Als am Montagabend in Rheinhessen kurzzeitig der Notruf 112 ausgefallen ist, hat das für einen ganzen Schwung an Nachfragen gesorgt - auch über die 110 der Polizei. Die Feuerwehr hatte den Ausfall über Warn-Apps und Cell-Broadcast mitgeteilt. Über die Smartphones ertönte ein lauter und durchdringender Warnton. Für viele Menschen sei das offenbar eine Stresssituation gewesen, sagt Michael Ehresmann, Pressesprecher der Feuerwehr Mainz.
Notruf aus Neugier missbraucht
In einer Stunde seien bei der Polizei und der Rettungsleitstelle in Mainz-Gonsenheim etwa 160 Notrufe eingegangen. Darunter waren laut Feuerwehr auch Menschen, die einfach nur mal wissen wollten, was los ist und warum eine solche Warnung überhaupt sein musste. "Wir in Deutschland sind nicht sehr routiniert mit der Bevölkerungswarnung", sagt Ehresmann.
Vorgabe des Warnstufen-Systems "Extreme Gefahr": Verwunderung über Warn-Text nach Notruf-Ausfall
Dem ein oder anderen Smartphone-Nutzer in Rheinhessen dürfte am Montagabend kurzzeitig das Herz in die Hose gerutscht sein. Mit einem durchdringenden Ton hatten die Handy-Bildschirme gerade eine Warnung vor "extremer Gefahr" gezeigt.
Mit Fragen wie "was ist denn da los?" haben Menschen am Montagabend nach Angaben des Feuerwehrsprechers genau die Nummern blockiert, die für Notfälle gedacht sind. Dabei hatte die Feuerwehr nach dem Ausfall darauf hingewiesen, dass der Notruf nur für Notfälle gedacht ist.
Technische Fragen zum Handy: Auch dazu wird der Notruf gewählt
Michael Ehresmann erzählt im Gespräch mit dem SWR, dass solche Anrufe auch an normalen Tagen beim Notruf eingehen.
Das fängt damit an, dass die Heizung nicht funktioniert und das geht bis zum Schlüssel, der irgendwo reingefallen ist und an den die Person jetzt nicht mehr dran kommt.
Bei einem Stromausfall würden ebenfalls viele Menschen bei der Feuerwehr anrufen, berichtet Ehresmann. "Was auch immer die Feuerwehr in einem solchen Fall tun soll." Und dann gibt es laut Ehresmann auch Menschen, die den Notruf wählen und von der Feuerwehr wissen wollen, wie ihr Handy funktioniert. "Also immer, wenn jemand Hilfe braucht, sind wir die erstbeste Hotline."
Anrufe werden trotzdem ernst genommen
Natürlich versuche die Feuerwehr jedem, der die 112 wählt, so gut es geht zu helfen, sagt Ehresmann. "Wenn wir die Chance sehen, helfen zu können, schicken wir zum Beispiel ein sogenanntes Kleinalarmfahrzeug raus", erzählt er. Die Kollegen würden dann vor Ort schauen, was sie machen können.
Tierrettung kann Geld kosten
Bei der Rettung von Tieren könnten die Feuerwehrleute tatsächlich oft helfen, erzählt Michael Ehresmann von der Mainzer Feuerwehr. "Das machen wir auch gerne. Bei der klassischen Katze auf dem Baum erleben wir aber oft, dass sie auch von selbst Wege findet, um runter zu kommen - wenn man sie nicht stresst." Außerdem sei die Katze auf dem Baum in der Regel nicht in akuter Lebensgefahr.
"Die Einsatzkosten können den Tierbesitzern in Rechnung gestellt werden", sagt Ehresmann. "Die rechtliche Situation ist nun mal in Deutschland so. Dann ist es am Ende vielleicht doch günstiger, zwei oder drei Stunden zu warten, bis die Katze alleine vom Baum kommt." Denn wenn die Drehleiter mal zum Einsatz komme, könnten die Kosten durchaus im dreistelligen Bereich liegen, so Ehresmann.
Menschen könnten sich oft selbst helfen Wenn die Parkhausschranke klemmt: Unnötige Einsätze für Feuerwehr Mainz
Rund 4.500 Einsätze hatte die Feuerwehr Mainz im vergangenen Jahr. Meist war es gut, dass sie gerufen wurde. Aber manchmal konnten die Feuerwehrleute auch nur den Kopf schütteln.
Feuerwehr ist kein Schlüsseldienst
Allerdings wüssten die Feuerwehrleute in der Leitstelle auch, in welchen Fällen sie Menschen nicht helfen können. "Manchmal dürfen wir es gar nicht. Zum Beispiel, wenn wir Privatunternehmen Konkurrenz machen. Wenn man sich in der Wohnung ausgeschlossen hat muss man den Schlüsseldienst rufen. Wir können nur helfen, wenn es eine akute Gefahr gibt", sagt Ehresmann.
Feuerwehr muss auch mal gut zureden
Natürlich gebe es auch Menschen, die immer wieder den Notruf missbrauchen. Das sind laut Ehresmann aber oft Menschen, die an einer psychischen Erkrankung leiden. "Das geht von vollkommen absurden Geschichten bis hin zu Wahnvorstellungen, dass man von irgendwelchen Laserstrahlen verfolgt wird."
Wenn ein aktueller Einsatz läuft und die Mitarbeiter in der Leitstelle viel zu tun haben, gehe es darum, diese Menschen auch mal zu überzeugen, den Notruf nicht mehr zu wählen. "Wenn zum Beispiel noch andere Notrufe anstehen, muss man den Leuten auch mal sagen: Es tut mir leid, ich kann da nicht helfen", so Ehresmann. In diesen Fällen verweist die Feuerwehr die Menschen auch an andere Stellen. "Oft sind Menschen durchaus zugänglich für unsere Tipps."