Mit dem neuen Schuljahr müssen sich die Lehrerinnen und Lehrer am Gymnasium in Nieder-Olm an viele neue Gesichter gewöhnen. Laut Schule kommen 300 neue Jungs und Mädels, die auf ingesamt zehn Klassen verteilt werden müssen. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr nahm die Schule noch 217 Schülerinnen und Schüler in acht neuen Klassen auf. Insgesamt besuchen das Gymnasium etwa 1.800 Schülerinnen und Schüler.
Der Elternbeirat der Schule betrachtet diese Entwicklung als "sehr problematisch". Frederic Antoine Wanis, der Vorsitzende des Beirats, sagte dem SWR: "Wenn eine Schule so viele Schüler aufnehmen muss, ist irgendwas aus dem Gleichgewicht geraten. Hier gibt es ein strukturelles Problem."
Elternbeirat: Zu viele Schüler senken das Bildungsniveau
Ganz konkret bemängelt der Schulelternbeirat, dass es zu wenige Plätze an Integrierten Gesamtschulen im Landkreis Mainz-Bingen gebe. Wenn die Kinder keinen Platz auf der IGS in Nieder-Olm bekämen, gäbe es für die Eltern nur noch zwei Möglichkeiten, ihre Kinder auf eine wohnortnahe Schule zu schicken: die Realschule plus in Wörrstadt und das Gymnasium in Nieder-Olm.
"Da schlägt das Pendel in der Regel Richtung Nieder-Olm. Das führt nicht nur zu übergroßen Jahrgangsstufen, sondern senkt zwangsläufig auch das Niveau am Gymnasium", so Wanis. Die Lehrer hätten die Aufgabe, Schüler mit einem teilweise stark unterschiedlichen Bildungsniveau zusammenzubringen. "Der Spagat zwischen Fördern und Fordern ist eigentlich gar nicht zu schaffen."
Petition setzt sich für weitere Schulen ein
Im Internet gibt es auch eine Petition, die ein größeres Angebot an Schulen im Landkreis Mainz-Bingen fordert. Ganz konkret fordert die Petition eine neue IGS, um das Angebot in Ingelheim und Nieder-Olm zu erhöhen. Bis Mitte August haben mehr als 2.200 Menschen diese Forderung mit ihrer Unterschrift unterstützt.
Ein weiteres Problem, das sich durch die vielen Schüler am Gymnasium in Nieder-Olm ergeben könnte: Viele Schüler brauchen mehr Platz. Der Elternbeirat befürchtet, dass das Nieder-Olmer Gymnasium an seine Kapazitätsgrenzen kommen könnte.
Kreisverwaltung: Druck auf Gymnasium Nieder-Olm ist groß
Das betrifft Schulhof, Mensa und die Klassenräume. Wanis: "Seit letztem Schuljahr stehen die Schulleitung und wir mit der Kreisverwaltung in engem Kontakt, um eine Optimierung der Hitzeproblematik in den Gebäuden sowohl kurz- als auch langfristig adäquat in den Griff zu bekommen. Mehr Klassen bedeutet automatisch, dass Ausweichmöglichkeiten in etwas kühlere Räume ausbleiben."
Schulneubau hängt an Schulentwicklungsplan
Die für das Gymnasium zuständige Kreisverwaltung Mainz-Bingen bestätigte auf SWR-Anfrage, dass der Druck im Nieder-Olmer Gymnasium groß sei. Eine Kreis-Sprecherin teilte mit, aktuell werde der Schulentwicklungsplan fortgeschrieben. Darin werde ermittelt, wie hoch der Bedarf an Schulen in den kommenden Jahren sei. Erst wenn der stehe und von den politischen Gremien beschlossen worden sei, könne gegebenenfalls eine weitere Schule geplant werden.
Der Schulleiter selbst war für den SWR nicht zu erreichen. Die Schule teilte trotz mehrfacher Nachfrage mit, dass er unter anderem mit der Vorbereitung des neuen Schuljahres so viel zu tun habe, dass er keine Zeit für ein Interview habe.