Das Logo ihres ersten "Babys" baumelt Anton Gartner um den Hals. Auf seiner Silberkette ist ein Emblem, ein Schuh mit Flammen. Ein Sneaker. Das Logo von Heat Movement, die App, die Gartner gemeinsam mit Henning Sattler vor sieben Jahren gründete.
Bei Heat Movement werden Veröffentlichungen von Sneakern vorgestellt. Das Start-up der beiden Neustadter wuchs nach der Gründung immer weiter, irgendwann hatten sie knapp 30 Mitarbeiter und insgesamt fünf Millionen Downloads – die Sneaker-App Nummer 1 in Deutschland, so nannten sie es selbst. Doch dann ging es nicht mehr weiter. Weniger Menschen interessierten sich für Turnschuhe, weniger Downloads der App. Was tun, wenn der Hype vorbei ist?
Start-up-Gründer aus Neustadt kennen sich schon seit langem
"Ja, das war schon eklig, da bin ich ganz ehrlich", sagt Anton Gartner. Er sitzt am Essenstisch in ihrem Büro-Komplex und spricht über die vergangenen Jahre. "Heat Movement ist ja auch unser Baby, das haben wir großgezogen. Es war keine einfache Zeit für uns, als es nicht mehr so lief.“
Gartner und Sattler kennen sich schon seit der Schulzeit. Schon vor der Gründung waren sie Sneaker-Fans und posteten von ihren Schuhen auf einem Instagram-Account. Dann meldeten sich immer mehr Leute bei ihnen, fragten sie, woher sie die Schuhe hatten, wie viel sie kosten.
Sneaker-Start-up: Von Corona profitiert
Nach und nach entwickelte sich ihr Start-App. Gartner und Henning verdienten Provision an den Angeboten, die sie vorstellten. Sie arbeiteten mit Programmierern zusammen, stellten Praktikanten ein.
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Wenn Gartner davon erzählt, dann klingt das ein bisschen wie eine typische Gründungsgeschichte aus einer Garage im Silicon Valley - nur eben aus Neustadt an der Weinstraße: "Es war Corona, der Vibe war geil: Wir hatten nix anderes außer arbeiten, zocken und bei Lieferdiensten etwas zu bestellen". Er lacht.
Heat Movement war ein Gewinner der Coronazeit, sagt Gartner. Die Menschen gingen nicht mehr in Läden, sondern kauften online Schuhe. Und es gab einen Sneaker-Hype: Manche Schuhe waren regelrechte Sammlerobjekte. Andere so exklusiv, dass Menschen sie für ein paar Hundert Euro kauften für Tausende verkauften.
Neugründung: Droptime statt Heat Movement
Doch irgendwann wurde all das weniger. Gemeinsam mit ihrem ehemaligen Praktikanten Lars Bundenthal gründeten sie in der Zwischenzeit weitere Apps. Zufällig kam ein Unternehmen für Nahrungsergänzungsmittel auf sie zu und fragte, ob sie auch Angebote für Supplements, also Nahrungsergänzungsmittel, auf ihrer App anbieten.
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Ein großer Markt für Nahrungsergänzungsmittel
"Wir probierten es aus – und es funktionierte", sagt Gartner. Sie gründeten DROPTIME, eine App, die nach ähnlichem Prinzip funktioniert: Angebote für Nahrungsergänzungsmittel werden verglichen, Rabatte vorgestellt.
"Leute achten heutzutage immer mehr auf sich", sagt Gartner. "Man schaut auf seine Blutwerte, was man machen kann, um bessere Haut zu bekommen, wie viel Protein man täglich zu nimmt". DROPTIME richte sich nicht nur an Menschen, die viel im Fitnessstudio sind und Muskeln aufbauen – sondern an alle, die sich um sich selbst kümmern wollen, sagt er.
Personalverantwortung für jungen Gründer: "Echt hart"
Vor etwa anderthalb Jahren verkauften sie Heat Movement an einen Konkurrenten und entließen knapp die Hälfte ihrer Angestellten. "Das war echt hart, weil wir uns alle so gut hier verstehen, alle im gleichen Alter sind", sagt Gartner. Er macht sich deswegen noch ab und an Gedanken, sagt aber auch, dass es die richtige Entscheidung war.
Start-up: Einblick in die Büros
Ihre Büros zogen um, von der Neustadter Innenstadt in die Lindenstraße. Gartner zeigt die Räume: Sofas, große Bildschirme, Spielkonsolen, Plakate mit Motivationssprüchen vom Basketballer Michael Jordan.
Und zwei Fußballtrikots, die sie Vereinen aus der Pfalz gesponsort haben. Eines davon mit dem Logo von Heat Movement – das erste Baby bleibt nicht nur an Gartners Kette weiter in Erinnerung.