Düsseldorfer Wagenbauer in Moskau zu langer Haftstrafe verurteilt

Mainzer Fastnachter lassen sich von Tilly-Urteil nicht beeindrucken

Ein Gericht in Moskau hat den Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Die Fastnachter in Mainz bezeichnen das Urteil als "absurd". Sie wollen sich davon nicht abschrecken lassen.

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"So lächerlich wie die Anklage, so lächerlich wie der Prozess, so lächerlich ist auch das Urteil", teilten der Mainzer Carneval-Verein und die Mainzer Fastnacht eG am Donnerstagabend nach dem Urteil gegen den Düsseldorfer Karnevalswagenbauer Jacques Tilly mit. Ein Moskauer Gericht hatte ihn kurz zuvor wegen seiner Putin-kritischen Rosenmontagswagen in Abwesenheit zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. "Dass künstlerische Freiheit und politische Satire derart kriminalisiert werden, macht uns betroffen", so Hannsgeorg Schönig, Präsident des Mainzer Carneval-Vereins (MCV).

Jacques Tillys Arbeiten stehen für das, was Satire leisten muss: den Mächtigen den Spiegel vorhalten, Missstände sichtbar machen und Haltung zeigen. Das absurde Urteil aus Russland zeigt umso deutlicher, wie notwendig Satire ist.

Mainzer Fastnachter wollen Weltgeschehen weiter satirisch kommentieren

Die Mainzer Fastnachter wollen sich von dem Urteil nach eigenen Angaben nicht beeindrucken lassen und wollen weiterhin in Vorträgen und Motivwagen das Weltgeschehen karikieren. "Die politische Fastnacht werde weiterhin klar, pointiert und furchtlos Stellung beziehen – im Sinne einer lebendigen Demokratie und einer freien Gesellschaft", so der MCV und Mainzer Fastnacht eG in der gemeinsamen Stellungnahme.

Dem Düsseldorfer Bildhauer Jacques Tilly war in dem Prozess vorgeworfen worden, mit seinen bissig-satirischen Karnevalswagen russische Staatsorgane zu verunglimpfen, dazu gehört neben der russischen Armee auch Präsident Wladimir Putin. Die Nachricht, dass in Russland gegen Tilly Anklage erhoben wurde, sorgte in Mainz direkt für Solidaritätsbekundungen.

Bei diesem Mottowagen von Jacques Tilly sieht man Russlands Präsidenten Putin wie er den Mund aufreißt und versucht, die Ukraine zu verschlingen. Dort steht: "Erstick dran".
Bei diesem Mottowagen von Jacques Tilly sieht man Russlands Präsidenten Putin wie er den Mund aufreißt und versucht, die Ukraine zu verschlingen.

Prozess hatte direkt für Solidaritätsbekundungen gesorgt

Das, was da in Moskau passiere, sei ein Angriff auf die Meinungsfreiheit und die Meinungsfreiheit ist ein Grundrecht, sagte damals Matthias Goldbeck von der Mainzer Fastnacht eG, die die Mainzer Fastnachtsvereine und Garden vertritt. "Und wenn das Grundrecht angegriffen wird, dann stehen wir hier alle zusammen - als Fastnachter oder Karnevalisten - egal ob in Köln, Mainz oder in Düsseldorf."

Wurzeln der Fastnacht ist Aufbegehren gegen die Obrigkeit

Verantwortlich für die Motivwagen in Mainz ist ein Kreativkreis. Er entscheidet, wer aufs Korn genommen wird und wie. Der Sprecher ist Boris Henkel. Er sagt, der Karneval habe seinen Ursprung im Aufbegehren - gegen die Obrigkeit und gegen die Unterdrückung.

Der Mainzer Karneval ist auch dafür bekannt, dass er politisch-literarisch ist. Und wir würden unsere Idee komplett verraten, wenn wir hier klein beigeben würden.

Tilly reagiert auf Urteil mit Spott und Häme

Tilly selbst hat auf seine Verurteilung "wegen Verletzung religiöser Gefühle und der Verbreitung von Falschnachrichten über die russischen Streitkräfte" mit Spott reagiert. "Es ist jetzt für jeden zu sehen, dass das russische Regime Angst vor Pappfiguren hat", sagte der Düsseldorfer Bildhauer der Deutschen Presse-Agentur.

"Die machen sich selbst zum Narren mit diesem Urteil und sehen gar nicht, wie peinlich das eigentlich ist - wie viel Angst sie vor satirischer Kritik haben." Der Sinn des Prozesses sei Einschüchterung, aber er werde nicht klein beigeben, versicherte er.

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Alexander Dietz
Alexander Dietz ist Reporter im SWR Studio Mainz.
Corinna Lutz
Corinna Lutz ist Reporterin im SWR Studio Mainz

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