Zahlreiche Entlassungen

BioNTech streicht fast 1.900 Stellen - CureVac und Idar-Oberstein schließen

Der Sparkurs von BioNTech trifft die Werke in Idar-Oberstein und Marburg. Sie sollen geschlossen werden - genau wie die Standorte von CureVac, darunter Tübingen. Bis zu 1.860 Jobs stehen auf dem Spiel.

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Von Autor/in Theresa Rauffmann, Christoph Mautes

Bis Ende 2027 will BioNTech die Standorte von CureVac, einschließlich Tübingen, sowie die Produktionsstandorte von BioNTech in Idar-Oberstein und Marburg und einen Produktionsstandort in Singapur schließen. Insgesamt sollen so bis zu 1.860 Stellen wegfallen, hieß es.

Produktionsstandorte von BioNTech und CureVac sollen verkauft werden

Für alle Standorte sollen Käufer gesucht werden, hieß es in einer Pressemitteilung. Möglich seien teilweise, aber auch vollständige Verkäufe. Nach Abschluss soll der Abbau dem Konzern rund eine halbe Milliarde Euro pro Jahr einsparen. Für CureVac bedeutet das wohl das endgültige Aus.

Zahlen zu den Stellenstreichungen bei Biontech und Curevac mit einem Balkendiagramm

Als Begründung nennt BioNTech vor allem den geringeren Produktionsbedarf bei den COVID-Impfstoffen. Die würden künftig komplett an den Standorten des Kooperationspartners Pfizer produziert.

Theresa Rauffmann aus der SWR Wirtschaftsredaktion erklärt, welche Auswirkungen die Entscheidung bei einer möglichen neuen Pandemie für die Gesellschaft haben könnten:

"Hiobsbotschaft" für Idar-Oberstein

In Idar-Oberstein hat die Ankündigung der Standort-Schließung für Entsetzen gesorgt. Oberbürgermeister Frank Frühauf (CDU) bezeichnete die Aufgabe des Standorts als "Hiobsbotschaft" und als Schwächung des Wirtschaftsstandortes Idar-Oberstein. Er hoffe, dass sich ein Käufer für den Standort findet.

Der Landrat des Kreises Birkenfeld, Miroslaw Kowalski (CDU), sagte dem SWR, dass er von der Nachricht kalt erwischt worden sei. Stadt und Land hätten viel getan, um für BioNTech gute Rahmenbedingungen zu schaffen.

Betriebsrat kritisiert Entscheidung scharf

Der Betriebsrat der CureVac-Standorte Tübingen und Wiesbaden sei "zutiefst besorgt“, hieß es in einer Mitteilung. Bei der Übernahme habe es klare Zusagen gegeben, einen zukunftsorientierten mRNA-Forschungsstandort entstehen zu lassen. Die jetzt angekündigte Schließung stehe in eklatantem Widerspruch dazu.

Der Betriebsrat sei zu keinem Zeitpunkt in die Entscheidung einbezogen worden und sieht darin einen Vertrauensbruch. Für die Beschäftigten, die diese Standorte über Jahrzehnte aufgebaut haben und insbesondere während der Pandemie einen wichtigen Beitrag geleistet haben, sei das ein massiver Einschnitt.

Forschung in Tübingen steht schon länger still

Laut Unternehmens-Insidern liegt ein Großteil der Forschungsprojekte von CureVac schon seit August auf Eis. Bis zuletzt hatten viele der gut 800 Mitarbeitenden gehofft, dass es mit den Projekten bald weitergeht. Die Übernahme durch BioNTech hatten sie ursprünglich als positiven Schritt aufgefasst.

Nun sollen die laufenden klinischen Studien noch abgeschlossen, aber nicht mehr in spätere Entwicklungsphasen weitergeführt werden, teilte BioNTech mit. Das Portfolio von CureVac passe nicht in BioNTechs Strategie.

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Halbe Milliarde Verlust im ersten Quartal

BioNTech ist schon lange auf Sparkurs, denn der einstige Kassenschlager, der COVID-Impfstoff, bringt schon lange deutlich weniger ein, als das Unternehmen ausgibt. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sind immens.

Allein im ersten Quartal 2026 kam so erneut ein Verlust von 532 Millionen Euro zusammen. Gleichzeitig verfügt das Unternehmen aus der Coronazeit noch über immense Reserven. Fast 17 Milliarden Euro an liquiden Mitteln stehen nach eigenen Angaben noch zur Verfügung.

Aktie von BioNTech reagiert auf Standortschließungen

Die BioNTech-Aktie gab unmittelbar nach der Ankündigung am Dienstag deutlich nach und sackte um mehr als fünf Prozent ab. Mitte März, als die Gründer angekündigt hatten, das Unternehmen zu verlassen, war die Aktie noch deutlicher eingebrochen, hatte sich aber zwischenzeitlich wieder erholt.

Übernahme nach langem Rechtsstreit

BioNTech hatte im vergangenen Juni die Übernahme von CureVac angekündigt, vollzogen wurde sie im Dezember, für 1,25 Milliarden Dollar. Der Aufsichtsratsvorsitzende Helmut Jeggle sprach damals vom Potenzial, "einen erheblichen Beitrag zur Innovationsagenda des Landes und die nächste Innovationswelle mit globaler Wirkung nicht nur mitzugehen, sondern mitzugestalten."

Während der Corona-Pandemie lieferten sich CureVac und BioNTech anfangs ein Kopf-an-Kopf-Rennen bei der Entwicklung eines mRNA-Impfstoffs. Der Sieger hieß am Ende BioNTech. CureVac schaffte es nicht, einen massentauglichen Impfstoff auf den Markt zu bringen.

BioNTech setzt auf Krebstherapie, Firmengründer ziehen sich zurück

CureVac hatte sich im Gegensatz zu BioNTech rein auf die mRNA-Technologie konzentriert - während BioNTech Krebstherapien mit unterschiedlichen Technologien entwickelt, die es kombinieren will. Insgesamt laufen derzeit laut Unternehmen sieben zulassungsrelevante Studien für Medikamente gegen unterschiedliche Krebsarten.

Im März kündigten überraschend die BioNTech-Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci an, sich bis Jahresende von der Spitze des Konzerns zurückzuziehen. Sie wollen ein neues Unternehmen gründen. Das wiederum will sich wieder stärker auf die mRNA-Forschung konzentrieren. Entsprechende Rechte und mRNA-Technologien sollen demnach in das neue Unternehmen eingebracht werden.

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