Offenes Ohr für Patienten und Patientinnen

Muslimische Klinikseelsorgerin an Mainzer Uniklinik

Ümmiye Dayi ist seit gut einem Jahr die erste muslimische Klinikseelsorgerin an der Universitätsmedizin Mainz. Die Muslimin hat für Patienten, die dort in Behandlung sind, ein offenes Ohr.

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Stand

Von Autor/in Damaris Diener

Ümmiye Dayi öffnet die Tür zur Station 3B der Hautklinik der Unimedizin Mainz, begrüßt das Pflegepersonal und klopft wenige Minuten später schon an die erste Tür eines Patientenzimmers. "Ich weiß nie, was hinter der Tür auf mich wartet und ob ich auch willkommen bin", sagt die Klinikseelsorgerin. Die Patientin, mit der sie sprechen wollte, ist aber gerade in einer Behandlung, also muss Ümmiye Dayi später noch einmal kommen.

Muslimische Klinikseelsorge gewinnt an Bedeutung

Weil sich die Familienverhältnisse in den letzten Jahren verändert haben, sei die muslimische Seelsorge wichtiger geworden, erklärt Ümmiye Dayi. "Kinder ziehen ins Ausland oder wohnen weiter weg." Die Unterstützung durch Nachbarn oder die enge Familie sei deshalb auch bei Muslimen weniger geworden.

Schnelle Verbindung zu muslimischen Patienten

Ümmiye Dayi ist selbst Muslimin, ihre Eltern stammen aus der Türkei. Die Verbindung zu den muslimischen Patienten sei daher schnell da. "Es gibt weniger Berührungsängste. Wenn ich über den Koran rede, gehen sie vertrauter mit mir um", berichtet die Klinikseelsorgerin über ihre Erfahrungen.

Klinikseelsorgerin an Unimedizin kann Angst vor OP nehmen

Ein muslimischer Patient sei ihr besonders in Erinnerung geblieben, erzählt Ümmiye Dayi. Er habe furchtbare Angst vor einer Bypass-Operation gehabt. "Bei meinem Besuch habe ich aus dem Koran rezitiert, das hat ihm gutgetan. Dadurch und durch unsere Gespräche konnte er sich beruhigen", erinnert sie sich.

Brücke zwischen Patienten und Klinikpersonal der Unimedizin

Manchmal helfe sie auch zwischen Patienten, Ärzten und dem Pflegepersonal zu vermitteln. Zum Beispiel wenn Menschen erst vor Kurzem nach Deutschland gekommen sind und die Sprache nicht sprechen. "Das ist dann eine totale Überforderung für sie, ich als Klinikseelsorgerin bin dann die Brücke zwischen Ärzten und Patienten", so Ümmiye Dayi.

Muslimische Klinikseelsorgerin ist für alle Patienten da

Als Klinikseelsorgerin ist Ümmiye Dayi aber für alle Patienten da, nicht nur für muslimische. Heute hat sie zum Beispiel ein längeres Gespräch mit Jürgen Theuer. Er hat eine Autoimmunerkrankung, durch die sein eigener Körper seine Haut angreift.

Ümmiye Dayi spricht mit einem Patienten auf der Station der Hautklinik.
Jürgen Theuer ist seit knapp zwei Wochen auf der Station der Hautklinik. Er hat eine Autoimmunerkrankung, bei der sein eigener Körper seine Haut angreift.

Seit knapp zwei Wochen ist er auf der Station 3B der Hautklinik. "Es ist gut, dass es so was gibt. Andere Patienten wollen von meiner Krankheit nicht auch noch erzählt bekommen, die haben ihre eigenen Probleme", sagt Jürgen Theuer nach dem Gespräch mit Ümmiye Dayi.

Mensch steht bei Seelsorge im Vordergrund

Ümmiye Dayi ist es wichtig zu betonen, dass es bei dem Beruf als Seelsorgerin um die Menschen gehe und um das, was Menschen verbinde und nicht, was sie trenne, egal welche Nationalität und welcher Glauben.

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