Ein letztes Mal am Strand sein oder noch einmal ins Theater gehen - solche Wünsche erfüllt Katja Kessel. Die 54-Jährige ist seit vielen Jahren ehrenamtlich aktiv bei den Maltesern der Diözese Mainz. Seit gut einem Jahr erfüllen die Malteser Herzenswünsche von todkranken Menschen, finanziert durch Spenden. Katja Kessel hat von Anfang an mitgemacht.
Herzenswunsch: Einmal noch ein Spiel von Eintracht Frankfurt sehen
Erst Ende Januar hat sie den Herzenswunsch eines 36-jährigen Mannes erfüllt. "Der Mann hat einen Hirntumor und lebt im Pflegeheim", erzählt Katja Kessel. Er habe nicht mehr laufen können und auch mit dem Sprechen Schwierigkeiten gehabt.
Ein Freund von ihm hatte ihn über die Internetseite der Malteser im Bistum Mainz angemeldet. Der Koordinator der Malteser fragte in die Ortsverbände, wer Lust und Zeit habe, worauf sich Katja Kessel sofort bereit erklärte, diesen letzten Wunsch zu erfüllen.
Sie ist gelernte Krankenschwester. Hauptberuflich arbeitet Katja Kessel in der Verwaltung der Universitätsmedizin Mainz. Daneben ist sie seit Jahrzehnten unter anderem im Rettungsdienst der Malteser ehrenamtlich aktiv.
Mit dem Herzenswunsch-Krankenwagen zum Europa-League Spiel
Katja Kessel organisierte schnell den Herzenswunsch-Krankenwagen der Malteser und holte mit zwei Kollegen den 36-Jährigen im Pflegeheim ab. Zusammen mit seinem Freund fuhren sie Ende Januar nach Frankfurt zum Europa-League Spiel von Eintracht Frankfurt gegen Ferencvaros Budapest.
"Wir haben unseren Gast mit unserer Herzenswunsch-Decke warm eingepackt und dann das Spiel im Stadion angeschaut", erzählt Katja Kessel. "Er hat sein Eintracht-Trikot getragen, er hat gelacht, er hat sich gefreut", erinnert sie sich. Auch eine Curry-Wurst mit Pommes hatten sie alle gemeinsam gegessen. "Auf dem Rückweg hat es gerade mal zwei Minuten gebraucht, dann war er eingeschlafen", sagt die Herzenswunscherfüllerin.
Es war sein glücklichster Tag seit seiner Diagnose - da schwebe ich, das macht was mit mir.
Am nächsten Tag kam dann eine Nachricht vom Pflegeheim. Der 36-Jährige habe gesagt, dass es sein schönster Tag seit seiner Diagnose gewesen sei, so Katja Kessel. Er sei so glücklich gewesen. "Das macht was mit mir, da schwebe ich", sagt die 54-Jährige.
Traurige Momente als Herzenswunscherfüllerin
Aber es gibt auch Wünsche, die nicht erfüllt werden können. Ein älteres Ehepaar wollte vergangenes Jahr noch mal auf den Weihnachtsmarkt gehen und Kartoffelpuffer essen. "Wir hatten alles organisiert, aber dann ging es der Frau schlecht, und sie musste den Weihnachtsmarkt-Besuch absagen", erzählt Katja Kessel. "Sie wird wohl nicht mehr mit ihrem Mann auf den Weihnachtsmarkt gehen können, das wird sie nicht mehr schaffen", sagt sie traurig.
Jeder kann Herzenswunscherfüller werden
Auch wenn ihre Gäste während einer Fahrt sterben können oder Wünsche nicht mehr erfüllt werden, Katja Kessel macht dieses Ehrenamt glücklich. Das gebe ihr so viel. "Ich mache das, weil ich es kann, ich kann mit dem Tod umgehen", betont die 54-Jährige, "manche können es nicht, also müssen die ran, die dazu fähig sind."
Wer auch Herzenswunscherfüllerin oder Herzenswunscherfüller bei den Maltesern werden will, soll sich bei den Maltesern in Mainz melden. Und wer die Herzenswunscherfüller unterstützen möchte, kann das mit einer Spende machen.