In etwa so soll sich der Angriff auf zwei Männer am Pfingstmontag abgespielt haben: Die beiden arbeiten in einem Weinberg bei Böchingen (Kreis Südliche Weinstraße). Plötzlich und ganz unvermittelt bricht eine Bache, also eine Wildschwein-Mutter, aus einer Rebzeile hervor und greift an. Einem der Männer gelingt es, sich auf einen Weinbergspfosten zu retten. Der andere wird von der Wildsau zu Boden geworfen und am Bein verletzt. Später muss er im Krankenhaus behandelt werden. Die Tageszeitung "Die Rheinpfalz" berichtete zuerst von dem Vorfall.
Wildschwein-Mütter mit Jungen im Weinberg versteckt
Jörg Sigmund, Jagdmeister des Landkreises Südliche Weinstraße, wird nach dem Angriff umgehend informiert. Kurz darauf ist er mit dem Opfer in dem Weinberg unterwegs - sozusagen am Tatort. Und entdeckt ganz in der Nähe die Ursache für die Attacke. In einem hohen Blühstreifen inmitten des Weinbergs hatten sich zwei Bachen mit mehreren Frischlingen versteckt, so der Kreisjagdmeister. Das erkläre auch, warum die Wildsau so aggressiv reagiert habe. Sie wollte ihre Jungen schützen.
Kreisjagdmeister warnt: Achtung vor Wildschweinmüttern!
Kein Einzelfall: Gerade im Frühling und Frühsommer, wenn die Wildsäue mit ihrem Nachwuchs unterwegs sind, ist Vorsicht geboten, sagt Jörg Sigmund. Was aber tun, wenn ein Wildschwein angreift? Hier nennt Kreisjagdmeister Sigmund ein paar wichtige Verhaltensregeln und Dinge, die man wissen sollte: In der Regel mache eine Bache zunächst mal einen Scheinangriff, um den Gegner abzuschrecken. Sie renne auf einen zu, stelle die Ohren auf, schnaube und bremse abrupt ab. "Spätestens dann sollte man sich zurückziehen", rät der Südpfälzer.
Bei Wildschwein-Angriff: Hund von der Leine, rauf auf den Baum
Hundebesitzer sollten ihre Vierbeiner von der Leine lassen, wenn ein Wildschwein tatsächlich angreift, so Sigmund. Kleine Wildschweine und größere Frischlinge könnten mit Tritten abgewehrt werden. Greift aber ein großes Tier an, hilft es nur, das Weite zu suchen: Wenn möglich am besten auf einen Baum hinaufklettern, rät der Experte.
Rieche ich da etwa ... 👃 Maggi-Geruch im Wald? So schützt ihr euch vor einem Angriff durch ...
Vielen Leuten geht das Herz auf, wenn der Geruch von Maggi in der Nase kitzelt. Im Wald solltest du aber aufpassen – es könnte ein Wildschwein lauern.
Verhaltenstipps, um Wildschwein-Attacken zu vermeiden
Hier gibt der ehrenamtliche Jagdmeister des Kreises Südliche Weinstraße Spaziergängern und Hundebesitzern einige Verhaltenstipps mit auf den Weg:
- Hunde sollten an der Leine geführt werden.
- Auf Wegen bleiben und nicht in dichtes Gestrüpp oder Unterholz gehen, wo sich Wildschweine oft verstecken.
- Auf den Geruch achten: Bei warmen Wetter kann man Wildschweine riechen. Sie riechen dann stark nach Liebstöckel ("Maggi-Gewürz“).
- Bei Trockenheit und Hitze gilt Vorsicht an Gewässern, Feucht- und Schilfgebieten, weil Wildschweine sich dort dann besonders gerne aufhalten.
- Wer ein Wildschwein mit dem Auto anfährt, der solle am besten im Fahrzeug sitzen bleiben und warten, bis die Polizei oder ein Jagdpächter eintreffe.
Kreisjagdmeister: Wildschweine meiden Menschen normalerweise
Auch das betont Jörg Sigmund: "Wildscheine haben grundsätzlich Respekt beziehungsweise Angst vor dem Menschen. Sobald sie ihn riechen oder sehen, flüchten sie normalerweise." Es gebe aber neben Bachen, die ihre Jungen schützen noch weitere Ausnahmen: So könnten Wildschweine sehr aggressiv reagieren, wenn sie verletzt sind oder von Hunden gejagt werden.