Junge Männer, eine Uniform mit Band, viele Partys - das sind häufig die ersten Bilder, die Menschen nennen, wenn man sie nach einer Studentenverbindung fragt. Es sind Studierende, aber was sie drüber hinaus machen, ist vielen unbekannt. Was hat es mit Studentenverbindungen auf sich? Und welche Rolle nehmen die Burschenschaften darin ein? Ein Überblick:
- Was sind Studentenverbindungen und Burschenschaften?
- Wie steht es um die Burschenschaften in Rheinland-Pfalz?
- Uniform, Verhalten, Mensur: Welche Rituale gibt es?
- Sind Verbindungen noch attraktiv für Studierende?
Rund 1.000 Studentenverbindungen in Deutschland, 40 in Rheinland-Pfalz
Unter Studentenverbindungen werden Zusammenschlüsse verstanden, die Studierende während ihrer Zeit an der Universität oder Hochschule eingehen. Sie wohnen und leben miteinander, teilen gemeinsame Werte und vertreten diese nach außen. Mitglieder einer Verbindung bleiben auch nach ihrer Studienzeit ein Teil des Zusammenschlusses, indem sie nachfolgende Generationen bei gemeinsamen Veranstaltungen an ihren Erfahrungen teilhaben lassen.
Kritik an Verfassungsschutz Burschenschaft "Germania Halle zu Mainz" klagt gegen Verfassungsschutz
Die Burschenschaft "Germania Halle zu Mainz" will von den Verfassungsschützern nicht als "extremistische Gruppierung" bezeichnet werden.
In Deutschland sind rund 1.000 Studentenverbindungen aktiv. Die meisten von ihnen haben Männer als Mitglieder, einige wenige Studentenverbindungen sind gemischt, noch weniger sind rein mit Frauen besetzt. In Rheinland-Pfalz sind es knapp 40 Verbindungen, fast die Hälfte davon ist in Mainz verortet.
Burschenschaft als eine Art der Studentenverbindung
Einen Teil der Studentenverbindungen bilden die Burschenschaften. Fast alle Burschenschaften nehmen ausschließlich Männer auf. Sie gehören zu den ältesten Zusammenschlüssen, die aus einer politischen Tradition stammen. 1815 wurde in Jena die erste sogenannte Urburschenschaft gegründet, die eine nationale Einheit als Ziel in ihrer Verbindung verankert hatte.
Deshalb habe die Betonung der Nation bei allen Burschenschaften eine Tradition, da sie Teil der Nationalbewegung des 19. Jahrhunderts war, sagt Dr. Alexandra Kurth. Sie ist Politikwissenschaftlerin an der Universität Gießen und befasst sich seit vielen Jahren mit Burschenschaften. "Diese Bezugnahme muss allerdings nicht zwangsläufig eine rechtsextreme sein, sie kann auch eine eher liberale sein", erklärt Kurth und nennt ein Beispiel: "Wie bei der Burschenschaft Markomannia Kaiserslautern, die Mitglied der Neuen Deutschen Burschenschaft ist, einem in den 1990er Jahren gegründeten eher kleinen burschenschaftlichem Dachverband."
Gemischte Burschenschaften sind insgesamt nur eine verschwindend kleine Minderheit innerhalb des Verbindungsspektrums.
Burschenschaften in Rheinland-Pfalz
Mit mehreren großen Universitäten hat Rheinland-Pfalz unterschiedliche Studentenverbindungen. Weniger als zehn der 40 Studentenverbindungen sind Burschenschaften, sie sind auf Mainz, Trier, Kaiserslautern, Koblenz und Bingen verteilt.
Die meisten der Burschenschaften in Rheinland-Pfalz sind Männerbünde. Viele von ihnen seien verbandsfrei, eine ist eine gemischte Burschenschaft, eine zweite gemischte ist aktuell nicht aktiv, fasst die Politikwissenschaftlerin Alexandra Kurth zusammen. "Diese prozentuale Verteilung ist untypisch, denn allgemein ist der Anteil der burschenschaftlichen Männerbünde deutlich höher als in Rheinland-Pfalz. Gemischte Burschenschaften sind insgesamt nur eine verschwindend kleine Minderheit innerhalb des Verbindungsspektrums", stellt sie fest.
Eine rein männliche Burschenschaft aus Mainz hat im letzten Jahr bundesweite Aufmerksamkeit erhalten, denn die Burschenschaft Germania Halle zu Mainz wird aktuell vom rheinland-pfälzischen Verfassungsschutz beobachtet. Laut dem Innenministerium pflegt die Burschenschaft Kontakte zu bekannten rechtsextremistischen Kreisen. Ihren Ursprung hat sie 1861 in Halle an der Saale. Sie ist eine "pflichtschlagende" Burschenschaft. Das bedeutet, dass ihre Mitglieder zum Schlagen von sogenannten Mensuren verpflichtet sind.
