Radfahren in Rheinland-Pfalz bleibt vielerorts eine Herausforderung. Das zeigt der neue Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Mit der Schulnote 4,2 landet das Bundesland auf dem letzten Platz unter allen Flächenländern und auf dem vorletzten Platz im Vergleich mit allen Bundesländern, nur Berlin schneidet noch schlechter ab. Zum Vergleich: In Hessen und Baden-Württemberg bewerteten Radfahrerinnen und Radfahrer ihre Städte im Schnitt mit 3,8. Der ADFC sieht daher deutlichen Handlungsbedarf bei der Radverkehrsförderung in Rheinland-Pfalz.
Trier, Ludwigshafen und Windhagen schneiden besonders schlecht ab
Die Ergebnisse zeigen: Viele Städte im Land bleiben beim Radverkehr weit hinter den Erwartungen zurück. In der Kategorie Städte über 50.000 Einwohner gehört Trier mit der Note 4,43 (Platz 37 von 42 bundesweit) zu den Schlusslichtern. Ludwigshafen liegt mit 4,28 knapp davor. Auch kleine Kommunen schneiden schlecht ab: Die Ortsgemeinde Windhagen erreicht mit der Note 4,91 den vorletzten Platz bundesweit in ihrer Größenklasse.
Auch für Pirmasens, Zweibrücken und Kaiserslautern keine guten Werte
Auch für Pirmasens und Zweibrücken reicht es nur für die Schulnote 4. In Primasens kamen die schmalen Fahrradwege auf die Negativliste. In Zweibrücken kritisierte der Fahrradclub vor allem die Ampelschaltung für Radfahrer. Zudem gibt es nur wenige Möglichkeiten, Fahrräder zu leihen. Kaiserslautern schnitt zwar minimal besser ab, aber dort bemängelten die Fahrradexperten die schlechte Beschilderung für Radfahrer.
Besserung in Koblenz, Top-Bewertung für Landau
Es gibt aber auch Lichtblicke: Koblenz konnte sich im Vergleich zu früheren Befragungen deutlich verbessern, von Note 4,7 im Jahr 2020 auf nun 4,0. Das ist das dritte Jahr in Folge, in der sich der Wert verbessert. Diesen Positivtrend spüren auch die Menschen in Koblenz:
Ein bundesweites Positivbeispiel ist Landau: Mit der Note 3,34 landet die Stadt in ihrer Größenklasse (20.000 bis 50.000 Einwohner) auf Platz 18 von 429 und gehört damit zu den fahrradfreundlichsten Kommunen Deutschlands. Die Landeshauptstadt Mainz stagniert mit einer Note von 3,97 im bundesweiten Mittelfeld.
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In Trier stoßen Radfahrer immer wieder auf gefährliche oder unübersichtliche Stellen. SWR-Reporter Martin Schmitt hat sich besonders kritische Punkte angeschaut - im Selbst-Test.
ADFC fordert Kurswechsel von Land und Kommunen
Angesichts der schwachen Gesamtwertung fordert der ADFC Rheinland-Pfalz mehr Engagement für den Radverkehr. "Unsere Städte liegen im Fahrradklima-Test weit hinten. Schlechter als alle anderen Flächenländer. Das ist ein eindeutiges Alarmsignal", sagt Bernd Lohrum, Landesvorsitzender des ADFC.
Die Landesregierung müsse Radverkehr zur Chefsache machen, so der ADFC. Er fordert mehr Personal, mehr Investitionen und klare Ziele. Kommunen sollten den Verkehrsraum mutiger zugunsten des Radverkehrs umverteilen: etwa durch sichere Radwege, bessere Baustellenführung und mehr Fahrradstellplätze.