IHK warnt vor Millionen-Fiasko

Streit um Theater-Sanierung: Wie viel Kultur kann sich Trier leisten?

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) kritisiert die geplante Theater-Sanierung in Trier. Die Stadt hält dagegen - sie sieht darin mehr als nur ein Bauprojekt.

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Stand

Von Autor/in Lynn Bentzen

Im Kern geht es um die Frage: Ist das Projekt mit einem Volumen von knapp 100 Millionen Euro für Trier finanzierbar - und ist es der richtige Weg?

IHK warnt vor finanzieller Überforderung

In einem Statement fordert die IHK Trier eine grundlegende Neubewertung der Sanierungspläne. Präsident Thomas Stiren betont darin zwar die kulturelle Bedeutung des Theaters für die Region und den Tourismus, sieht aber die Kosten aus dem Ruder laufen.

Die Stadt stehe vor einem Kostenrahmen, der aus Sicht der IHK die finanziellen Möglichkeiten deutlich übersteigt, erklärt Stiren. Auch spätere Kostensteigerungen seien nicht auszuschließen.

Kritik am Einsatz von Bundesmitteln

Besonders kritisch sieht die Kammer den geplanten Einsatz von Mitteln aus dem Bundes-Sondervermögen. "Diese Gelder sollten vorrangig in Infrastruktur, Verkehr, Digitalisierung, Schulen und Gewerbegebiete fließen - Bereiche, die für die Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Wirtschaft zentral sind," fordert Hauptgeschäftsführerin Jennifer Schöpf-Holweck.

Zudem bemängelt die IHK, dass kostengünstigere Alternativen wie ein Bespieltheater oder der Verzicht auf den Drei-Sparten-Betrieb bislang nicht ernsthaft geprüft wurden. Das Ziel müsse sein, den Theaterbetrieb zu erhalten, ohne dass die Stadt finanziell überfordert werde.

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Oberbürgermeister weist Kritik zurück

Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) zeigt sich irritiert über die scharfe Kritik der Kammer. Er verweist darauf, dass die aktuell veranschlagten 90 Millionen Euro für den städtischen Haushalt leistbar seien - ähnlich wie die laufende Investition von 145 Millionen Euro in die neue Hauptfeuerwache.

Die unterschiedlichen Aufgaben der Stadt gegeneinander auszuspielen ist populistisch und unredlich.

"Zu suggerieren, eine Investition ins Theater gehe zulasten anderer Projekte - und damit die unterschiedlichen Aufgaben der Stadt gegeneinander auszuspielen - ist angesichts der uns zur Verfügung stehenden investiven Mittel populistisch und unredlich", so Leibe.

Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) wehrt sich gegen die Kritik der IHK Trier.
Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) wehrt sich gegen die Kritik der IHK Trier. IMAGO / dts Nachrichtenagentur

SWR-Anfragen bleiben unbeantwortet

Der SWR hat mehrfach bei der IHK Trier angefragt, ob sie ihre Kritik an der Theater-Sanierung näher erläutern möchte und um ein Interview gebeten.

Auch von der Handwerkskammer Trier wollten wir wissen, wie sie zu dem Projekt steht. Doch trotz wiederholter Nachfragen lehnten beide Kammern ein Gespräch ab.

Stadt: Geld aus dem Sondervermögen auch für Kultur

Gesprochen haben wir mit Triers Kulturdezernent Markus Nöhl (SPD). Auch er hält die Kritik der IHK für überzogen. Der Bund habe Kultur ausdrücklich als förderfähigen Zweck in das Sondervermögen aufgenommen, betont Nöhl im Gespräch mit dem SWR.

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Gleichzeitig müsse die Stadt ihre Prioritäten klar setzen: "Brücken, Straßen, Schulen und Kitas stehen ganz oben - aber das schließt das Theater nicht aus. Ein Sowohl-als-auch ist hier die richtige Antwort."

Von der Theater-Sanierung werden zahlreiche Unternehmen profitieren.

Nöhl verweist zudem darauf, dass die geplante Theater-Sanierung nicht nur ein kulturelles, sondern auch ein wirtschaftliches Großprojekt für die gesamte Region sei.

