Der Betriebsratsvorsitzende von BioNTech in Idar-Oberstein, Jacob Kaufmann, ist enttäuscht. Sein Vertrauen in das Unternehmen ist auf dem Tiefpunkt. Vergangene Woche haben er und seine Kollegen erfahren, dass es für das Werk in Idar-Oberstein keinen Käufer gibt.
Die traurige Konsequenz für Hunderte Beschäftigte: das endgültige Aus für den Standort in der Edelsteinstadt. Den Plänen nach soll der Betrieb Ende 2028 auslaufen. "Für die Belegschaft war es natürlich ein Schock. Die haben bis zum letzten Moment gehofft, gebibbert und gebangt."
Stimmung unter Belegschaft "schlecht"
Die Stimmung sei derzeit entsprechend schlecht, sagt Kaufmann. "Seit auch die Belegschaft die Information erhalten hat, dass wir nicht verkauft werden, ist auch der letzte Funken Hoffnung versiegt", sagt der Betriebsratsvorsitzende. "Und ja, es ist still geworden auf den Fluren, die Zwiegespräche werden weniger, jeder ist ein bisschen bei sich."
Vertrauen in Unternehmen ist "verloren gegangen"
Es sei viel Vertrauen in das Unternehmen verloren gegangen. Jacob Kaufmann kritisiert beispielsweise, dass der Betriebsrat gar nicht in den Verkaufsprozess eingebunden und informiert worden sei. Von seiner Kritik nimmt er ausdrücklich die Geschäftsführung in Idar-Oberstein aus, mit der der Betriebsrat eng zusammenarbeiten würde.
Die Konzernleitung dagegen habe den Beschäftigten zuvor noch Hoffnung gemacht. "Vor einem Jahr wurde uns noch versprochen, dass unsere Kapazitäten hier voll und ganz auf die mRNA-Forschung und -Produktion fokussiert werden", sagt Kaufmann. "Es sollte das mRNA-Excellence-Center von BioNTech werden." Kaufmann kann das bis heute nicht verstehen.
Eine entsprechende SWR-Anfrage an BioNTech blieb bislang unbeantwortet.
BioNTech-Aus schlecht für Idar-Oberstein
Das ist schon eine bittere Pille, die wir hier schlucken müssen.
Dass der Standort in Idar-Oberstein endgültig schließt, ist nicht nur für die 440 Beschäftigten eine Hiobsbotschaft, sondern auch für den Wirtschaftsstandort Idar-Oberstein, sagt der Landrat des Kreises Birkenfeld, Miroslaw Kowalski (CDU). "Mit dieser Nachricht habe ich wirklich nicht gerechnet. Das ist schon eine bittere Pille, die wir hier schlucken müssen."
Der Idar-Obersteiner Oberbürgermeister Frank Frühauf (CDU) sieht das genauso. Er bedauert es sehr, dass kein Investor für das Werk gefunden wurde. "Deswegen, glaube ich, ist es ein ganz rabenschwarzer Tag für die ganze Region und für die Arbeitsplätze hier in Idar-Oberstein."
Standort wird jetzt abgewickelt
In Idar-Oberstein beginnt jetzt die Abwicklung des Standortes. Damit ist auch der Betriebsratsvorsitzende Jacob Kaufmann jetzt beschäftigt. Keine einfache Aufgabe für ihn: Er selbst ist seit 2021 im Unternehmen, hat gesehen, wie es gewachsen ist, und muss es jetzt mit abwickeln.
"Mein großes Ziel ist, den Standort hier so abzuwickeln, wie er es verdient hat. Nämlich mit der Fairness und der Offenheit, die wir hier immer am Standort gelebt haben."
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Die Beschäftigten hätten sich wie eine große Familie gefühlt: "Und ich möchte einfach für die Mitarbeiter so gut ich kann da ein offenes Ohr haben", sagt der Betriebsratsvorsitzende. "Ich möchte einfach meinen Teil dazu beitragen, dass es so sozialverträglich wie möglich hier zu einem Ende gebracht werden kann."