Es ist ruhig am Idar-Obersteiner Bahnhof. Die Sonne scheint und nur wenige Menschen stehen an diesem Vormittag auf dem Bahnhofs-Vorplatz. Andrea Söll kennt das aber auch anders.
Sie betreibt ein kleines Café ein paar Meter vom Vorplatz entfernt. Das Geschäft laufe gut: "Und trotzdem denke ich manchmal darüber nach, das Café aufzugeben."
Bahnhof beschäftigt viele Menschen in der Stadt
Es ist das Verhalten vieler Jugendlicher und junger Erwachsener am Bahnhof, das sie nachdenklich stimmt. Häufig werde vor allem abends laute Musik gehört, Fußball gespielt, Verpackungen und Essensreste einfach auf den Boden geschmissen.
Wegen Drogen und Haftbefehlen Wörth: Nach Schlägerei am Bahnhof direkt ins Gefängnis
Die Polizei hat am Bahnhof in Wörth (Kreis Germersheim) einen Mann festgenommen, nachdem er einen anderen Mann angegriffen hatte. Wie sich herausstellte, lagen gegen ihn unter anderem zwei Haftbefehle vor.
Sölls Mitarbeiterin Marina Pelzer hat das auch schon häufiger erlebt: "Die jungen Menschen haben häufig keinen Respekt. Und wenn du etwas sagst, wirst du sofort angepöbelt." Gerade ältere Menschen hätten teilweise Angst über den Platz zu gehen.
Das weiß auch Kimberly Short, die Leiterin der Polizeiinspektion Idar-Oberstein. Und sie will dagegen etwas unternehmen.
Bahnhof kein Hotspot für Kriminalität
Mit einem neuen Konzept will sie gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen dafür sorgen, dass sich die Menschen am Bahnhof und in der angrenzenden Fußgängerzone sicherer fühlen. "Wir wollen präsenter an den Orten sein, an denen viele Menschen sind und wo auch häufig etwas passiert", sagt sie.
Dabei sei der Idar-Obersteiner Bahnhof aus polizeilicher Sicht kein Hotspot für Kriminalität, auch wenn es dort natürlich auch Straftaten gebe. Geprägt sei das negative Bild auch durch die Sozialen Medien. "Was dort geschrieben wird, entspricht nicht immer den Fakten, die uns als Polizei vorliegen."
Vorfall gefilmt und im Internet verbreitet Idar-Oberstein: Polizei ermittelt wegen Schlägerei in Fußgängerzone
Mehrere Personen haben vergangene Woche in der Idar-Obersteiner Fußgängerzone auf einen Mann eingeprügelt. Offenbar hatte es vorher Streit gegeben. Die Polizei sucht Zeugen.
Dennoch, die Polizei will auf das Empfinden der Menschen reagieren, sagt Short: "Es geht auch um Randalierer, die Bürger in ihrem Sicherheitsempfinden beeinträchtigen, dabei aber nicht unbedingt Straftaten begehen."
Polizeikontrollen und Gespräche mit den Bürgern
In den kommenden Monaten wird die Bereitschaftspolizei zweimal im Monat größere Kontrollen durchführen. Polizeistreifen sollen außerdem mit dem Jugendamt und dem kommunalen Vollzugsdienst abgestimmt werden.
Gemeinsam mit Bürgermeister Friedrich Marx (SPD) wird Kimberly Short heute auch eine Bürgersprechstunde anbieten, in denen besorgte Idar-Obersteiner ihr Anliegen schildern können. "Alle Slots sind bereits ausgebucht. Dieses Angebot wurde also sehr gut angenommen", sagt Short.
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Café-Mitarbeiterin Marina Pelzer findet es gut, dass die Polizei am Bahnhof präsenter sein will. "Ich glaube, das könnte die Situation beruhigen." Sie sagt aber auch: "In der Stadt bräuchte es mehr Plätze für junge Menschen, wo sie ihre Freizeit verbringen können."