Die Gründe sind oft banal, die Folgen immer häufiger blutig: Im August in Otterbach war es mutmaßlich eine stinkende Mülltonne, die einen Nachbarschaftsstreit auslöste. Ein Mann steht in Verdacht, seinen Nachbarn mit einem Baseballschläger verletzt zu haben. Vorausgegangen war eine Grillparty des Opfers.
Im vergangenen Jahr musste die Polizei in Rheinland-Pfalz in mehreren Tausend Fällen im Zusammenhang mit "Nachbarschaft" eingreifen. Nach Angaben des Landeskriminalamts gab es 4.244 Straftaten. Davon wurde in fast 2.000 Fällen wegen Körperverletzung ermittelt, gut 1.500 Mal wegen Bedrohung. Zum Vergleich: Im Jahr 2022 waren es 3.855 Straftaten insgesamt.
Zahlreiche Streits unter Nachbarn enden handgreiflich
4.821 Menschen im Land wurden 2024 Opfer von Straftaten im Rahmen eines Nachbarschaftskonflikts. Zwei Menschen wurden tödlich, 31 schwer und 1.716 leicht verletzt. Die Gesamtzahl der Opfer stieg seit 2022 um fast 500 an.
Wichtig zu wissen: In der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik (PKS) werden nur Straftaten erfasst. Sonstige Einsätze im Zusammenhang mit Ärger unter Nachbarn werden nicht dargestellt.
Tipps zur Bewältigung des Streits mit dem Nachbarn
Was kann man tun bei Problemen mit den Nachbarn? Wie lässt sich Streit aus der Welt schaffen oder ihm vorbeugen?
Der übereinstimmende Tipp der Experten lautet: Freundlich kommunizieren, mögliche Konflikte frühzeitig in Ruhe ansprechen. Oft werde zu wenig oder zu spät, erst in verärgerter Laune, miteinander gesprochen. Wichtig sei es, auch Verständnis für die Bedürfnisse der Gegenseite zu zeigen.
Interview mit Psychologe Rolf Schmiel Streit mit dem Nachbarn? Tipps vom Psychologen
Seine Nachbarn kann man sich nicht immer aussuchen. Aber was kann ich tun bei Problemen mit den Nachbarn? Wie kann ich Streitigkeiten aus der Welt schaffen oder sogar vorbeugen?
Eindeutige Regeln im Gesetzbuch und im Nachbarrecht
Außerdem gibt es klare gesetzliche Regeln. Wichtige Punkte hat das Justizministerium in der Broschüre Nachbarrecht von Rheinland-Pfalz zusammengefasst. Dort steht zum Beispiel drin, wann man verlangen darf, dass ein Baum entfernt oder eine Hecke zurückgeschnitten wird.
Einvernehmliche Lösung hat bei juristischem Streit Vorrang
Das Ministerium betont, dass die wichtigste Regel aus juristischer Sicht laute: Die Einigung unter den beteiligten Nachbarn hat absoluten Vorrang. So sei in bestimmten Streitfällen, wie Pflanzenwuchs oder auch Lärm, vor einem gerichtlichen Verfahren ein Schlichtungsversuch vorgeschrieben. Lande ein Fall doch vor Gericht, werde auch dort zunächst versucht, eine einvernehmliche Lösung zu finden.