Mit Rollstuhl und Leichter Sprache

Ein Selbsttest im Museum: So barrierefrei ist die Marc-Aurel-Ausstellung

Barrierefreiheit im Museum - Wunsch oder Wirklichkeit? Gemeinsam mit Patrick und Heinrich testen wir, wie barrierefrei die Marc-Aurel-Ausstellung in Trier wirklich ist.

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Stand

Von Autor/in Martin Schmitt

Patrick und Heinrich wollen es wissen: Wie inklusiv ist die Marc-Aurel-Ausstellung in Trier? Von der Wegeführung über die Beschilderung bis zur rollstuhlgerechten Kommunikation nehmen sie das Rheinische Landesmuseum und das Stadtmuseum Simeonstift unter die Lupe.

Patrick ist auf einen Rollstuhl angewiesen, Heinrich tut sich mit komplizierten Texten schwer. Die beiden sind Teil des inklusiven Medien-Teams Tacheles der Lebenshilfe Trier.

Ergebnisse des Barrierefrei-Checks

Das sind die 10 Barrieren, die Patrick und Heinrich beim Rundgang entdeckt haben:

  1. Türöffner am Aufzug schwer auffindbar
  2. Text in Aufzug schwer lesbar
  3. Schwierige Orientierung in dunklen Bereichen
  4. Schrifttafel mit heller Schrift auf hellem Grund
  5. Texttafeln mit zu viel Inhalt überfordern
  6. Dunkler Flur zum nächsten Aufzug
  7. Vitrinen schwer einsehbar
  8. Orientierung in der Ausstellung teils schwierig
  9. Manuelle Tür schwer zu öffnen
  10. Kein direkter Aufzug zur unteren Etage
Eifel/Mosel/Hunsrück

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Versetzte Aufzug-Taste

Gleich zu Beginn des Rundgangs im Rheinischen Landesmuseum gibt es die ersten fragenden Blicke: Die Türöffner-Taste für den Aufzug vom Außenbereich ins Foyer befindet sich nicht - wie sonst üblich - direkt am Aufzug, sondern etwas versetzt an der Gebäudewand.

Weil die Taste nicht markiert ist, haben Patrick und Heinrich sie übersehen.

Die Türöffner-Taste für den Aufzug im Außenbereich des Rheinischen Landesmuseums befindet sich nicht direkt am Aufzug, sondern an der Gebäudewand daneben. Da sie nicht markiert ist, wird sie leicht übersehen.
Die Türöffner-Taste am Außenaufzug ist nicht markiert und leicht zu übersehen.

Schrift im Aufzug schwer lesbar

Im Aufzug, der Patrick und Heinrich zur Ausstellung bringt, folgt die nächste schwierige Situation: Die Information, dass sich die Marc-Aurel-Ausstellung im 2. Obergeschoss befindet, ist in weißer Schrift auf Glas angebracht - dazu klein und hoch platziert.

Für Menschen im Rollstuhl oder mit eingeschränktem Sehvermögen ist das kaum lesbar.

Die weiße Schrift im Glasaufzug ist klein und hoch platziert. Menschen im Rollstuhl oder mit eingeschränktem Sehvermögen haben Mühe, sie zu erkennen.
Kleine, weiße Schrift im Glasaufzug: Menschen im Rollstuhl oder mit eingeschränktem Sehvermögen haben Mühe, sie zu erkennen.

Viele dunkle Bereiche

In der Ausstellung fällt Patrick und Heinrich eines direkt auf: Viele Räume sind bewusst dunkel gestaltet. Für Menschen mit Sehbehinderung oder eingeschränkter Wahrnehmung wird die Orientierung dadurch deutlich schwieriger.

Die Lichtverhältnisse sind hier nicht optimal.

"Ich bin mit meinem Rollstuhl fast an einen Pfosten gestoßen. Die Lichtverhältnisse sind hier nicht optimal, ich konnte nicht alle Ausstellungsstücke erkennen", sagt Patrick.

Viele Bereiche der Marc-Aurel-Ausstellung sind bewusst dunkel gestaltet. Das erschwert die Orientierung für Menschen mit Sehbehinderung oder eingeschränkter Wahrnehmung.
Viele Bereiche der Marc Aurel-Ausstellung sind bewusst dunkel gestaltet. Das erschwert die Orientierung.

"Wir haben strenge Vorgaben von den leihgebenden Museen, daher müssen wir das Licht dimmen", erklärt Katharina Ackenheil vom Rheinischen Landesmuseum die dunkle Beleuchtung in der Ausstellung.

