Rechen statt Englischbuch

Schülerinnen und Schüler pflegen Mainzer Sand

Schülerinnen und Schüler haben das Naturschutzgebiet Mainzer Sand gepflegt. Damit wollen sie verhindern, dass seltene Pflanzen von invasiven Arten verdrängt werden.

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Von Autor/in Andreas Neubrech

Statt mit dem Englischbuch im Rucksack haben sich die Schülerinnen und Schüler am Morgen mit dicken Klamotten auf den Weg gemacht. Ihr Ziel ist dieses Mal nicht der warme Klassensaal, sondern das Naturschutzgebiet Mainzer Sand.

Dort schnappt sich jeder einen Rechen und dann geht's auch schon los. Seite an Seite laufen die Schülerinnen und Schüler über eine Sanddüne und befreien sie mit den Rechen vom Moos.

Arbeitseinsatz erhält einzigartiges Ökosystem

Kurz vorher haben sie noch gelernt, warum das wichtig ist. "Wenn wir das nicht machen, ist der Boden zu nährstoffreich. Dann können hier zu viele Pflanzen wachsen, die hier eigentlich nicht wachsen sollten", erklärt Leo. Er geht in die sechste Klasse des Mainzer Gutenberggymnasiums.

Eine Schülerin wirft das Moos, das sie aus dem Boden entfernt hat, auf eine Plastikplane. Hier wird das ganze Moos vorerst gesammelt.
Eine Schülerin wirft das Moos, das sie aus dem Boden entfernt hat, auf eine Plastikplane. Hier wird das ganze Moos vorerst gesammelt. Andreas Neubrech

Mit anderen Worten: Die invasiven Arten würden die seltenen und schützenswerten Pflanzen des Mainzer Sandes verdrängen und damit auch vielen seltenen Tierarten den Lebensraum nehmen. "An die seltenen Pflanzen sind ganz bestimmte Insekten angepasst", ergänzt Maren Scheer. Sie ist von der Rheinischen Naturforschenden Gesellschaft und organisiert den Arbeitseinsatz. "Wozu diese Insekten gut sind, wissen wir im Einzelnen noch gar nicht. Aber in der Natur gibt es immer Nahrungsketten."

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Schüler lernen Natur kennen

Das Moos, das die Schülerinnen und Schüler aus dem Boden graben, sammeln sie auf großen Folien. Darauf bringen sie es zu einem zentralen Ort, wo es von der Stadt Mainz abgeholt wird.

Zwei Schüler tragen das Moos zur Sammelstelle, wo es die Stadt Mainz abholt.
Zwei Schüler tragen das Moos zur Sammelstelle, wo es die Stadt Mainz abholt. Andreas Neubrech

Auch Dorothee Weißer hilft kräftig mit. Sie ist die Lehrerin der Klasse. Für sie ist es wichtig, den Schülerinnen und Schülern wieder mehr Natur nahezubringen: "Im städtischen Kontext haben sie viel zu wenig Kontakt mit Natur und allem, was kreucht und fleucht. Das macht mir Sorge. Die Kinder reagieren schon panisch, wenn sie ein Tier sehen – auch wenn es tot ist. Da ist eine große Entfremdung zu spüren."

Mainzer Schulen helfen seit 25 Jahren

Nicht nur die sechste Klasse des Gutenberggymnasiums ist an diesem Morgen im Mainzer Sand auf den Beinen. Auch das Schlossgymnasium ist mit einer Abordnung dabei. Diese bereits etwas älteren Schülerinnen und Schüler roden Weißdornbüsche aus. Die würden durch die umliegenden Gärten immer wieder auf das Gebiet des Mainzer Sandes getragen, so Scheer.

Seit 25 Jahren helfen Mainzer Schulen nun schon bei der Pflege des Mainzer Sandes. Das ist wichtig für die Natur und eine willkommene Abwechslung im Schulalltag: "Es ist cool, hier zu helfen", sagt Conrad, einer der Sechstklässler des Gutenberggymnasiums. "Das Moos ist an den Stellen weich und es macht Spaß, es rauszuholen." Andere stellen fest, dass die Arbeit auf Dauer ganz schön anstrengend ist. Finja hat allerdings schon eine Idee, wie sie mit diesen Strapazen umgehen will: "Ich schüttele mich heute Abend einmal komplett aus, dann lege ich mich ins Bett und versuche, zu schlafen."

Für dieses Jahr haben Finja und ihre Kameradinnen und Kameraden ihre Arbeit gemacht. Im kommenden Jahr sind sie dann wieder dabei – oder andere aus ihrer Schule.

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