Zunahme der Gewalt befürchtet

Entsetzen nach Angriffen auf Obdachlose in Bad Kreuznach

Die Angriffe auf zwei Obdachlose in Bad Kreuznach bereiten der Wohnungslosenhilfe Kreuznacher Diakonie große Sorgen. Sie fordert mehr Zivilcourage von Bürgerinnen und Bürgern.

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Stand

Von Autor/in Vanessa Siemers

Zwei verletzte Obdachlose innerhalb weniger Tage in Bad Kreuznach - beide Male waren Jugendliche an den Auseinandersetzungen beteiligt. Im ersten Fall wollte sich der wohnsitzlose Mann zum Schlafen hinlegen, als er laut Polizei von etwa sechs Jugendlichen angepöbelt wurde.

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Mit Flasche auf den Kopf geschlagen Angriff auf Obdachlosen in Bad Kreuznach - 13-Jähriger tatverdächtig

Die Polizei hat einen Jungen ermittelt, der in Bad Kreuznach einen Wohnsitzlosen mit einer Glasflasche verletzt haben soll. Er gehört zu einer Gruppe, die schon mehrfach auffällig geworden ist.

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Im zweiten Fall sollen Jugendliche den Hund eines Obdachlosen provoziert haben. Ob es sich bei den Jugendgruppen um dieselben Personen handelt, wird laut Polizei noch ermittelt.

Kreuznacher Diakonie befürchtet hohe Dunkelziffer

Doris Häfner-Kairo und ihre Kolleginnen und Kollegen von der Wohnungslosenhilfe der Stiftung Kreuznacher Diakonie beobachten diese Vorfälle mit Sorge. "Dass das jetzt innerhalb von einer Woche zweimal passiert, finde ich schon bedenklich, zumal ich mir sicher bin, dass die Dunkelziffer höher ist", so die Einrichtungsleiterin.

Obdachlose sind verunsichert und verängstigt

Bislang seien solche Angriffe nur aus größeren Städten bekannt, sagt sie. "Das Existentielle, was einem Menschen passieren kann, ist, eine Wohnung zu verlieren. Im öffentlichen Raum sind sie total schutzlos. Deswegen sind jetzt viele verunsichert und auch ängstlich", so Häfner-Kairo.

Es herrscht wirklich Angst.

Sie befürchtet, dass die Gewalt gegenüber Obdachlosen weiter ansteigen wird. In den Großstädten könne man diese Entwicklung schon beobachten: "Früher oder später schwappt sowas dann auch in Kleinstädte wie Bad Kreuznach über."

Bürger sind zu Zivilcourage aufgerufen

Die Verantwortlichen der Wohnungslosenhilfe der Kreuznacher Diakonie bitten die Bürgerinnen und Bürger um Unterstützung für die Obdachlosen. "Ich finde das ganz wichtig, dass Menschen, die das alles mitbekommen, Zivilcourage zeigen und die Polizei rufen", fordert Häfner-Kairo.

In unserer Gesellschaft wird es immer mehr, dass wohnungslose Menschen […] gar nicht mehr gesehen werden, und wenn sie gesehen werden, nur als Störenfriede.

Viele wünschten sich, dass Obdachlose aus den Städten verschwinden. Dabei habe jeder Mensch das Recht auf eine Teilhabe am öffentlichen Raum. "Sie gehören zum Stadtbild, genauso wie wir", sagt die Sozialpädagogin.

Mehr Übernachtungsmöglichkeiten für Obdachlose

Die Verantwortlichen der Wohnungshilfe fordern die Bürgerinnen und Bürgern auf, bei Angriffen nicht wegzuschauen. Außerdem wollen sie nach Lösungen suchen, wie solche Angriffe in Zukunft vermieden werden können.

Ein konkreter Vorschlag sei, noch mehr niedrigschwellige Übernachtungsmöglichkeiten zu schaffen. Außerdem wollten sie noch einmal mit Mitarbeitenden des Ordnungsamts sprechen und sie bitten, in der nächsten Zeit noch stärker auf die Wohnungslosen zu achten. "Wir haben schon jetzt eine gute Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt", so Doris Häfner-Kairo.

Kreuznacher Diakonie bietet 100 Wohnungslosen Schlafplätze

Die Wohnungslosenhilfe der Kreuznacher Diakonie bietet derzeit etwa 100 Obdachlosen Schlafplätze an. Dazu zählen unter anderem Wohnungen im gesamten Stadtgebiet, auf der Eremitage in Bretzenheim und die Notunterkünfte.

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