An den Hagelschauer vor etwas mehr als zwei Wochen kann sich Obstbauer Alexander Briesch aus Bekond (Kreis Trier-Saarburg) sehr gut erinnern. Er habe das Unwetter kommen sehen und noch gehofft, dass seine Felder verschont bleiben. Vergeblich - der Hagel trifft sein größtes Erdbeerfeld.
Ich schätze den Schaden an meinen Erdbeeren auf etwa 70.000 Euro.
Löcher und Druckstellen in den Erdbeeren
In jeder Reihe des rund zwei Hektar goßen Feldes findet der Obstbauer beschädigte Erdbeeren mit Löchern und Druckstellen.
Durch den Hagel hat er etwa die Hälfte seiner Ernte verloren. "Ich schätze den Schaden an meinen Erdbeeren auf etwa 70.000 Euro."
Ich stand vor zerstörten Pflanzen und musste viel wegschmeißen. Das tat schon weh.
Am meisten Geld verdient Obstbauer Alexander Briesch mit dem Verkauf seiner Früchte an regionale Supermärkte, in seinem Hofladen und an Verkaufsständen. Doch nach dem Hagel musste er viele Erdbeeren aussortieren und entsorgen.
Beschädigte Früchte drohten, die noch unreifen Erdbeeren weiter zu schädigen. "Ich stand vor zerstörten Pflanzen und musste viel wegschmeißen. Das tat schon weh", erzählt er.
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Unwetter werden zur Normalität
Dass man als Obstbauer immer ein gewisses Risko wegen des Wetters trage, sei ihm bewusst, so Alexander Briesch. Schließlich gehöre das zu dem Beruf dazu. Eigentlich sei die Ernte in diesem Jahr gut angelaufen.
Doch der Hagel habe eindrucksvoll gezeigt, wie schnell sich alles ändern könne. Für den 27-Jährigen ist es bereits das zweite Jahr in Folge, in dem das Wetter seine Ernte massiv beeinträchtigt. Im vergangenen Jahr habe er viele Früchte an den Frost verloren.
Auch Kollegen sind vom Unwetter betroffen
Ähnliches berichtet Obst- und Gemüsebauer Grieshop aus Erden (Kreis Bernkastel-Wittlich). Der Starkregen Ende Mai habe deutliche Spuren hinterlassen. "Die Erdbeeren wurden zu weich, sodass wir zwei ganze Felder liegen lassen mussten und dort nicht ernten konnten", erzählt er.
Die genaue Höhe des Schadens könne er aktuell noch nicht beziffern. Zum Glück seien nicht alle Erdbeerfelder betroffen. "Wir ernten momentan die späteren Sorten und hoffen, dass es nicht zu heiß wird, damit die Früchte nicht auf dem Feld verbrennen."
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Wetterextreme nehmen immer mehr zu
Nach Angaben des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau stehen Landwirte in der Region zunehmend unter Druck. Extremwetterereignisse wie Starkregen, Trockenheit, Frost und Hagel hätten in den vergangenen zehn Jahren deutlich zugenommen und stellten die Betriebe vor immer größere Herausforderungen.
Und auch in Zukunft werde man damit immer mehr zu kämpfen haben.
Vom Freilandanbau zum geschützten Anbau
Um dem Wetter zu trotzen, entscheiden sich seit wenigen Jahren immer mehr Obstbauern gegen den Freilandanbau und setzen auf sogenannte Erdbeertunnel, so der Bauern- und Winzerverband.
Das sind Metallkonstruktionen mit hellen lichtdurchlässigen Folien, die über die Erdbeeren gespannt werden. Für viele Bauern sei die Ernte dann planbarer. Allerdings sei der Kosten- und Arbeitsaufwand nicht zu unterschätzen.
Obstbauer Alexander Briesch aus Bekond hat bereits fünf solcher Tunnel mit einer Länge von jeweils 130 Metern auf einigen seiner Felder installiert. Pro Quadratmeter muss er für die Konstruktion bis an die zehn Euro aufbringen. Dennoch ist er überzeugt, dass sich die Investition lohnt: "Die Sicherheit, die ich durch die Tunnel bekomme, ist es mir wert."
In Zukunft möchte er noch in weitere Tunnel investieren.
Wie sich der Obstbauer in dieser Saison hilft
Auch wenn die Erdbeertunnel Alexander Briesch in Zukunft besser vor Wetterextremen schützen sollen, können sie den aktuellen Schaden nicht mehr rückgängig machen.
Der 27-Jährige versucht, die Verluste aufzufangen. Er hat Erdbeeren bei befreundeten Bauern angekauft und sein vom Hagel betroffenes Feld nun zum Selbstpflückerfeld ausgewiesen.
Glücklicherweise verfügt der Obstbauer über weitere Standbeine: Die Erträge aus der Apfelernte sowie elf Hektar Weinbau helfen ihm, die finanziellen Folgen des Hagelschadens etwas abzufedern.
Preisdruck wächst
In diesem Jahr bekomme er es gestemmt, sagt der Obstbauer. Viele Rücklagen habe er allerdings nicht. Hinzukommt, dass die Preise für die Erdbeeren seit ein paar Jahren immer weiter ansteigen. Vor etwa fünf Jahren kostete die Schale Erdbeeren bei ihm noch rund 3,50 Euro. Aktuell zahlen Kunden 5,50 Euro für 500 Gramm - und auch im nächsten Jahr wird er die Preise erneut anheben müssen, um die steigenden Kosten zu decken.
An dem Wunsch, den Familienbetrieb weiter zu führen, möchte Alexander Briesch festhalten - auch wenn das bestimmt nicht der letzte Hagel gewesen sein wird. Doch eines ist ihm bewusst: Der Hagel in diesem Jahr wird vermutlich nicht der letzte gewesen sein.