Die Südpfalzdocs sind seit mehreren Jahren aktiv. Sie vermitteln zum Beispiel Ärztinnen und Ärzte auf freie Stellen oder organisieren Fortbildungen. Das läuft bisher alles ehrenamtlich – und soll nun professioneller aufgestellt werden. Das Ziel ist es weiterhin, den Mangel an Hausärzten in der Südpfalz zu beheben.
"Wir haben ungefähr 50 Ärzte vermittelt", sagt Jonas Hofmann-Eifler von den Südpfalzdocs. "Doch wir haben gemerkt, dass das nicht reicht". Deswegen will das Ärzte-Netzwerk Ende des Jahres eine gemeinnützige GmbH (gGmbH) gründen. Und dann auch eigene Praxen eröffnen.
Südpfalzdocs wollen Mangel an Hausärztinnen beheben
Die erste eigene Praxis ist für 2026 und als medizinisches Versorgungszentrum geplant, in dem mehrere Ärztinnen und Ärzte angestellt sind und in einer Praxis zusammenarbeiten. "An welchem Ort in der Südpfalz wir die aufmachen, können wir noch nicht sagen", sagt Hofmann-Eifler. Dazu liefen gerade Gespräche.
Was schon feststehe: Erst einmal sollen vor allem Hausärztinnen und -ärzte in der "Südpfalzdoc-Praxis" angestellt werden. In diesem Bereich sei die Not am größten. Um die Abrechnung soll sich die Geschäftsführung der gGmbH kümmern. "Gemeinnützig heißt auch, dass wir keinen Investor haben, der das Geld aus der Praxis abzieht."
Zwei Kreise und Stadt Landau geben "Anschubfinanzierung"
Um die Versorgung durch Hausärztinnen in der Südpfalz zu verbessern, steigen auch der Kreis Germersheim, der Kreis Südliche Weinstraße und die Stadt Landau mit ins Modellprojekt ein. Jede Kommune entsendet eine Person in den Beirat der gGmbH.
Geld gibt es auch: Jonas Hofmann-Eifler spricht von einer "Anschubfinanzierung". Insgesamt wollen die drei Kommunen in den nächsten zwei Jahren 120.000 Euro dazugeben. Die beiden Kreistage haben schon zugestimmt, der Landauer Stadtrat entscheidet Anfang Oktober. Martin Brandl, CDU-Landrat von Germersheim, spricht von einer "riesigen Chance" und einem "wegweisenden Projekt".
Ergebnis einer Stichprobenumfrage des SWR Viele Hausarztpraxen in Rheinland-Pfalz sind überlastet
In Rheinland-Pfalz sind rund 250 Kassensitze für Allgemeinmediziner unbesetzt. Laut einer SWR-Umfrage sind viele Hausärzte überlastet. Besonders schlimm ist es auf dem Land.
Junge Medizinerinnen wollen sich lieber anstellen lassen
Mittlerweile haben die Südpfalzdocs nach eigenen Angaben 250 Mitglieder. "Viele Junge, die angestellt werden wollen und erstmal keine eigene Praxis aufmachen möchten", betont Hofmann-Eifler. Um das Vorhaben der eigenen Praxen umzusetzen, sei das Netzwerk auch auf Spenden und zum Beispiel Stiftungsgelder angewiesen.
In Rheinland-Pfalz sind die Hausärztinnen und -ärzte im Schnitt 58 Jahre alt. Diese Zahl hat die Kassenärztliche Vereinigung in diesem Sommer herausgegeben. Der Anteil von über 60-Jährigen liegt bei 44 Prozent. In der Südpfalz dürfte die Altersstruktur ähnlich sein.