Das betreffe nicht nur lichtempfindliche Exponate wie Papyrus. "Auch Steinobjekte haben klare Lichtvorgaben. Daran müssen wir uns halten."

Kaum Kontrast bei Texttafel

Die meisten Schrifttafeln in der Ausstellung sind gut lesbar. Doch Patrick und Heinrich stoßen auf einzelne Tafeln, bei denen helle Schrift auf hellem Hintergrund verwendet wurde.

Für Menschen mit Leseschwäche - wie Heinrich - ist das ein echtes Problem. "Das ist sehr viel Text, ich sehe alles total verschwommen", sagt Heinrich.

Diese Schrifttafel zeigt helle Schrift auf hellem Hintergrund. Menschen mit Leseschwäche oder Sehbehinderung können den Text nur schwer erfassen.
Diese Schrifttafel zeigt helle Schrift auf hellem Hintergrund. Menschen mit Leseschwäche oder Sehbehinderung können den Text nur schwer erfassen.

Katharina Ackenheil vom Rheinischen Landesmuseum räumt ein: "Diese Tafel ist hoffentlich eine Ausnahme - sie ist in der Tat nicht gut lesbar. Uns ist es aber generell sehr wichtig, dass der Kontrast bei den Texttafeln stimmt, damit die Ausstellungstexte für alle einfach zu erfassen sind."

Manche Tafeln enthalten sehr viel Text. Menschen mit Leseschwierigkeiten sind damit schnell überfordert - auch wenn ein Audioguide in Leichter Sprache verfügbar ist.
Manche Tafeln enthalten sehr viel Text. Menschen mit Leseschwierigkeiten sind damit schnell überfordert.

Tafeln mit zu viel Inhalt überfordern

Manche Informationstafeln enthalten sehr viel Text - für Menschen mit Leseschwierigkeiten kann das schnell überfordernd sein. Das Museum bietet deshalb einen Audioguide in Leichter Sprache an.

Ich kann alles verstehen und die Bedienung ist einfach.

Der Audioguide in Leichter Sprache hilft, wenn die Texttafeln überfordern.
Heinrich hört die Ausstellungstexte in Leichter Sprache.

"Wir haben die Leichte Sprache als Hörführung durch die gesamte Ausstellung. 30 Stationen werden erklärt", so Katharina Ackenheil vom Rheinischen Landesmuseum.

Heinrich kommt mit dem Audioguide gut zurecht: "Ich kann alles verstehen und die Bedienung ist einfach."

Piktogramme helfen, den passenden Audioguide zu finden - wie hier im Stadtmuseum Simeonstift: Es gibt Hör-Angebote für Erwachsene, für Kinder und in Leichter Sprache.
Piktogramme helfen, den passenden Audioguide zu finden - wie hier im Stadtmuseum Simeonstift: Neben Hör-Angeboten in Leichter Sprache gibt es Audios für Kinder sowie für Erwachsene ohne Einschränkungen.

Dunkler Flur zum nächsten Aufzug

Um zum nächsten Ausstellungsbereich zu gelangen, müssen Patrick und Heinrich eine Etage tiefer. Der Weg zum Aufzug führt durch einen fast unbeleuchteten Flur.

Hier ist es stockdunkel. Es könnten irgendwo Stufen sein - ein Fehltritt und ich liege hier.

"Da kann man sich in der Dunkelheit leicht verlaufen. Man sieht nicht einmal, wo der Aufzugsknopf ist", sagt Patrick. Auch Heinrich fühlt sich unwohl: "Hier ist es stockdunkel. Es könnten irgendwo Stufen sein - ein Fehltritt und ich liege hier."

Der Weg zum nächsten Aufzug führt im Rheinischen Landesmuseum durch einen fast unbeleuchteten Flur. Für Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit ist das ein unsicherer Abschnitt.
Der Weg zu einem Aufzug im Rheinischen Landesmuseum führt durch einen fast unbeleuchteten Flur. Für Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit ist das ein unsicherer Abschnitt.

Vitrinen schwer einsehbar

Viele Einzelstücke in der Marc-Aurel-Ausstellung werden in gläsernen Vitrinen präsentiert. Einige davon sind jedoch so hoch platziert, dass Menschen im Rollstuhl sie nur mit Mühe vollständig betrachten können.

"Ich muss mich schon ganz schön strecken, weil das ziemlich hoch ist. Manchmal sehe ich nur die Hälfte des Ausstellungsstücks", so Patrick.

Einige Ausstellungsstücke sind in hoch platzierten Vitrinen untergebracht. Menschen im Rollstuhl können sie nur mit Mühe vollständig betrachten.
Einige Ausstellungsstücke sind in hoch platzierten Vitrinen untergebracht. Menschen im Rollstuhl können sie nur mit Mühe vollständig betrachten.