Der landespolitische Korrespondent von SWR Aktuell hat 2017 eine Reportage über die Burschenschaft Germania Halle zu Mainz gemacht. Die Reportage zum Nachhören gibt es hier:
Rituale: Uniform, Verhalten und Mensur
In vielen Verbindungen gibt es Rituale, die streng befolgt werden. Dazu gehört zum Beispiel das Tragen einer Uniform, das Abhalten von Versammlungen oder das Verhalten bei Feierlichkeiten, wie der "Kneipe" - einer Feier mit Reden und Liedern nach festgelegten Regeln.
Die sogenannte Mensur gehört vor allem in Burschenschaften zur Tradition, nicht in allen ist sie allerdings verpflichtend. Dabei handelt es sich um einen streng regulierten Fechtkampf zwischen zwei männlichen Mitgliedern. Es wird mit scharfen Klingen gekämpft, weshalb die Mitglieder überwiegend geschützt sind. Eine Mensur ist kein sportlicher Wettkampf, bei dem es am Ende einen Sieger gibt. Viel mehr geht es um das Durchhalten im Kampf. Wer zurückweicht, riskiert, dass er durch die Mensur fällt.
Wird ein Mitglied doch im Gesicht getroffen, kann das zu einer Narbe, einem sogenannten Schmiss, führen. Dieser galt bis in die 1930er-Jahre als Statussymbol. In einem Gespräch aus dem Jahr 2024 hat Report Mainz den damaligen Europawahl-Kandidaten der AfD Alexander Jungbluth auf seine Narbe im Gesicht angesprochen. Jungbluth ist Mitglied der Burschenschaft Germania Halle zu Mainz und hat bestätigt, dass er sich den "Mensurschmiss" in der Burschenschaft geholt hat. "Man macht es gerne. Das ist eine sehr, sehr gute Gemeinschaft und für diese Gemeinschaft nehme ich das gerne in Kauf", sagte er im Interview.
Alles für bezahlbaren Wohnraum: Attraktive Verbindungen?
Studentenverbindungen waren die ersten Wohngemeinschaften. Das hatte eine gewisse Attraktivität, dass man mit anderen zusammen wohnt, das waren Formen von Geselligkeit.
Auf einem hart umkämpften Markt ist gerade für Studierende ein günstiges Zimmer schwer zu kriegen. Studentenverbindungen bieten günstigen Wohnraum, oftmals mit einem großen Zimmer und einer Bar im Wohnzimmer.
Wenn man die Studentenverbindungen historisch betrachtet, waren sie laut Dr. Dietrich Heither, die ersten Wohngemeinschaften. Er ist Lehrer, Sozialwissenschaftler und Experte für Studentenverbindungen. "Das hatte eine gewisse Attraktivität, dass man mit anderen zusammen wohnt, das waren Formen von Geselligkeit", erklärt er.
Dieser Wohnraum ist allerdings an eine Mitgliedschaft gekoppelt und beinhaltet die erwähnten Verpflichtungen innerhalb des Zusammenschlusses. Deshalb gibt es zunehmend Kritik, auch der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ermahnt immer wieder zu Vorsicht bei der Wohnungssuche. Eine Burschenschaft sei aufgrund des Lebensbundprinzips her eine Verpflichtung auf Lebenszeit, erklärt die Politikwissenschaftlerin Alexandra Kurth. "Wer in eine Burschenschaft eintreten will, muss in der Probezeit zeigen, dass er bereit ist, die jeweiligen Rituale zu akzeptieren und zu leben. Nicht alle, die ein günstiges Zimmerangebot attraktiv finden, sind bereit dazu und verlassen die Burschenschaft vor Ablauf dieser in der Regel einsemestrigen Probezeit."
Auf die Frage, ob Studentenverbindungen durch den Wohnraum attraktiv sind, stellt Dr. Heither eine Gegenfrage: "Sind sie das überhaupt? Ich glaube eher, dass sie Probleme haben Mitglieder zu rekrutieren." Wirft man erneut einen Blick in die Historie, so lag der Anteil der Studentenverbindungen zu jener Zeit, als Frauen noch nicht die Universität besuchen konnten, bei 50 bis 60 Prozent. Mittlerweile läge der Anteil der Studierenden, die in einer Verbindung sind, bei rund zwei Prozent für ganz Deutschland, aufgrund gestiegener Studierendenzahlen und sinkendem Interesse an Verbindungen sowie ihrem eher negativen Ruf.