Eine konkrete Forderung hat die zuständige Gewerkschaft IG BCE vor der Tarifrunde in der Chemie nicht. Klar ist für sie nur: Die Gehälter in der Chemiebranche müssen steigen. Sie spricht vorab von einer "spürbaren Entgeltsteigerung". Nach Jahren mit Rekordinflation seien die Reallohnverluste immer noch nicht ausgeglichen, heißt es von der Gewerkschaft. Die Kaufkraft müsse weiter gestärkt werden.
Gewerkschaft fordert mehr Sicherheit und mehr Geld für Beschäftigte in der Chemie
Außerdem fordert die IG BCE Instrumente zur Beschäftigungssicherung. Die Arbeitgeberseite sieht dagegen angesichts der wirtschaftlichen Lage keinen Verteilungsspielraum und verlangt eine "tarifpolitische Atempause". Sie befürchtet, dass sich die Krise verschärfen könnte, sollte Arbeit am Standort Deutschland teurer werden.
Die Chemiebetriebe selbst blicken nämlich zurzeit sehr pessimistisch in die Zukunft. Dazu gehört auch Michael Müller, Geschäftsführer bei der Ursa-Chemie in Montabaur. Er berichtet von rückläufigen Bestellzahlen.
Die Auftragslage bei uns ist ein Spiegel der chemischen Industrie oder der chemienahen Industrien. Wir haben leider sehr viele Rückgänge in den Auftragsmengen zu verzeichnen. Das heißt also, wir sehen hier eher eine düstere Großwetterlage, so wie sie auch überall in der Chemie kommuniziert wird, als Spiegel dessen, was man überall in Deutschland und in Europa erst in Medien wahrnimmt.
Arbeitgeber vor Tarifrunde: Sind von Krisen gebeutelt
Gründe dafür sind laut Müller nicht nur die Konkurrenz aus dem Ausland, sondern auch diverse Krisen der vergangenen Jahre, vor allem die Corona-Pandemie. Das habe dazu geführt, dass es auch anderen Betrieben und Branchen in der Bestellkette schlecht gehe.
Die Kunden sind durch die ganzen Krisen sehr gebeutelt. Wir haben viele Kunden, die Bestandskundengeschäfte mit ihren Kunden verloren haben. Wir haben Märkte, die eingebrochen sind, die heute neu funktionieren. Und alle Kunden sind nach Corona in den jetzigen Krisen schon so stark angezählt, dass sie heute sagen: Sobald irgendwo die nächste Negativmeldung die Runde macht, werden Auftragsmengen zurückgeschoben.
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Die Gespräche in Frankenthal dürften also schwierig werden. In den Bezirken Nordrhein und Hessen haben sich in dieser Woche schon Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften getroffen. Am kommenden Montag starten die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten in Baden-Württemberg. Am 3. Februar gehen die Gespräche dann auf Bundesebene weiter.