UNESCO-Welterbetag an elf Stätten

Sieben Dinge, die Sie noch nicht über das Welterbe in Trier wussten

Wer am UNESCO-Welterbetag in Trier genau hinschaut, kann in den historischen Gebäuden nicht nur den Abdruck eines römischen Werkzeugs sehen - sondern auch eine Computermaus. Neugierig geworden?

Teilen

Stand

Von Autor/in Anna-Carina Blessmann

Es sind neun Baudenkmäler und zwei Weltdokumentenerbe, die zusammen aus Trier ein UNESCO-Welterbe machen. Das feierte die Stadt am Sonntag mit kostenlosen Führungen und kostenlosem Eintritt in alle Römerbauten und die Schatzkammer der Wissenschaftlichen Bibliothek.

Es lohnt sich, auf Details zu achten.

Und dort gibt es selbst noch etwas für die zu entdecken, die meinen, schon alles über Porta Nigra, Basilika und Co. zu wissen: "Die sind groß, mächtig und monumental. Man hat schon sehr viel zu sehen, wenn man sich die schiere Größe anguckt. Aber es lohnt sich, auf Details zu achten", sagt zumindest Paula Kolz von der Tourismus und Marketing GmbH der Stadt.

Computermaus im Kreuzgang
Fledermäuse in der Porta Nigra
Römisches Werkzeug prägt sich ein
Legionäre bauen für den Kaiser
Fußballfelder voller Thermalwasser
Nikolaus besucht die Römerbrücke
Igel? Eagle? Adler!

Kreuzgang im Trierer Dom: Wo sich (Computer-)Mäuse tummeln

Die oberen Enden von Steinsäulen können reich verziert sein, vor allem in Gebäuden aus Gotik und Romanik. So ist es auch im Kreuzgang des Trierer Doms: Dort rankt steinerner Efeu am Kapitell, zwischen dem ebenso steinerne Mäuse wuseln. Wer genau hinschaut, entdeckt aber auch eine Computermaus.

Wer hier im Kreuzgang des Doms St. Peter genau hinschaut, kann eine Computermaus im Kapitell einer Säule entdecken.
Wer hier im Kreuzgang des Doms St. Peter genau hinschaut, kann eine Computermaus im Kapitell einer Säule entdecken. Trier Tourismus und Marketing/Johannes Bruchhof

"So trifft die Geschichte die Moderne mal anders", sagt Kolz. Ihre Erklärung: Der Dom wurde im 13. Jahrhundert im gotischen Stil erbaut, seitdem aber immer wieder renoviert. Zuletzt zwischen 2009 und 2014. Und da haben die Arbeiter sich einen Spaß erlaubt und die moderne Form der Maus ins historische Kapitell gesetzt.

Generationen von Fledermäusen in der Porta Nigra

Ganz lebendige Mäuse gibt es in der Porta Nigra: Fledermäuse leben laut Kolz schon in der Porta, seitdem sie 170 n. Chr. gebaut wurde. Da man damals nicht mit Mörtel, sondern mit einem Verbund aus Klammern gearbeitet hat, fänden die Tiere ausreichend Lücken zwischen dem Sandstein.

Seit fast 2.000 Jahren leben Zwergfledermäuse in der Porta Nigra.
Seit fast 2.000 Jahren leben Zwergfledermäuse in der Porta Nigra. Astrid Schuler

Einmal im Jahr werden die Zwergfledermäuse gezählt. "Leider macht der Klimawandel ihnen selbst im historischen Gemäuer zu schaffen", sagt Kolz. Weil es ihnen in den milden Wintern im Erdgeschoss zu warm sei, weichen die Tiere in die luftigeren Obergeschosse aus.

Römisches Handwerk prägt sich ein

Wer nach der Computermaus noch weitere Details entdecken möchte, kann an den Kaiserthermen Ausschau halten. Nach dem Abdruck eines römischen Stechzirkels, rät Paula Kolz: "Ein römischer Bauhandwerker hat ihn offensichtlich auf einer Holzverschalung liegen gelassen, die dann auf den feuchten Mörtel gedrückt wurde."

Geht man in die Tunnel der Kaiserthermen, entdeckt man dort den Abdruck eines römischen Stechzirkels.
Geht man in die Tunnel der Kaiserthermen, entdeckt man dort den Abdruck eines römischen Stechzirkels. Andrea Meisberger

Noch heute werden solche Stechzirkel im Handwerk benutzt. Und auch Begriffe wie Mörtel, Zement, Fundament oder Fassade kommen aus dem Lateinischen.

Ein römischer Stechzirkel hat sich bis heute in den Kaiserthermen in Trier eingeprägt.
Ein römischer Stechzirkel hat sich bis heute in den Kaiserthermen in Trier eingeprägt. Trier Tourismus und Marketing/Matthias Meyer

Legionäre bauen für den Kaiser

Na, aus wie vielen Steinen besteht die Porta Nigra? Rund 7.200, ist die richtige Antwort. Und kann die Konstantin-Basilika da mithalten? Oh ja, sie wurde nämlich aus rund zwei Millionen Ziegeln gebaut. Die natürlich kleiner sind als die Sandsteinquader der Porta.

