Alexander Conrad und Ingo Popp - zwei Einzelhändler in Trier, die ihre Geschäfte nur wenige hundert Meter voneinander entfernt in der Innenstadt betreiben. Conrad verkauft Kleidung - Popp Kulinarisches, Bücher, Spielwaren und Geschenke. Was sie eint: Der Wunsch nach einer attraktiven Innenstadt, in die die Menschen gerne kommen.
Der Wunsch nach einer bunten Innenstadt
Popp hat sein "Kaufhaus Popp" komplett grün angestrichen. Doch ansonsten sehe es in der Innenstadt eher grau aus, findet er. Eine bunte Innenstadt müsse her. Beispielsweise könnten bunte Regenschirme in der Fußgängerzone aufgehängt werden.
Es fehle an Leben und interessanten, einladenden Konzepten, sagen verschiedene Trierer Einzelhändler. Darunter auch Alexander Conrad. Er findet, Trier stehe zwar im Vergleich zu anderen Städten im Umland noch ganz gut da, doch die Innenstadt baue ab. "Da müssen wir dagegen halten", resümiert er.
Fehlende Parkplätze und hohe Gebühren ärgern Einzelhändler
Es fehle an Parkplätzen, um schnell etwas zu erledigen. Statt lange nach einem Parkplatz zu suchen, würden Kunden dann eher bequem auf der Couch im Internet bestellen, ergänzt eine andere Einzelhändlerin aus der Neustraße.
Es wirkt als würden wir sagen: Wir wollen euch nicht in der Stadt.
Außerdem seien die Parkplätze zu teuer. "Es wirkt als würden wir sagen: Wir wollen euch nicht in der Stadt.", beschreibt Conrad die Lage.
Die Stadt Trier argumentiert dagegen. Insgesamt seien durch die Ausweitung der Fußgängerzone und das urbane Sicherheitskonzept 82 oberirdische Parkplätze weggefallen. Dem stünden rund 4.000 Parkplätze im Bereich der Innenstadt gegenüber, beispielsweise in den Parkhäusern.
Zu den Parkgebühren haben sich die Stadtwerke Trier auf SWR-Anfrage geäußert. Diese seien seit 2017 von 1,70 Euro auf 2,40 Euro im Januar 2024 angestiegen. Dies sei aufgrund der gestiegenen Betriebskosten notwendig gewesen. Die Parkhäuser seien immer gut besucht.
Trierer City-Initiative sind Probleme bekannt
Der 1. Vorsitzende der Trierer City-Initiative Patrick Sterzenbach kann den Unmut der Einzelhändler verstehen. Die Parksituation sei ein Dauerthema. Gerade für die Menschen aus dem Umland sei es wichtig, dass ausreichend Parkmöglichkeiten vorhanden seien. "Wenn wir es denen schwer machen, in die Stadt zu kommen, tut das unserer Wirtschaft nicht gut", so Sterzenbach.
Leerstände in der Trierer Innenstadt
In der Innenstadt stehen einige Geschäfte leer. Wie viele genau, dazu gibt es laut der Stadt Trier keine Zahlen. Leerstehende Geschäfte würden aber immer zeitnah wieder vermietet. Die Nachfrage sei hoch. Die leerstehenden großen Gebäude der ehemaligen Filialen Kaufhof und Karstadt würden aber subjektiv gesehen ein anderes Bild vermitteln, so die Stadt Trier.
Seit Anfang Juni 2025 werde der Leerstand durch das sogenannte Leerstands- und Ansiedlungsmanagement erfasst. Das Onlineportal soll einen besseren Überblick darüber geben, wie viele Geschäfte in der Innenstadt leerstehen. Bisher sei das nur grob erfasst worden.
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Fast 40 Jahre lang war Wolfgang Negwer in der Galeria Kaufhof-Filiale in der Trierer Fleischstraße beschäftigt. Bis zu seiner Rente 2023. Zuletzt als Betriebsratsvorsitzender.
Es fehle an Beständigkeit der Geschäfte, kritisiert Conrad. Ein Grund sind seiner Ansicht nach die hohen Mieten. In der aktuellen wirtschaftlichen Lage sei das für viele nicht bezahlbar. Conrad spricht aus eigener Erfahrung. Eines seiner beiden Geschäfte in Trier schließt er und integriert es in das andere.
Einzelhändler: Wunsch nach weniger Bürokratie
Was einigen Einzelhändlern sauer aufstößt, ist die Bürokratie. Egal ob es um einen Aufsteller oder einen Stuhl vor der Tür gehe. Es sei teuer und zudem mit viel Aufwand verbunden. Auch die zuständigen Ansprechpartner zu finden sei immer wieder eine Herausforderung.
Die Stadt Trier argumentiert mit Sicherheit, Brandschutz und Rettungswegen. Deshalb sei es wichtig, bei Anträgen Pläne und Abbildungen von Aufstellern oder ähnlichem hinzuzufügen. Dass Ansprechpartner schwer zu erreichen seien, weist die Stadt zurück. Diese seien auf einer Übersichtsseite im Internet aufgelistet.
City-Initiative: Trier steht besser da als andere Städte
Trotz der Kritik der Einzelhändler an der Trierer Innenstadt sieht Sterzenbach die Situation des Trierer Einzelhandels nicht ganz so schwarz. Trier stehe deutlich besser dar, als andere deutsche Städte, wie beispielsweise Saarbrücken, Bonn oder Aachen. Dort gebe es viel größere Probleme.
Die Einzelhändler in Trier hoffen, dass ihre Bedürfnisse zukünftig mehr Gehör finden. Das wäre für alle eine Erleichterung, sagen sie.