Die Katastrophe im Jahr 2018 entwickelt sich in nur wenigen Minuten. Erst prasselt extremer Regen über Herrstein im Hunsrück nieder und schon bald versinkt das ganze Tal im Fischbach.
Auch der Steinäckerhof, etwas außerhalb der Ortschaft, wird überschwemmt. Hagelkörner, so groß wie Minigolfbälle, fallen vom Himmel und zerstören die Ernte, erinnert sich der Landwirt Tobias Brunk: "Dann stehst du da und siehst, dass alles, was du dir aufgebaut hast, kaputt ist. Du hast kein Futter mehr für dein Vieh. Das war schon wirklich schlimm."
14 Millionen Euro Schaden bei Hochwasser
In der Verbandsgemeinde Herrstein-Rhaunen richtet das Unwetter damals einen Millionenschaden an. Hunderte Keller, der Kindergarten, die Integrierte Gesamtschule und das Sportleistungszentrum in Niederwörresbach laufen voll, Straßen und Brücken werden unterspült und sogar Autos mitgerissen.
Acht Jahre später hätten trotzdem viele die Katastrophe vergessen, meint Tobias Brunk. Dabei glaubt der Landwirt: Das könnte wieder passieren, wenn der Fischbach nicht von Totholz befreit wird.
2018 seien Baumstämme vom Wasser mitgerissen worden und wie Geschosse durch den Ort geflogen. Das mitgerissene Treibgut habe die Durchläufe einer Brücke über den Fischbach verstopft. Nach Brunks Einschätzung staute sich deshalb das Wasser im Ort: "Wir sind ganz schön abgesoffen."
Fischbach liegt voller Totholz
Tatsächlich liegt der Fischbach acht Jahre nach dem Hochwasser wieder voller Äste und Baumstämme. Nicht weit vom Ortseingang von Herrstein hat das Holz sich zu einer Art Staudamm aufgetürmt. "Und es gibt mindestens 100 solche Stellen von Fischbach bis Asbach", sagt Brunk: "Das ist der Wahnsinn."
Behörde sieht "keine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben"
Tobias Brunk würde sich daher wünschen, dass jemand das Holz aus dem Bach zieht. Die zuständige Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord sieht dafür allerdings keinen Bedarf. Grundsätzlich sei es immer eine Einzelfallentscheidung, ob Totholz im Bach bleiben dürfe oder nicht, schreibt eine Sprecherin der Landesbehörde. Denn das Holz stabilisiert Ufer, bremst die Strömung und bietet Lebensraum für Tiere.
"Die Sicherheit der Bevölkerung hat stets oberste Priorität", heißt es in der Antwort auf eine SWR-Anfrage. Die Lage am Fischbach werde deshalb regelmäßig überprüft und fachlich neu bewertet. "Und nach derzeitigem Stand ist durch die naturnahe Entwicklung keine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben erkennbar", heißt es bei der Behörde.
Fachleute empfehlen Abwägung im Einzelfall
Diese Position der Behörde deckt sich mit der Meinung von Fachleuten, etwa von der Universität Hannover. In einer Broschüre der Karlsruher Fortbildungsgesellschaft für Gewässerentwicklung stellen die Experten ebenfalls heraus, dass Totholz ökologisch wertvoll ist.
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Gleichzeitig weisen sie aber auch auf die Gefahr hin, dass Äste und Stämme zur Gefahr werden können, wenn sie zum Beispiel Brücken zusetzen können. Empfohlen wird deshalb, im Einzelfall zwischen Naturschutz und Katastrophenschutz abzuwägen.
Rückhaltebecken angelegt, Brücke saniert
Es kann also durchaus geboten sein, Totholz aus einem Bach zu entfernen. In Herrstein allerdings haben die Behörden anders entschieden. Und Ortsbürgermeister Eberhard Weber glaubt ohnehin nicht, dass das einen großen Unterschied macht: "Da laufen solche Wassermassen in unserem engen Tal zusammen - da hilft es auch nichts, wenn man die Bachläufe freihält."
Das heiße aber nicht, dass die Gemeinde untätig gewesen wäre. In Herrstein wurden nach dem Hochwasser Regenrückhaltebecken angelegt. Ein Hang, der drohte wegzurutschen, wurde gesichert, eine Brücke über den Fischbach in Herrstein saniert.
Trotz allem: Bei Tobias Brunk bleibt acht Jahre nach der Katastrophe ein ungutes Gefühl. Denn das nächste Unwetter kommt bestimmt. Und er fragt sich weiter, ob Herrstein darauf vorbereitet ist.