"Davon werden zahlreiche Unternehmen profitieren - aus dem Handwerksbereich ebenso wie aus der Industrie. Die Aufträge bleiben größtenteils in der Region. Das stärkt die lokale Wirtschaft", so der Kulturdezernent.

Kulturdezernent Markus Nöhl steht hinter der Sanierung des Trierer Theaters.
Kulturdezernent Markus Nöhl steht hinter der Sanierung des Trierer Theaters. picture alliance/dpa | Harald Tittel

Studie: Theater schafft Wertschöpfung

Eine Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München zum Theater Regensburg habe gezeigt, dass jeder investierte Euro dort einen regionalen Mehrwert von 1,60 Euro erzeugt.

"Kultureinrichtungen wie ein Theater lohnen sich auch wirtschaftlich: Menschen kommen, besuchen die Vorstellung, gehen essen, trinken etwas, kaufen ein - das alles bringt Geld in die Stadt. Auch die Beschäftigten des Theaters leben hier, konsumieren hier. Das ist gut investiertes Geld."

Noch sieht der Zuschauer-Raum im Theater so aus. Nach der Sanierung soll es deutlich moderner sein.
Noch sieht der Zuschauer-Raum im Theater so aus. Nach der Sanierung soll es deutlich moderner sein. Claudia Krell

Theater Trier als Alleinstellungsmerkmal

Das Theater Trier sei weit mehr als ein Ort für Gastspiele großer Ensembles - wie etwa in Luxemburg. "Wenn wir als Stadt Trier attraktiv bleiben wollen, brauchen wir ein eigenes Theater. Es geht um kulturelle Grundversorgung - und darum, dass diese Region nicht zur Provinz wird", so der Kulturdezernent.

Zwar sei das Angebot in Luxemburg hochwertig, räumt Nöhl ein. "Aber wir haben ein Alleinstellungsmerkmal: ein Drei-Sparten-Ensembletheater mit rund 100 künstlerischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Das gibt uns die Möglichkeit, ein Programm zu gestalten, das auf unsere Stadt und die Region zugeschnitten ist - das kann Luxemburg so nicht leisten."

Das Theater ist als außerschulischer Bildungsträger nicht mehr wegzudenken.

Darüber hinaus sieht Nöhl das Theater auch als wichtigen Bestandteil der Bildungslandschaft. "Wenn wir das Theater nicht hätten, gäbe es auch weniger schulische Projekte. Es gibt zahlreiche Kooperationen und Projekte mit Schulen. Das Theater ist als außerschulischer Bildungsträger nicht mehr wegzudenken."

Eine erneute Diskussion über die Größe oder den Umfang des Theater-Neubaus lehnt Nöhl daher ab. Das würde zudem nur mehr Zeit und Geld kosten.

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Baubeginn frühestens Ende 2026

Nach Angaben des Trierer Theaters umfasst die Generalsanierung die Erneuerung von Haustechnik, Dach, Fassade und Bühnentechnik. Ein neues Foyer sowie ein Orchester-Probenraum sind ebenfalls vorgesehen.

Der Baubeginn wird derzeit für Ende 2026 erwartet. Die Bauzeit soll mindestens drei Jahre betragen, eine Wiedereröffnung ist also frühestens um 2030 möglich. Während der Bauphase soll der Spielbetrieb unter anderem in die Trierer Tufa ausgelagert werden.

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Kosten steigen auf 90,5 Millionen Euro

Die Kosten für die Theater-Sanierung haben sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht - von ursprünglich 51 Millionen Euro auf aktuell 90,5 Millionen Euro. Gründe dafür sind gestiegene Baupreise und ein erweiterter Projektumfang, der inzwischen einem Neubau nahekommt.

Wie hoch die Zuschüsse vom Land tatsächlich ausfallen, ist derzeit allerdings noch unklar, erklärt Kulturdezernent Nöhl. Die Fördergeber ließen sich aktuell nicht in die Karten schauen und würden erst nach Antragstellung über die genaue Fördersumme entscheiden. Beim Tufa-Anbau habe die Stadt zuletzt eine Förderung von 60 Prozent erhalten - das könne ein Anhaltspunkt sein, mehr aber auch nicht.

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Autor/in
Lynn Bentzen
Lynn Bentzen ist Redakteurin, Reporterin und Nachrichtensprecherin im SWR Studio Trier.

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