In einem Brandbrief an die Schulaufsichtsbehörde Ende Mai 2025 hatten die Lehrkräfte eine solche Videoüberwachung verlangt. Dort stand unter dem Punkt "geforderte Maßnahmen": "Kameras auf den Gängen und im Pausenhof - Straftaten erkennen und Sammeln von Beweisen, um Täter/innen zu verfolgen. Schule ist kein rechtsfreier Raum."
Grund für diese Forderung sind demnach: Schlägereien im Schulgebäude und im Schulhof, das Mitbringen von Waffen, etwa Messer, und Zerstörungen am Gebäude - auch von Klassenräumen.
Fußballgroße Löcher in den Wänden
So erklärten die Lehrkräfte im Brandbrief, es gebe wiederholt massive Sachbeschädigungen: Wände hätten Löcher groß wie Fußbälle, frisch gestrichene Wände würden direkt wieder beschmiert, Tische, Stühle, Schränke in Klassenräumen kaputt gemacht.
Damit soll nun Schluss sein: An bestimmten Orten im Schulgebäude und auf dem Schulhof sollen Videokameras installiert werden, um solche Delikte zu verhindern, wie es aus dem Schulumfeld heißt.
Kamera über Feueralarmknopf schon da
Seit ein paar Wochen gibt es bereits eine Kamera, die den Feueralarmknopf überwacht. Seitdem sei dieser nicht einmal mehr unerlaubt gedrückt worden, erklären Lehrkräfte der Schule. Denn das Drücken dieses Knopfes habe zum Teil mehrfach am Tag für die Unterbrechung des Unterrichts gesorgt. Immer wieder musste die Feuerwehr und die Polizei ohne Not anrücken. Jeder Einsatz verursacht laut Stadt Ludwigshafen Kosten von über 1.000 Euro.
Nur in Ausnahmefällen Videoüberwachung erlaubt
Eine Videoüberwachung während der Schulzeiten ist grundsätzlich unzulässig. Das erklärte ein Sprecher des Landesbeauftragten für den Datenschutz Rheinland-Pfalz auf SWR-Anfrage.
"Die allgemeinen Voraussetzungen der Videoüberwachung sind in Paragraf 21 des Landesdatenschutzgesetzes (LDSG) geregelt. Soll in Gefährdungslagen, die einen Extremfall bzw. Ausnahmefall betreffen, eine Videoüberwachungsanlage während der Schulzeiten als erforderlich angesehen werden, müsse dies vorab im Einzelfall geprüft werden", so der Sprecher in einem schriftlichen Statement.
Eine Liste, wie viele Schulen im Land eine solche Videoüberwachung bereits haben, konnte der Landesdatenschutz allerdings nicht vorlegen.
"Ich sah und sehe weinende Kolleginnen" Ludwigshafen: Schlimme Zustände an der Karolina-Burger-Realschule - ein Lehrer packt aus
Gewalt auf den Gängen und im Hof, verzweifelte Lehrkräfte - die Karolina-Burger-Realschule in Ludwigshafen war am Donnerstag auch Thema im Bildungsausschuss des Landtags. Wie schlimm es tatsächlich ist, hat eine Lehrkraft dem SWR erzählt.
Ernst-Reuter-Schulzentrum hat Videoüberwachung
An den Schulen des Ernst-Reuter-Schulzentrums in Ludwigshafen-Gartenstadt wurde zum Beispiel die Videoüberwachung im Frühjahr 2026 stufenweise eingeführt. Erst an der Grundschule, nach einer schweren Verwüstung der Mensa im Januar 2026 und einer schweren Brandstiftung an Ostern 2026 auch an der Realschule plus.
Die Kameras sind hier aber ausdrücklich nur außerhalb der Unterrichtszeiten aktiv, um den Schulbetrieb nicht zu beeinträchtigen. Und die Überwachung läuft erst mal für ein Jahr auf Probe.
Ob an der Karolina-Burger-Realschule plus die Videokameras auch während der Unterrichtszeiten laufen werden, ist noch nicht bekannt, wie aus dem Schulumfeld zu hören ist.
Karolina-Burger-Realschule plus bekommt Unterstützung für Schulleitung
Doch der Karolina-Burger-Realschule plus soll nicht nur mit Videokameras geholfen werden, aus den Schlagzeilen herauszukommen. Nach den Herbstferien bekommt die Schule eine Unterstützung für die Schulleitung. Ein erfahrener Schulleiter wird das Team an der "Karolina" bis Ende des Jahres personell unterstützen.
Das bekam die Schule gestern von der Schulaufsichtsbehörde und dem Bildungsministerium mitgeteilt. Auch die Bildungsministerin Dr. Ute Eiling-Hütig (CDU) hat heute in Mainz vor dem Bildungsausschuss weitere personelle Unterstützung für die Schule angekündigt.
Mehr Lehrkräfte in Zukunft an der Schule
Es sollen weitere Lehrkräfte an die Schule kommen. Denn aktuell fehlen krankheitsbedingt weiterhin acht Lehrkräfte, so die Schulaufsichtsbehörde auf SWR-Anfrage. Laut Schülerinnen und Schülern der "Karolina" falle weiterhin viel Unterricht aus.
Zudem soll eine Förderschulkraft eingestellt und eine halbe, seit Jahren unbesetzte, Schulsozialarbeiterstelle bald besetzt werden, heißt es aus dem Schulumfeld und auch von der Bildungsministerin.
Der Schule steht noch ein langer Weg bevor
Schüler berichten dem SWR, es habe, wie von der Bildungsministerin Dr. Ute Eiling-Hütig Anfang September verkündet, durchaus in den Abschlussklassen auch mal "Team-Teaching" gegeben. Eine Lehrkraft habe zusammen mit einer pädagogischen Kraft unterrichtet. Aber das habe die Unterrichtssituation nicht nachhaltig beruhigt.
Nach wie vor sei es im Unterricht sehr laut und auch Prügeleien unter den Schülern, ob im Klassenzimmer oder auf dem Hof, gehörten weiterhin zum Schulalltag.
Es ist also noch ein weiter Weg, bis der Wunsch der Bildungsministerin wahr wird: Sie hatte Anfang September erklärt, sie wünsche sich, dass gerade die Schüler der Abschlussklassen am Ende des Schuljahres sagen können: "Es war doch schön an der Karolina." Bis es so weit ist, bleibt an der Brennpunktschule in Ludwigshafen viel zu tun.