Manfred Langner hat in seiner Laufbahn mittlerweile mehr als 150 Stücke inszeniert, darunter sind Komödien, aktuelle Dramen und Klassiker. Davon auch einige als Intendant in Trier. Im Interview haben wir ihn unter anderem gefragt, wie es für ihn war nach Trier zu wechseln und was er nach seiner Zeit in der Stadt jetzt macht.
SWR Aktuell: Herr Langner, zur Spielzeit 2018 sind Sie als Intendant von den Schauspielbühnen Stuttgart an das Theater Trier gewechselt. Wie haben Sie den Wechsel erlebt?
Manfred Langner: Ich war gerne in Stuttgart, es war eine tolle Zeit dort. Es war dann so, dass ich aus einem gut funktionierenden Theater in ein Theater kam, was unter anderem einen Intendanten verloren hatte und schwere Zeiten hinter sich hatte. Bei meinem ersten Besuche habe ich gemerkt, dass es dem Theater ein bisschen an Orientierung und an Spaß fehlte.
Das hat mich animiert und ich habe mich als Intendant beworben. Ich war der Meinung, dass es möglich sein kann, dass Zuschauer und Mitarbeiter mit Freude ins Theater gehen können. Das war dann meine Herausforderung. Die Trierer sind ihrem Theater sehr treu und auch die Politik hat sich hinter das Theater gestellt. Es brauchte einfach eine neuen Anfang. Und ich glaube das ist uns ganz gut gelungen.
SWR Aktuell: Apropos Herausforderung: Als Intendant haben Sie das Theater und die Mitarbeitenden auch durch die Corona-Zeit begleitet. Wie bleibt Ihnen diese Ausnahmesituation in Erinnerung?
Manfred Langner: Wie Viele habe ich damals gedacht, dass es nur wenige Wochen dauert und dann auch wieder vorbei ist. Es kam anders und wir konnten gar nicht anders als zu schließen. Das große Problem war immer abzuwägen und an erster Stelle stand immer wieder die Gesundheitsfürsorge für die Zuschauer und Mitarbeitenden.
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Die Auswirkungen der Corona-Pandemie waren tiefgreifend. Auch für das Theater Trier. Eine Schauspielerin erinnert sich an eine Zeit, in der auf einmal vieles anders war.
Es gab viele Wünsche von den Mitarbeitenden, aber ich musste oft den bösen Buben spielen. Das war nicht einfach. Wenn man dann sagt, es darf jetzt nicht gesungen werden, weil es zu gefährlich ist - das tut schon weh. Heute glaube ich, dass es gut war, dass wir die Gesundheitsfürsorge so weit getrieben haben und nur das getan haben, was möglich war, ohne dabei die Mitarbeitenden zu gefährden.
Corona hat uns vor allem gelehrt, dass man von der Devise "Wir spielen zur Not mit dem Kopf unter dem Arm" der Gesundheit wegen auch mal ablassen muss.
SWR Aktuell: Würden Sie sagen, dass Sie nach mehr als 150 Inszenierungen ausgelernt haben?
Manfred Langner: Das wäre doch schrecklich, wenn man alles ausgelernt hat. Natürlich habe ich mir eine gewisse Routine erarbeitet und vielleicht auch eine gewisse Gelassenheit. Aber ich möchte immer was dazu lernen, denn es wäre schrecklich, wenn man sagt, dass man ausgelernt hat. Das möchte ich auch fürs Leben nicht. Im Augenblick lernen wir auch mit Blick auf die Weltpolitik viele Dinge, die wir vielleicht nicht lernen würden, aber auch die müssen wir lernen, um damit umzugehen.
SWR Aktuell: In ihren Stücken verarbeiten Sie auch gerne mal das, was die Welt politisch beschäftigt, wie zum Beispiel in ihrer aktuellen und letzten Inszenierung als Intendant. "Putsch" ist eine Polit-Satire mit komödiantischen Akzenten. Wie passt das für Sie zusammen?
Manfred Langner: Gerade in schwierigen Situationen, wenn man seinen Humor verliert, dann ist man ganz verloren. Humor ist aber auch nicht alles, denn man muss auch aufstehen. Unser Stück zeigt eine böse Entwicklung und habt am Ende auch einen Akzent, der zeigt, wie wichtig es ist, auch unsere Werte zu verteidigen. Ich bin sehr für ethische Werte. Es ist unverzeihlich, wenn man Menschenwürde und Menschenrechte verrät. Das regt mich auf und da muss ich Theater dagegen machen. Wir dürfen uns unsere Welt nicht kaputt machen lassen.
SWR Aktuell: Welche weiteren Herausforderungen sehen Sie in den kommenden Jahren auf das Theater und die Kulturszene zukommen?
Manfred Langner: Hier in Trier ist es zum einen die Sanierung des Theaters, die sehr wichtig ist, da das Haus allmählich in die Fritten geht. Ich glaube aber, dass hier alles gut funktionieren wird, da auch die Verantwortlichen hinter dem Projekt stehen.
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Die Trierer Kulturszene freut sich auf das neue Stadttheater. Es soll näher an die Innenstadt rücken, modern und effizient sein. Die Kosten sind aber deutlich gestiegen.
Insgesamt glaub ich, was eine große Herausforderung sein wird im Theaterleben, den berechtigten Anspruch der Mitarbeiter auf Freizeiten und Ruhezeiten mit dem Anspruch der Kunst zusammenzubringen. Im Augenblick gibt es Tarifverhandlungen und das ist gut, dass es so ist. Ich hoffe aber auch, dass man gute Kompromisse findet, die die Kunst nicht verunmöglichen.
SWR Aktuell: Zum Ende der Spielzeit Mitte Juli treten Sie als Intendant zurück. Wie geht es dann weiter?
Manfred Langner: Ich höre zwar als Intendant auf, aber nicht als Regisseur oder Autor. Nach 31 Jahren als Intendant möchte ich jetzt mehr auf meine Gesundheit schauen, mir für meine Familie mehr Zeit nehmen. Es war eine tolle Zeit und Trier ist ein tolles Theater, es macht großartigen Spaß, hier zu arbeiten. Schöner kann es nicht sein.
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Und wenn die Kolleginnen in Zukunft Interesse haben und Lajos Wenzel als Intendant meine Hilfe braucht, dann freue ich mich, wenn er mich anruft. Wenn er das nicht tut, dann verübele ich das auch nicht, sondern finde es auch völlig richtig, wenn man eigene Wege geht. Das werden wir sehen.