Mitten in der Mainzer Altstadt, umgeben von Geschäften, Cafés und Touristen: Eigentlich hat das Gebäude in der Mainzer Augustinerstraße 22 eine absolute Toplage. Doch das denkmalgeschützte Haus aus dem 17. Jahrhundert ist eher ein Schandfleck als ein Juwel.
Ein Schandfleck im Herzen der Altstadt von Mainz
Seit Jahren verfällt das Gebäude, die Fassade bröckelt, Anwohner und Gewerbetreibende sind genervt und fordern seit langem Konsequenzen. Die sollen jetzt endlich folgen.
Weil der Eigentümer trotz mehrfacher Aufforderung nichts unternommen hat, hat die Stadtverwaltung eine sogenannte "Ersatzvornahme" in die Wege geleitet. Das bedeutet, dass Baufirmen auch ohne Zustimmung des Eigentümers mit der Sicherung des Gebäudes beauftragt wurden.
OB Haase: Arbeiten waren längst überfällig
Man werde nun Arbeiten am Haus ausführen lassen, die längst überfällig seien, so der Mainzer Oberbürgermeister Nino Haase. Eigentum verpflichte – das Verhalten des Eigentümers sei nicht länger hinnehmbar gewesen.
Der Zustand des Anwesens ist seit Jahren für alle ein Affront, den wir nicht akzeptieren.
Leider sei der Schritt zur zwangsweisen Sicherung mit hohen juristischen Hürden verbunden gewesen. Die habe man nun aber bewältigt. So könne das historische Erbe bewahrt und die hohe Attraktivität der Augustinerstraße erhalten werden.
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Stadt Mainz greift zu rechtlich letztem Mittel
Auch Baudezernentin Marianne Grosse betont, dass die Entscheidung rechtlich gut abgesichert sei: "Nachdem das Bauamt in den vergangenen Jahren alle milderen Mittel ausgeschöpft hat, waren nun die Voraussetzungen für die Ersatzvornahme gegeben." Das Handeln der zuständigen Behörden unterliege den verwaltungsrechtlichen Grundsätzen.
Wir werden alle Hebel in Bewegung setzen, damit die entstehenden Kosten für diese Schritte vom Eigentümer zurückerstattet werden.
Die Stadt hat die Arbeiten zwar in Auftrag gegeben. Die Kosten dafür will sie aber anschließend vom Eigentümer zurückfordern. Das Gebäude soll sich in privatem Besitz befinden.
Hoffnung auf Entlastung für Augustinerstraße
Zurzeit sichert eine Stahlkonstruktion im Gebäudeinneren die Standsicherheit des Hauses. Dieses Provisorium soll bald nicht länger nötig sein. Um das Gebäude statisch zu sichern, werden die Deckenbalken denkmalgerecht erneuert. Außerdem soll die Fassade an der Straßenseite komplett saniert und neu verputzt werden. Nach Abschluss der Arbeiten kann dann nach Jahren auch das Baugerüst endlich entfernt werden.
Auf diese Weise wird laut Stadt also nicht nur das historische Gebäude dauerhaft gesichert und als Denkmal erhalten. Es würden auch die Einschränkungen in der Augustinerstraße beseitigt. Die ausführende Baufirma schätzt, dass die Arbeiten drei bis vier Monate dauern werden.