Aus zwei Millionen Ziegeln besteht die Konstantin-Basilika, die heute eine evangelische Kirche ist.
Aus zwei Millionen Ziegeln besteht die Konstantin-Basilika, die heute eine evangelische Kirche ist. Andrea Meisberger

Am Bau der Basilika waren laut Kolz in Friedenszeiten auch Legionäre beteiligt. Stempel auf den Ziegeln zeigen demnach, dass staatliche und private Betriebe die kaiserlichen Baustellen belieferten. Dafür kamen auch Ziegel aus Moguntiacum - also aus Mainz.

Sechs Fußballfelder gefüllt mit Thermenwasser

Wenn wir schon bei Zahlen sind, machen wir bei den Barbarathermen weiter: Die waren mit einer Gesamtfläche von 42.000 Quadratmetern so groß wie sechs Fußballfelder. Davon sieht man heute aber nur noch ein Drittel, sagt Kolz.

Der Rest verschwindet unter Häusern und dem Alleenring. Dennoch: Mit ihren sechs Fußballfeldern - wie viel das in der Größenordnung "Badewanne" war, ist nicht bekannt - seien die Barbarathermen die größte Thermenanlage außerhalb Roms gewesen. Und die zweitgrößte im gesamten Römischen Reich.

Trier

Sechs große Figuren fehlen Unesco Welterbe Liebfrauenkirche Trier - das Westportal ist saniert

Fast ein Jahr lang war das Westportal der gotischen Liebfrauenkirche von einem Bauzaun verdeckt. Jetzt sind die Arbeiten abgeschlossen.

Nikolaus besucht die Römerbrücke

Wie kommt ein Heiliger aus dem 4. Jahrhundert auf eine Brücke aus dem 2. Jahrhundert? Diese Frage kann man sich stellen, wenn man die Nikolausstatue auf der Römerbrücke sieht.

Auch an der Brücke wurde immer wieder gebaut. Nur die Basaltpfeiler stammen noch aus der römischen Zeit, sagt Paula Kolz. Die Steinwölbung kam erst im Mittelalter dazu. Nachdem die Brücke 1689 von französischen Truppen gesprengt worden war, wurde sie im 18. Jahrhundert erneuert.

Nur die Basaltpfeiler der ältesten Brücke Deutschlands stammen noch aus der Römerzeit. Der Rest kam im Mittelalter dazu.
Nur die Basaltpfeiler der ältesten Brücke Deutschlands stammen noch aus der Römerzeit. Der Rest kam im Mittelalter dazu.

Bei der Gelegenheit wurde auch eine Statue des Bischofs von Myra aufgestellt. Der bringt nämlich nicht nur den Kindern Geschenke, sondern soll auch Seeleute in einem Sturm gerettet haben. Deshalb werde er von Menschen auf See - oder hier auf der Mosel - verehrt.

Igel? Eagle? Adler!

Für unseren letzten Fakt müssen wir ein bisschen in Wortursprüngen stöbern: Die Igeler Säule hat ihren Namen - klar - vom Dorf Igel in der Nähe von Trier. Tatsächlich ist man sich aber heute recht sicher, dass eigentlich der Ort seinen Namen von der Säule hat, erklärt Kolz: "Genauer gesagt von dem Adler, der sich auf der Spitze des Grabdenkmals befindet."

Der Adler oben auf der Igeler Säule gibt ihr und dem Ort den Namen.
Der Adler oben auf der Igeler Säule gibt ihr und dem Ort den Namen.

Adler heißt im Lateinischen "Aquila", was für den römischen Gott Jupiter stand. Und aus Aquila sei mit der Zeit Igel geworden - die Verwandtschaft sieht man noch im englischen Wort für Adler: eagle.

Der Familienvorstand investierte ein schier unglaubliches Vermögen für ein Grabmal der Luxusklasse.

Aber was ist die Igeler Säule eigentlich? Wer sich als Römer Wohlstand erarbeitet hatte, wollte diese Stellung nach dem eigenen Tod nicht zu Grabe tragen, erklärt Kolz: "Und so investierte der Familienvorstand der Secundinier ein schier unglaubliches Vermögen, um sich und seinen Familienmitgliedern ein Grabmal der Luxusklasse und eine Art Werbesäule für ihre Verdienste zu errichten."

Wer sich die Säule der reichen Tuchhändler-Familie heute am Welterbetag anschaut, ist in guter Gesellschaft. Denn 1792 hat sie schon Johann Wolfgang von Goethe bewundert.

Trier

Ein ganz besonderer Arbeitsplatz Blick hinter die Kulissen: So wird in Trier die Porta Nigra saniert

Die Porta Nigra in Trier soll zwar schwarz bleiben, doch der Schmutz auf den römischen Steinen muss weg. Mit neuesten Methoden wird das Unesco Welterbe gereinigt und erhalten.

SWR1 Rheinland-Pfalz SWR1 Rheinland-Pfalz

Trier

Viel los um Porta Nigra & Co Wie Trier 40 Jahre Unesco Welterbe feiert

Trier hat neun Unesco Welterbestätten - so viele wie keine andere Stadt in Deutschland. 1986 wurden sie von der Unesco aufgenommen. Dieses Jahr feiert Trier das 40. Jubiläum.

Trier

Kulturwandertage eröffnet Schule mal anders: Mit einem römischen Offizier auf Zeitreise durch Trier

Jedes Kind sollte ganz einfach Kunst und Kultur kennenlernen können. Die Kulturwandertage in Trier machen es möglich. 1.300 Kinder machen mit.

SWR4 am Nachmittag SWR4

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Anna-Carina Blessmann
Anna-Carina Blessmann am Mikrofon

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!