Polizeiliche Kriminalstatistik 2024

Kriminalität in RLP: So wenige Straftaten wie seit 30 Jahren nicht mehr

2024 sind in Rheinland-Pfalz deutlich weniger Straftaten verübt worden. Ein wesentlicher Grund war die Teillegalisierung von Cannabis.

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Stand

"Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) zeigt, dass sich in Rheinland-Pfalz der langfristige Trend eines sicheren Bundeslandes fortsetzt", sagte Innenminister Michael Ebling (SPD) am Montag. Gemeinsam mit dem Präsidenten des Landeskriminalamtes, Mario Germano, zeigte er sich sehr zufrieden.

"Die konsequente Polizeiarbeit, umfassende präventive Maßnahmen und eine enge Zusammenarbeit mit anderen Behörden haben dazu beigetragen, dass im Jahr 2024 so wenige Straftaten verübt wurden, wie in den vergangenen 30 Jahren nicht mehr.“ Auszuklammern seien hierbei die Jahre während der Coronapandemie mit ihren besonderen Bedingungen, so der Minister.

Deutlich weniger Straftaten - auch wegen Cannabis-Legalisierung

Im vergangenen Jahr hat die Polizei knapp 240.000 Straftaten registriert. Ein Jahr zuvor waren es noch gut 16.500 mehr. Dies entspreche einem Rückgang um 6,5 Prozent. Ohne ausländerrechtliche Verstöße, wie zum Beispiel einen illegalen Aufenthalt, umfasst die Kriminalstatistik für das Jahr 2024 insgesamt gut 228.000 Straftaten. "Dies ist eine insgesamt positive Entwicklung, die zeigt, dass unsere Maßnahmen zur Kriminalitätsbekämpfung Wirkung zeigen“, so Ebling.

In fast allen Bereichen verzeichnete die Polizei weniger Straftaten. Es habe weniger Diebstähle und Wohnungseinbrüche gegeben. Ein wesentlicher Faktor sei zudem die Teillegalisierung von Cannabis im April 2024 gewesen. Verstöße im Zusammenhang mit dem Rauschgift seien um mehr als 7.000 Fälle zurückgegangen.

Im Jahr 2024 hat die rheinland-pfälzische Polizei insgesamt 239.388 Straftaten registriert. 2023 waren es noch 255.972 Straftaten. Dies entspricht einem Rückgang um -6,5 Prozent.
Im Jahr 2024 hat die rheinland-pfälzische Polizei insgesamt 239.388 Straftaten registriert. 2023 waren es noch 255.972 Straftaten. Dies entspricht einem Rückgang um 6,5 Prozent.

Erstmals seit Jahren leicht rückläufig ist auch die Anzahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. 2024 wurden 6.232 Fälle registriert. Das sind 1,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit stiegen hingegen um 2,5 Prozent auf rund 47.000 Fälle, insbesondere durch eine Zunahme von Bedrohungsfällen. Die darin enthaltenen Körperverletzungen blieben auf einem stabilen Niveau, bei fast 30.000 Fällen.

Zahl der Messerangriffe gestiegen

Nach oben ging die Zahl der Messerangriffe. Hier wurden 2024 insgesamt 553 Fälle gezählt, fast ein Viertel mehr als im Vorjahr. 2020 hatte es allerdings schon einmal mehr Fälle gegeben, nämlich 600. Messerangriffe wirkten sich stark auf das Sicherheitsgefühl der Menschen aus, sagte Ebling. Unter dem Strich machten sie aber nur 0,24 Prozent aller Delikte aus. Von den 553 Fällen geschahen 250 im öffentlichen Raum. Die Wahrscheinlichkeit, willkürliches Opfer eines solchen Angriffs zu werden, sei nach wie vor äußert gering.

Zufrieden zeigte sich Ebling mit der Aufklärungsquote bei Verbrechen. Diese habe im vergangenen Jahr bei 64,3 Prozent gelegen. Das entspreche in etwa dem Wert der vergangenen beiden Jahre.

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Die Fälle von häuslicher Gewalt haben hingegen um 4,2 Prozent zugenommen. Insgesamt wurden fast 14.000 Fälle registriert. "Die Steigerung der Anzahl an erfassten Straftaten im Bereich der häuslichen Gewalt ist vermutlich auch darauf zurückzuführen, dass es eine leichte Aufhellung des Dunkelfeldes in Folge der Bereitschaft zur Anzeigenerstattung gibt, das Hilfesystem ausgebaut wurde und das Thema mehr und mehr enttabuisiert wurde“, so Ebling.

Die Zahl der Diebstähle und Wohnungseinbrüche sind dagegen zurückgegangen. Mit rund 2.600 Fällen gebe es bei Wohnungseinbrüchen den niedrigsten Stand seit über 50 Jahren, sagte Ebling. In knapp der Hälfte der Fälle handle es sich um Versuche, einzubrechen. Zum Diebstahl sei es dabei nicht gekommen. Im Jahr 2018 hatte es noch mehr als 4.000 solcher Taten gegeben.

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Weniger Geldautomatensprengungen

Auch die Zahl der Geldautomatensprengungen ging zurück. "In der PKS sind hierzu keine expliziten Fallzahlen aufgeführt. Vielmehr wertet das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz die Delikte in einem eigenen Lagebild aus", sagte LKA-Präsident Germano. Aus diesem gehe hervor, dass es einen Rückgang von 50 Taten im Jahr 2023 auf nunmehr 23 Taten im Jahr 2024 gegeben habe. Dabei seien 15 Tatverdächtige ermittelt worden. 

CDU fordert Einsatz von Künstlicher Intelligenz

Die CDU-Landtagsfraktion rief Innenminister Ebling dazu auf, bei der Verbrechensbekämpfung stärker auf Künstliche Intelligenz (KI) zu setzen. KI könne etwa Muster und Zusammenhänge zwischen gemeldeten Verbrechen schneller und genauer erkennen als ein Mensch, teilte CDU-Innenexperte Dirk Herber mit. Als Beispiel für den Einsatz von KI nannte er KI-gestützte Videotechnik, um öffentliche Plätze sicherer zu machen. Auch könne eine biometrische Gesichtserkennung bei Fahndungen zum Einsatz kommen.

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