"Mit dem Flug in den Süden startet für Jungstörche ein großes Abenteuer - aber eben auch eine Zeit mit erheblichen Gefahren", sagt Simone Friedrich, die neue Leiterin des Storchenzentrums Bornheim (Kreis Südliche Weinstraße). Dass die Tiere jetzt aufbrechen, hat weniger mit dem nahenden Herbst als mit dem Futter zu tun.
Lebensgefährliche Nahrungssuche - auch für Störche aus der Pfalz
Wenn Regenwürmer, Insekten und andere Beutetiere im Spätsommer schwieriger zu finden seien, machten sich vor allem die Jungstörche auf den Weg. "Altvögel folgen häufig etwas später." Wohin die Reise geht, lässt sich bei vielen Tieren genau verfolgen. Rund 150 Jungstörche aus dem Umfeld der Aktion PfalzStorch sind dieses Jahr mit Beinsendern ausgestattet worden. Die schicken regelmäßig Positionsdaten. "Wir können Zugrouten nachvollziehen, Rastplätze erkennen und sehen, wo die Tiere Nahrung suchen."
Mülldeponien: Weißstörche fressen Abfall und Plastik
Für Störche aus Rheinland-Pfalz führt die Reise häufig über die sogenannte Westroute. Sie führt über Frankreich und Spanien bis zur Straße von Gibraltar und weiter nach Nord- und Westafrika. "Die Tiere suchen unterwegs Landschaften auf, in denen sie möglichst viel Nahrung finden." Feuchtgebiete, Seen und bewässerte landwirtschaftliche Flächen seien wichtige Rastplätze. Manchmal landen Störche dort, wo Nahrungssuche gefährlich werden kann: etwa auf Mülldeponien. "Das ist ein großes Problem", sagt Friedrich. Schnüre, Gummiringe und andere Abfälle würden von den Tieren aufgenommen. "Sie fressen diese Dinge und verhungern anschließend trotz eines vollen Magens."
Storchenzentrum Bornheim appeliert an Bauern Plastik und Gummis auf Pfälzer Äckern werden zu Todesfalle für Störche
Auch in diesem Sommer hat das Storchenzentrum in Bornheim in der Südpfalz große Probleme mit Jungstörchen, die Plastikmüll gefressen haben. In der Regel haben die Tiere keine Überlebenschance.
"Stromtod" für Störche größte Gefahr
Doch es gibt noch eine größere Gefahr für die Störche auf dem Weg in den Süden. "Der Stromtod ist nach wie vor eines der größten Probleme." Ungesicherte Masten und Freileitungen könnten für Störche lebensgefährlich sein. Hinzu kämen Kollisionen mit Verkehr sowie der Verlust geeigneter Lebensräume und regional die Bejagung. "Gerade für Jungstörche ist das erste Jahr eine enorme Herausforderung."
Das zeigen die Überlebensraten. Während nach Schätzungen rund 80 Prozent der erwachsenen Störche ein weiteres Jahr erreichen, können im ersten Lebensjahr etwa 60 Prozent der Jungvögel verloren gehen.
Bangen um Storch Rocky aus Freinsheim
So gilt als nicht ausgeschlossen, dass ein Stromschlag auch Rocky aus Freinsheim zum Verhängnis wurde. Sein Aufwachsen wurde im Sommer von Tausenden Tierfreunden über eine Storchenkamera verfolgt. Das letzte Lebenszeichen von ihm, das auch über die App "Animal Tracker" verfolgt werden konnte, stammt demnach vom 20. August aus der 1.200 Kilometer entfernten spanischen Provinz Saragossa am Fluss Ebro.
800 Brutpaare in Rheinland-Pfalz Warum es immer mehr Störche in der Pfalz gibt
Dem Storch geht es so gut wie lange nicht mehr: Der Naturschutzbund NABU geht von 800 Brutpaaren im Land aus. Beim Storchenzentrum in Bornheim (Kreis Südliche Weinstraße) hat man eine Erklärung dafür.
Wettlauf ums Überleben
15 tote Jungstörche zählt die Aktion PfalzStorch. Wie viele der Jungstörche, die 2026 in Rheinland-Pfalz geschlüpft sind, eines Tages zurückkehren, ist offen. Viele Jungvögel blieben mehrere Jahre im Süden, bevor sie erstmals ein Brutrevier suchten. "Wenn wir wollen, dass die Störche wiederkommen, müssen wir ihnen hier etwas bieten." Nahrungsreiche Wiesen- und Kulturlandschaften seien entscheidend. Das erfolgreiche Storchenjahr ist für Friedrich ein Grund zur Freude - aber kein Anlass, sich zurückzulehnen. Während die Menschen in Rheinland-Pfalz den Spätsommer genießen, beginnt für die Störche die große Reise - und für viele ein Wettlauf ums Überleben.