Viele junge Menschen mit Migrationsgeschichte verbringen ihre Sommerferien in der Heimat ihrer Eltern, besuchen Verwandte und haben dort eine tolle Zeit. Manchmal bedeutet so ein Heimaturlaub aber auch, dass junge Frauen zwangsverheiratet werden.
Isa und Leona sind Sozialarbeiterinnen bei den Beratungsstellen ZORA und INTAKT in Wiesbaden. Sie erzählen, dass sich jedes Jahr vor den Sommerferien Mädchen und Frauen bei ihnen melden, weil sie Angst vor einer möglichen Zwangsehe während des Urlaubs haben.
Familien üben Druck auf Töchter aus
Konkret berichten die Sozialarbeiterinnen von zwei Schwestern, die bei INTAKT Hilfe gesucht hatten. Die ältere der beiden, die bereits volljährig war, hatte erfahren, dass sie gegen ihren Willen verlobt werden sollte. Die Eltern hätten das hinter dem Rücken der Töchter besprochen.
Als sich die junge Frau gegen den Plan der Eltern wehrte, hätten diese gedroht, dass auch die Minderjährige verheiratet würde. Man würde sie sogar verschleppen. Mithilfe der Wiesbadener Beratung konnten die beiden Schwestern die Familie verlassen und sich in Sicherheit bringen.
Arrangierte Ehen gibt es in vielen Kulturen
Das Thema Zwangsheirat gebe es in ganz unterschiedlichen Kulturen, sagt Sozialarbeiterin Isa. "Wir haben Mädchen aus Osteuropa, auch aus Afrika, aus dem Mittleren Osten." Auch spiele die Religion keine Rolle.
Man kann nicht sagen, das hängt mit einer bestimmten Herkunft oder einer bestimmten Religion zusammen.
Wenn eine Zwangsehe droht: So helfen die Vereine
Gemeinsam mit den Mädchen und jungen Frauen werde immer besprochen, was ihnen am besten helfe.
Eine junge Frau habe zum Beispiel befürchtet, dass sie demnächst verheiratet werden könnte. "Sie hat dann gemeinsam mit uns organisiert, dass sie sich auf einen Studienplatz bewirbt, einen Bafög-Antrag stellt, so dass ihre Familie das nicht mitkriegt."
Hätte sich die Befürchtung der jungen Frau bewahrheitet, hätte sie im Zweifelsfall von ihrer Familie weggehen können und wäre auch so abgesichert gewesen, dass sie nicht gefunden werden könnte.
Beratung bei ZORA ist auf Wunsch anonym
Wer sich an ZORA wendet, muss keine persönlichen Daten angeben. Dort können sich Mädchen und junge Frauen auch ganz anonym beraten lassen.
INTAKT bietet besonderen Schutz für Minderjährige. Sie können sich dort selbst in Obhut nehmen lassen. Damit bedrohte Mädchen nicht gefunden werden können, ist die Adresse der Einrichtung geheim.