Felix Koch hat sich gefreut. Er ist nach Mainz-Mombach gezogen, um einen kurzen Weg zu seinem Arbeitgeber nach Wiesbaden-Schierstein zu haben.
"Der kurze Arbeitsweg ist jetzt vorbei", sagt er im Gespräch mit dem SWR, "und die Freude auch." Grund ist die Sperrung der Abfahrt Mainz-Mombach der A643 herunter von der Schiersteiner Brücke.
Staus und Stress seit Sperrung der Abfahrt Mainz-Mombach
Die Autobahn GmbH hatte die Abfahrt am 8. Oktober dicht gemacht, weil Lkw-Fahrer mit Transportern über 3,5 Tonnen sich nicht an das Durchfahrverbot gehalten hatten.
"Wenn ich nach Hause nach Mombach fahren will, brauche ich jetzt statt zehn Minuten eine halbe Stunde, weil ich im Stau stehe", beschwert sich Felix Koch.
Er muss wie alle Verkehrsteilnehmer die nächste Ausfahrt nehmen. Das ist die Ausfahrt Mainz-Gonsenheim. "Dort staut es sich sofort nach der Abfahrt bis nach Mombach rein", erklärt er. Das nerve und stresse.
Kein Verständnis für Sperrung
"Ich verstehe nicht, warum nicht wenigstens die Autofahrer die Abfahrt Mombach nehmen dürfen", schüttelt Felix Koch den Kopf. "Man hätte doch Höhenbegrenzungen oder Kontrollen für Lkw-Fahrer an der Abfahrt einrichten können", beschwert sich der Mombacher. "Da muss es doch eine andere Lösung geben."
Die Autobahn GmbH hat mich einfach abgebügelt, anstatt mit mir vernünftig zu reden.
Felix Koch hat deshalb die Autobahn GmbH angerufen. Er wollte konstruktive Vorschläge machen. "Die haben mir nur gesagt, das ist so beschlossen und punkt", erzählt er. "Ich zahle Steuern, sie sind Dienstleister, sie hätten wenigstens mit mir reden können", sagt Felix Koch.
Auf ihrer Internetseite schreibt die Autobahn GmbH, dass sie Höhenbeschränkungen geprüft habe, die seien aber für diese Stelle zu gefährlich. Deshalb bleibe nur die Sperrung.
Autobahnpolizei Heidesheim: Kritik an Sperrung der Abfahrt
Für die Autobahnpolizei Heidesheim ist jedenfalls noch nicht das letzte Wort in Sachen Autobahnabfahrt Mainz-Mombach gesprochen. "Jeden Morgen gibt es an der Stelle enorme Verkehrsprobleme", erklärt ein Polizist. Das sei kein Wunder, denn die Autos könnten jetzt nicht mehr von der A643 abfahren. Mehr Pkw auf der Schiersteiner Brücke würden dann zwangsläufig zu kilometerlangen Staus führen.
"Unser Chef will unbedingt mit der Autobahn GmbH reden, denn dieser Zustand kann nicht bleiben," sagt der Mitarbeiter der Autobahnpolizei Heidesheim.
IHK Rheinhessen: Statt Sperrung, Zeit-Slots einführen
Auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) Rheinhessen hat Redebedarf mit der Autobahn GmbH. Die Transporter müssten Umwege fahren, um ins Industriegebiete Mombach zu kommen und stünden im Stau. Das koste Zeit und Geld. Die Sperrung der Abfahrt könne die IHK so nicht hinnehmen.
Wir wollen über Alternativen zur Sperrung reden, denn wir können das so nicht akzeptieren.
Die IHK Rheinhessen will mit der Autobahn GmbH über Alternativen zur Sperrung reden. "Wir könnten uns Zeit-Slots vorstellen, in denen die Lkw über die Abfahrtsrampe fahren dürfen", erklärt Melanie Dietz, Sprecherin der IHK.
"Vor allem aber wollen unsere Unternehmen wissen, wie der Ausbau der A643 weitergeht, zu der die maroden Rampen gehören", betont Melanie Dietz. Die IHK Rheinhessen habe schon nach einem Termin bei der Autobahn GmbH gefragt. "Das wird zwar dauern, aber wir werden mit denen reden", so die IHK-Sprecherin.
Blick aus dem Fenster schont Nerven
Felix Koch hat in der Zwischenzeit seine persönliche Lösung gefunden: "Ich kann von meinem Bürofenster die Schiersteiner Brücke sehen," erzählt er, "ich fahre erst los, wenn es sich nicht mehr auf der Brücke staut, das schont meine Nerven."