. "Als ich kürzlich unsere Spritabrechnung gesehen habe, war die doppelt so hoch wie davor", sagt Simone Heilmann, Geschäftsführerin beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Speyer. Statt 1.000 Euro im Monat seien es jetzt fast 2.000. "Das ist eine extreme Steigerung." Und das nur für den Sprit.
Ausreichend Lebensmittel bei der Tafel in Speyer
Die Lebensmittel werden von Ehrenamtlichen mit den DRK-Fahrzeugen abgeholt. "Wir sehen gar kein Einsparpotenzial, weil die Supermärkte angefahren werden müssen, sonst haben wir hier weniger Lebensmittel", sagt Heilmann. Und auf gar keinen Fall würden einzelne Touren gestrichen, um Kosten zu sparen. "Wir würden Himmel und Hölle in Bewegung setzen, dass wir es weiter aufrechterhalten können. Lebensmittel einsparen und damit die Kunden treffen, die eh am Existenzminimum leben? Das ist der falsche Weg."
Anders als in Ludwigshafen gebe es keine Warteliste bei der Tafel in Speyer, sagt Karin Zenkert. Lebensmittel seien immer ausreichend vorhanden, "deshalb können wir alle versorgen, die kommen." Insgesamt sind 1.500 Kunden registriert. Am Monatsende, wenn das Geld knapp werde, dann "kommen immer mehr Menschen."
Kürzlich habe es ein schönes Erlebnis gegeben, erzählt Heilmann. Eine Dame habe sie angerufen, nachdem sie ein Kühlfahrzeug der Tafel gesehen habe. "Wie macht ihr das denn mit den Spritpreisen?", habe sie gefragt, ehrlich interessiert. Naja, die Tafel müsse das halt stemmen, habe Heilmann geantwortet. "Ach, wissen Sie was? Dann spende ich 500 Euro für den Sprit", habe die Frau gesagt.
Tafel in Frankenthal: Krise noch nicht spürbar
"Wir spüren die Krise noch nicht, aber sie kommt immer verzögert bei uns an", sagt Tanja Wagner am Telefon. Sie leitet die Tafel des Malteser Hilfsdienstes in Frankenthal. Wenn Menschen feststellten, dass sie nicht mehr mit ihrem Geld auskommen, weil die Preise steigen, dann müssten sie erst einmal Anträge bei den Behörden stellen, um einen Berechtigungsschein für die Tafel zu bekommen. Und das könne dauern.
Malteser: Weniger Lebensmittel verfügbar
Was die Tafel in Frankenthal hingegen zu spüren bekommt: Es gebe deutlich weniger Lebensmittel von den Supermärkten, die ihre Waren länger im Regel ließen, sagt Wagner, also bis nahe ans Mindesthaltbarkeitsdatum.
Auch mithilfe Künstlicher Intelligenz gelinge den Supermärkten eine bessere Planung, so dass weniger Lebensmittel übrig blieben und damit auch weniger Ware bei den Tafeln ankomme. Die Malteser-Tafel versorgt mit ihren Lebensmitteln rund 1.000 Menschen.