Orientierung teils schwierig

Was Patrick und Heinrich ebenfalls auffällt: Nicht überall ist klar ersichtlich, wo es weitergeht. Es fehlen klare Beschriftungen oder Symbole.

Wenn ich ganz allein wäre, würde ich mich gar nicht zurechtfinden.

Für Menschen mit Orientierungsschwierigkeiten kann das zur echten Herausforderung werden. "Wenn ich ganz allein wäre, würde ich mich gar nicht zurechtfinden. Die Beschilderung könnte besser sein", erklärt Patrick.

Nicht überall ist klar ersichtlich, wo es weitergeht. Menschen mit Orientierungsschwierigkeiten können sich leicht verlaufen.
Nicht überall ist klar ersichtlich, wo es weitergeht.

Manuelle Tür schwer zu öffnen

Im Stadtmuseum Simeonstift zeigt sich ein nahezu unüberwindbares Hindernis für Patrick: Die große Eingangstür zur Ausstellung öffnet sich nicht automatisch.

Menschen im Rollstuhl, die allein unterwegs sind, stehen dadurch vor einer echten Herausforderung - sie können die Tür ohne fremde Hilfe kaum oder gar nicht öffnen.

Diese Tür öffnet sich nicht automatisch. Menschen im Rollstuhl, die allein unterwegs sind, können sie ohne Hilfe gar nicht oder nur schwer öffnen.
Diese Tür öffnet sich nicht automatisch. Für Menschen im Rollstuhl, die allein unterwegs sind, eine fast unüberwindbare Hürde.

Kein direkter Aufzug zur unteren Etage

Im Stadtmuseum Simeonstift gibt es außerdem eine bauliche Hürde: Zur unteren Etage am Ende des ersten Teils der Ausstellung führt nur eine Treppe - ein direkter Aufzug fehlt.

Menschen im Rollstuhl müssen gegen den Besucherstrom wieder zurück zum Aufzug im großen Treppenhaus am Eingang, um ein Stockwerk tiefer zu gelangen. "Wir kennen das Problem. Das war aus bautechnischer Sicht leider nicht anders zu lösen", so eine Sprecherin des Museums.

Zur unteren Etage führt nur eine Treppe - ein Aufzug fehlt. Menschen im Rollstuhl müssen den gesamten Weg gegen den Besucherstrom zurückgehen, um den Aufzug im Treppenhaus zu nutzen.
Zur nächsten Etage führt nur eine Treppe - ein Aufzug fehlt. Menschen im Rollstuhl müssen den gesamten Weg gegen den Besucherstrom zurückgehen, um den Aufzug im großen Treppenhaus zu nutzen.

Positive Bilanz trotz Barrieren

Trotz einiger Kritikpunkte ziehen Patrick und Heinrich am Ende ihres Checks ein positives Fazit zur Barrierefreiheit der Marc Aurel-Ausstellung.

"Die Ausstellung ist schon sehr gut und an die Barrierefreiheit wurde gedacht. Aber weil es an manchen Stellen so dunkel ist, verliert man als Rollstuhlfahrer schnell mal die Orientierung", erklärt Patrick.

Eine neu gebaute, rollstuhlgerechte Rampe im Stadtmuseum Simeonstift ermöglicht einen direkten Zugang vom Eingangs- und Kassenbereich zur Marc Aurel-Ausstellung.
Eine neu gebaute, rollstuhlgerechte Rampe im Stadtmuseum Simeonstift ermöglicht einen direkten Zugang vom Eingangs- und Kassenbereich zur Marc Aurel-Ausstellung.

Heinrich sieht das ähnlich: "Im Dunkeln erkennt man oft gar nichts und die Beschriftung für Menschen im Rollstuhl oder mit Leseschwäche ist nicht überall optimal."

Am Ende vergeben die beiden die Schulnote "2" - eine gute Bewertung mit Luft nach oben.

Zur Marc-Aurel-Ausstellung ist ein Museumsführer in Leichter Sprache erhältlich - er kann für den Besuch kostenlos ausgeliehen werden.
Zur Marc Aurel-Ausstellung ist ein Museumsführer in Leichter Sprache erhältlich - er kann für den Besuch kostenlos ausgeliehen werden.

Selbsttest auch in Leichter Sprache

Das inklusive Medien-Team Tacheles der Lebenshilfe Trier zeigt den Barrierefrei-Check auch in Leichter Sprache - mit Videos und Fotos zum Rundgang.

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Erstmals publiziert am
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Martin Schmitt
Martin Schmitt am Mikrofon

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