"In der Weihnachtszeit spürt man nochmal stärker, dass man eingesperrt ist", sagt Michael. "Man vermisst seine Familie, seine Freunde und Menschen, die einem nahestehen." Es ist das zweite Weihnachtsfest hinter Gittern für Michael. Er sitzt seit 16 Monaten im Gefängnis.
So wie Michael, der eigentlich anders heißt, geht es in der JVA Frankenthal den meisten Gefangenen, erzählt Manfred Heitz. Er ist Gefängnis-Seelsorger, ihm vertrauen sich die Häftlinge an. "Die Stimmung wird ruhiger, bedächtiger und bedrückter. Weihnachten ist für viele ein emotional wichtiges Fest. Da nicht bei den Lieben sein zu können, das bedrückt viele."
An den Feiertagen 23 Stunden alleine in der Zelle
Stattdessen sitzen die Gefangenen zu Weihnachten noch länger allein in ihren Zellen als sonst. Heiligabend gibt es noch ein gemeinsames Singen und Gottesdienste. An den Weihnachtstagen dürfen die Häftlinge dann nicht arbeiten und haben nur eine Stunde Hofgang. Das bedeutet: 23 Stunden in der Zelle. "Die allermeisten hier freuen sich, wenn Weihnachten, Silvester und Neujahr vorbei sind und endlich wieder Alltag einkehrt."
"Es gibt Gefangene, die ziehen sich in dieser Zeit komplett zurück", sagt auch Gundi Bäßler, Leiterin der JVA Frankenthal. "Die Bediensteten und Beamten sind da sehr wach, um diese Stimmungen zu erkennen und die Gefangenen zu unterstützen. Die suchen dann das Gespräch und versuchen zum Beispiel dabei zu helfen, die Familie zu erreichen."
Weihnachtsgeschenke für Häftlinge: Auch Bediensteten ein Anliegen
Vielen Bediensteten der JVA sei es auch wichtig gewesen, dass die Gefangenen Weihnachten nicht ganz ohne Geschenk ausgehen. Denn von außerhalb des Gefängnisses - von Familie oder Freunden - dürfen die Insassen keine Pakete bekommen. Gefängnis-Seelsorger Manfred Heitz hat deswegen vorgeschlagen, Geschenktüten für die Gefangenen zu packen - und viele Bedienstete haben sich an der Aktion beteiligt. "Manche waren zwei, drei Stunden dabei und haben mitgepackt, das war ein tolles Miteinander", sagt er.
Die allermeisten hier freuen sich, wenn Weihnachten endlich vorbei ist.
Die Aktion, ein Weihnachtsgeschenk an die Gefangenen zu verteilen, gibt es schon länger. "Diesmal haben aber zum ersten Mal alle Gefangenen ein Geschenk bekommen, früher nur die Bedürftigen", freut sich Manfred Heitz. 5.000€ haben die Geschenke insgesamt gekostet - finanziert aus Spendengeldern. In den Tüten stecken zum Beispiel Mandarinen, Schokolade, Kaffee, Tee und Spekulatius, aber auch Duschgel, ein Wandkalender und ein Buch mit biblischen Sprüchen.
"Das ist saulieb", sagt Jens. Er strahlt über das ganze Gesicht als Manfred Heitz ihm sein Geschenk überreicht. "Das hätte ich nicht erwartet, dass ich hier ein Geschenk bekomme. Dass die Seelsorger das für uns machen, finde ich super."
"Vor allem in der Weihnachtszeit fühlt es sich gut an, zu wissen, dass man an uns denkt - obwohl wir eine kriminelle Vergangenheit haben", sagt auch der Gefangene Michael. "Während der Zeit im Gefängnis sind es die kleinen Dinge, die uns wichtig sind und Freude bereiten."
Ein Großteil seiner Zeit im Gefängnis liegt noch vor Michael. Er weiß aber schon jetzt: "Mein erstes Weihnachten, wenn ich hier raus bin, möchte ich mit meiner Familie verbringen."