Tabletten und Co rund um die Uhr

Apotheken-Automaten: Medikamente auf Knopfdruck rund um die Uhr

Mit Karte bestellen und wenig später das Medikament abholen. Automaten an Apotheken in RLP ermöglichen es mittlerweile, auch nach Feierabend an Tabletten und Co. zu kommen.

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Karte rein, Medikament ordern: So einfach kann die Bestellung von Arzneimitteln an einem Apotheken-Automaten sein. Bei der Kreuzberg Apotheke in Cochem zum Beispiel setzt Leiterin Ursula Porten-Bergmann jetzt auf zwei solcher Automaten. Dort gibt es nun auch einen zum Bestellen neben dem zum Abholen.

Kunden können bei Bestellung Touchmonitor nutzen

Am Bestellautomat können Kundinnen und Kunden genau wie in der Apotheke ihre Medikamente ordern. Das gilt auch für Rezepte, die über die Gesundheitskarte eingelesen werden.

Aber auch ohne Rezept funktioniert die Bestellung. Über einen Touchmonitor gibt man dann zum Beispiel an: "Ich hab' Kopfschmerzen und brauch' Aspirin", so Porten-Bergmann. Dazu bekomme man zudem eine Kurzanweisung, wie das Medikament zu nehmen sei.

Beratung ist "oberstes Gebot"

Über den Bildschirm gibt es auch die Möglichkeit, sich beraten zu lassen - sozusagen ein Echtzeit-Video-Call. "Dann erscheine da oben meistens ich und dann kann der Kunde Fragen stellen", sagt die Apothekenleiterin. Auch wenn Beratung das oberste Gebot sei, ein Muss sei sie hier nicht.

Bezahlt wird mit Karte. Danach gebe es drei Optionen: "Bringt es mir mit dem Botendienst, legt es in den Abholautomaten oder ich hole es gleich in der Apotheke ab. Und dann machen wir den Auftrag in der Apotheke fertig", sagte die Leiterin weiter.

Eine Kundin ordert Medikamente auf dem Touchscreen des Automaten vor der Kreuzberg-Apotheke in Cochem.
Eine Kundin ordert Medikamente auf dem Touchscreen des Automaten vor der Kreuzberg-Apotheke in Cochem.

Den Bestellautomaten nutzten meist Menschen, die es eilig hätten und nicht lange in der Schlange stehen wollten. Und solche, die meist auch keine Beratung bräuchten, sagt Ursula Porten-Bergmann. Ältere Menschen bevorzugten die persönliche Bedienung und Beratung direkt in der Apotheke.

Der Bestellautomat werde allerdings noch nicht so gut angenommen. Soweit sie wisse, sei ihr Automat der Dritte dieser Art in Rheinland-Pfalz.

Abholen zu jeder Uhrzeit möglich

Sobald das bestellte Arzneimittel im Abholautomaten liegt, bekommt der Kunde oder die Kundin eine SMS mit einer Pin auf's Handy. "Dann kann er abholen, wenn er Lust hat und braucht auch nicht auf die Öffnungszeiten der Apotheke zu achten", sagt Porten-Bergmann.

So würden Nutzer etwa auch in der Nacht oder am Wochenende versorgt. Angenommen werde der Abholautomat gut, sagt sie weiter. Mehr als 50 Prozent der Nutzer oder Nutzerinnen kämen nach 20 Uhr zum Automaten.

Automaten allerdings nicht die Lösung aller Probleme

Die Automaten seien eventuell hilfreich, um Botendienste zu vermeiden, meint Petra Engel-Djabarian, Pressesprecherin des Apothekerverbandes Rheinland-Pfalz. Eine Beratung müsse aber weiterhin von der Apotheke geleistet werden, sagt sie. Und: "Die Automaten müssen bestückt werden, die Bestückung nimmt natürlich auch ein Mensch vor." 

Hersteller: Idee entstand wegen des Apothekensterbens

Ein Hersteller solcher Bestellautomaten sitzt in Ludwigshafen. "Die Idee ist entstanden, weil ich sehe, dass die Apotheken erstens sterben, zweitens immer belastet sind. Sie kriegen kein Personal", sagte Mohammad Atta-ul-Quddus, Geschäftsführer der QuEp GmbH, die solche Automaten vertreibt.

Der Automat könne in jedem Supermarkt, in einer Bankfiliale oder anderen Räumlichkeiten aufgebaut werden, so Atta-ul-Quddus.

Medikamente kommen weiter von der Apotheke vor Ort

Co-Geschäftsführer Andreas Epp ergänzt, der "Betreiber eines Terminals ist immer eine Vor-Ort-Apotheke in Deutschland." Die Medikamente kämen also von der Apotheke vor Ort und nicht von einem Versand oder Ähnlichem.

Niedergelassene Apotheken "sind unersetzlich"

Die Lösung aller Probleme sind Automaten aber nicht. Solche Automaten seien nicht für jeden Standort gedacht, sondern quasi eine Nische, sagt die Sprecherin des Landesapothekerverbandes Engel-Djabarian.

Gerade im ländlichen Raum, wo Botenwege lang seien, könne das helfen. Aber: "Solche Geräte sind schon relativ teuer", meint sie, "ich sehe das als eine Ergänzung, über die jeder für sich entscheiden muss". Es sei jedoch nichts, was eine Versorgungssicherheit herstellen werde. "Dafür braucht es trotzdem die niedergelassene Apotheke".

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