"Hallo Frau Beck, hallo Herr Beck, wie geht es ihnen", sagt Heike Lörcher-Denne zu dem Ehepaar Beck. Sie ist gelernte Krankenschwester und hat sich vor zwei Jahren dazu entschieden, Gemeinde Schwester Plus zu werden. "Einfach weil ich mehr Zeit für die Menschen haben wollte", erklärt die 59-Jährige.
Gemeindeschwester Plus: Beraterin und Hilfe
Martina Beck ist 85 Jahre und ihr Ehemann Bernhard Beck ist 86 Jahre alt. Die beiden haben vor einem Jahr einen Brief vom Kreis Alzey-Worms bekommen, in dem sich Heike Lörcher-Denne als Gemeindeschwester Plus vorgestellt hatte. "Wir waren neugierig und haben uns mit ihr verabredet", erzählt Bernhard Beck.
"Und das war richtig gut, denn wir wollten wissen, wie wir unsere Sachen regeln können, wie die Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht", berichtet seine Frau. Heike Lörcher-Denne hat die beiden beraten und gleich eine Notfallmappe für sie angelegt.
Gemeindeschwester Plus ist "Kümmererin"
Darin sind alle wichtigen Unterlagen enthalten. Sie liegt bei den Becks zu Hause an einem vereinbarten Ort, damit ihre Kinder sie im Notfall finden und über alles informiert sind.
"Die Kinder haben nicht so viel Zeit", sagt Martina Beck. Deshalb sei sie froh darüber, dass es die Gemeindeschwester Plus gibt. Sie helfe immer und sei immer für sie da.
Mit der Gemeindeschwester Plus haben wir jemanden, der Zeit für uns hat und für jede Frage eine Antwort hat.
Ratgeberin und Kümmererin - das will Heike Lörcher-Denne als Gemeindeschwester Plus sein. Sie soll helfen, dass ältere Menschen so lange wie möglich zu Hause bleiben können und nicht in ein Pflege- oder Altersheim müssen.
Nur RLP hat Gemeindeschwester Plus
Jeder über 60, der keinen Pflegegrad hat, kann sich an sie wenden. Die über 80-Jährigen bekommen im Kreis Alzey-Worms einen Brief von ihr.
Das Land Rheinland-Pfalz hatte die Gemeindeschwester Plus als Modellprojekt 2015 eingeführt. Der Kreis Alzey-Worms war von Anfang an dabei.
Inzwischen gibt es im Kreis drei Gemeindeschwestern und aus dem Modell ist längst eine Institution im Land geworden. Rheinland-Pfalz ist übrigens das einzige Bundesland, dass so einen Service für ältere Menschen anbietet.
Gemeindeschwester Plus organisiert Hilfe
Heike Lörcher-Denne freut sich über jeden, der sich bei ihr meldet. Beim ersten Besuch schaut sie nach, ob die älteren Menschen gut versorgt sind.
"Ich schau in den Kühlschrank, ob auch genug Lebensmittel da sind, ich frage, ob genug getrunken wird, ob sie gut schlafen können, eben all das, was wichtig ist", erzählt sie. Falls etwas nicht gut klappt, organisiert sie Hilfe, denn sie hat das Netzwerk. So könne jeder so lange wie es geht, zu Hause wohnen bleiben.
Kurse gegen die Einsamkeit
"Aber ich biete auch etwas gegen die Einsamkeit, unter der viele im Alter leiden." Gemeindeschwester Lörcher-Denne hat eine Bewegungsgruppe gegründet. Da wird im Sitzen geturnt, damit jeder mitmachen kann.
Besonders stolz ist sie auf ihren Spaziergehtreff. Etwa 20 Seniorinnen und Senioren treffen sich einmal pro Woche und gehen eine Stunde um den Kleinen Stausee von Alzey herum spazieren.
Unter Leute gehen, das helfe sehr im Alter und halte auch gesund, sagt die Gemeindeschwester Plus. Deshalb hat sie die Gruppen gegründet.
Ich bin verwitwet, ich brauche Menschen um mich herum, und das habe ich hier.
20 Seniorinnen und Senioren kommen regelmäßig zum Spaziergehtreff. Der 87-jährige Helmut ist genauso dabei wie die 67-jährige Gudrun Zimmermann. Sie ist froh, dass sie regelmäßig raus kommt und Menschen trifft. Sie brauche das einfach.
"Ich habe Zeit, das gibt mir ein gutes Gefühl"
Und Heike Lörcher-Denne nutzt die Gruppen, um Werbung für ihre Arbeit als Gemeindeschwester Plus zu machen. "Die Arbeit macht mir riesig Spaß, denn ich habe Zeit und muss nicht von Patienten zu Patienten hetzen", sagt Heike Lörcher Denne. Das schätzen die Seniorinnen und Senioren - aber auch das Land. Das fördert mit 3,8 Millionen Euro jährlich die etwa 90 Gemeindeschwestern Plus in Rheinland Pfalz.
Heike Lörcher-Denne hat schon eine neue Idee. Demnächst will sie sich auf den Friedhof von Alzey auf eine Bank setzen. Jeder, der jetzt im trüben November seine Verstorbenen besucht, soll nicht alleine bleiben. Wer will, kann sich zu ihr setzen und mit ihr reden.