Den neuen Schulentwicklungsplan des Kreises Mainz-Bingen hatten viele Eltern sehnlichst erwartet. Sie hatten gehofft, dass er mehr weiterführende Schulen im Raum Ingelheim/Nieder-Olm empfiehlt. Der Schulentwicklungsplan berechnet den Bedarf an Schulen für die nächsten fünf Jahre.
Der Plan, der am Mittwoch dem Schulträgerausschuss vorgestellt wurde, sieht keinen Bedarf an weiteren Schulen. Grund für diese Empfehlung ist die Analyse der Schülerzahlen an den Grundschulen und die Prognose der erwarteten Zu- beziehungsweise Wegzüge von Familien.
Prognose: Schülerzahlen im Kreis nehmen ab 2030 wieder ab
Demnach nimmt die Zahl der Schüler perspektivisch wieder ab. Der Schulentwicklungsplaner Wolf Krämer-Mandeau sieht nach zuletzt hohen Kinderzahlen aktuell einen erheblichen Einbruch bei den Geburten. Das werde sich in einigen Jahren auch bei den Schülerzahlen bemerkbar machen. Die weiterführenden Schulen können laut Entwicklungsplan ab 2030 mit einer Entlastung rechnen. Ein Schulneubau käme zu spät, er würde mindestens acht Jahre dauern.
Mehr als 100 Schülerinnen und Schüler kommen aus Kreis Alzey-Worms
Am Zuge sei nun der Nachbarkreis Alzey-Worms, so Krämer-Mandeau. Denn seiner Analyse zu Folge pendeln von dort Jahr für Jahr mehr als 100 Schülerinnen und Schüler auf weiterführende Schulen im Kreis Mainz-Bingen, vor allem nach Ingelheim und Nieder-Olm. Diese Zahl würde ein neues Gymnasium rechtfertigen.
"Die Situation ist schlimm, es sind sogar zwei neue Schulen nötig", meint Nicolas Krahwinkel. Der Familienvater hat selbst ein Kind an einer weiterführenden Schule im Kreis und fordert, dass schnell neue Schulen gebaut werden. Eine von ihm gestartete Petition bekam jüngst mehr als 2.200 Unterschriften.
Gymnasium Nieder-Olm hat zehn fünfte Klassen
Grund für sein Engagement sind vor allem die explodierenden Schülerzahlen in Nieder-Olm und Ingelheim. Das Gymnasium Nieder-Olm startete mit zehn fünften Klassen und insgesamt knapp 260 neuen Schülerinnen und Schülern ins aktuelle Schuljahr. Am Gymnasium Ingelheim waren es immerhin acht fünfte Klassen.
Und auch nach der Präsentation des Schulentwicklungsplans bleibt Krahwinkel bei seinen Forderungen. Er hält wegen der Pendlersituation eine grundsätzliche Neuorganisation für nötig: "Ein Schulentwicklungsplan sollte regional gemacht werden und nicht für einzelne Landkreise."
Forderung nach Neubauten Schulen im Kreis Mainz-Bingen am Limit: Übergabe von Petition
Die weiterführenden Schulen im Landkreis Mainz-Bingen platzen aus allen Nähten. Mehr als 2.200 Menschen fordern mit einer Petition den Landrat zum Handeln auf.
Aufsichtsdirektion ADD sieht kein Problem in vollen Schulen
Der Aufsichtsdirektion ADD zu Folge können die Gymnasien so viele Schülerinnen und Schüler aufnehmen, wie es ihre Gebäude hergeben. Sowohl in Nieder-Olm als auch in Ingelheim reicht der Platz offensichtlich aus. Die Leitungen beider Schulen haben sich bislang nicht zur Situation geäußert. Nach SWR-Informationen halten die Schulen die Situation aber für unerträglich.
Schulentwicklungsplan Mainz-Bingen wird nochmal beraten
Der Schulentwicklungsplan muss vom Kreistag beschlossen werden. Zuvor soll er aber nochmals in einem weiteren Schulausschuss diskutiert werden. Nach Einschätzung eines Kreissprechers könnte es Dezember werden, bis über den Plan abgestimmt wird.