Eigentlich dürfen von März bis Oktober keine Gehölze großflächig zurück- oder abgeschnitten werden, denn Hecken und Gebüsche sind wichtige Brutstätten für Vögel. Radikale Rückschnitte können Nester zerstören oder die Aufzucht empfindlich stören, so die Naturschutzorganisation BUND.
Das Bundesnaturschutzgesetz (§ 39 BNatSchG) untersagt daher zwischen dem 1. März und dem 30. September bestimmte Pflanzenschnitte wie Abschneiden oder Entfernen von Gebüschen, Gehölzen und Hecken.
Rodet Bahn Bäume ohne Sondergenehmigung?
Wer trotzdem großflächig zurückschneidet, wie aktuell die Bahn im Bereich Pfeddersheim, braucht eine Sondergenehmigung von der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt. Die könne laut BUND auch nur in bestimmten Situationen erteilt werden - beispielsweise wenn ein Baum auf die Gleise zu fallen drohe.
"Unserer Ansicht nach kann es nicht sein, dass auf dieser Länge alle Bäume und Sträucher in ihrer Standfestigkeit bedroht gewesen sind", so Michael Leukam vom BUND in Worms.
Klare Vorgaben durch Bundesnaturschutzgesetz
Im aktuellen Fall in Worms-Pfeddersheim wurde bei der Stadtverwaltung nach ihren Angaben keine solche Genehmigung beantragt - und trotzdem von der Bahn ein Unternehmen mit dem Rückschnitt der Gehölze entlang der Gleise beauftragt.
"Für mich sieht es so aus, dass man mit den Arbeiten im Winter nicht hinterherkommt und jetzt schnell Tatsachen schaffen möchte - obwohl es im Bundesnaturschutzgesetz klar geregelt und verboten ist."
Wird Abstimmung mit Stadt Worms nachgeholt?
Das beauftragte Garten- und Landschaftsbauunternehmen gibt an, die Bahn hätte gesagt, alle Genehmigungen lägen vor. Die Bahn selbst hat sich zu dem Vorfall bislang noch nicht geäußert. Die Untere Naturschutzbehörde möchte "die Thematik im Rahmen eines Gesprächstermins vor Ort nochmals erläutern", heißt es auf SWR-Anfrage von der Stadt.
Verstöße gegen das Bundesnaturschutzgesetz wie mutmaßlich in Worms-Pfeddersheim gebe es laut BUND immer wieder. "Diesen Fall gab es vor vielen Jahren schon mal – die Bahn hat damals versprochen, dass sie solche Rückschnitte mit dem Umweltamt abstimmt", so Leukam. "Das ist hier wieder nicht geschehen."