Patrick und Heinrich wollen es wissen: Wie inklusiv ist die Marc-Aurel-Ausstellung in Trier? Von der Wegeführung über die Beschilderung bis zur rollstuhlgerechten Kommunikation nehmen sie das Rheinische Landesmuseum und das Stadtmuseum Simeonstift unter die Lupe.
Patrick ist auf einen Rollstuhl angewiesen, Heinrich tut sich mit komplizierten Texten schwer. Die beiden sind Teil des inklusiven Medien-Teams Tacheles der Lebenshilfe Trier.
Ergebnisse des Barrierefrei-Checks
Das sind die 10 Barrieren, die Patrick und Heinrich beim Rundgang entdeckt haben:
- Türöffner am Aufzug schwer auffindbar
- Text in Aufzug schwer lesbar
- Schwierige Orientierung in dunklen Bereichen
- Schrifttafel mit heller Schrift auf hellem Grund
- Texttafeln mit zu viel Inhalt überfordern
- Dunkler Flur zum nächsten Aufzug
- Vitrinen schwer einsehbar
- Orientierung in der Ausstellung teils schwierig
- Manuelle Tür schwer zu öffnen
- Kein direkter Aufzug zur unteren Etage
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Versetzte Aufzug-Taste
Gleich zu Beginn des Rundgangs im Rheinischen Landesmuseum gibt es die ersten fragenden Blicke: Die Türöffner-Taste für den Aufzug vom Außenbereich ins Foyer befindet sich nicht - wie sonst üblich - direkt am Aufzug, sondern etwas versetzt an der Gebäudewand.
Weil die Taste nicht markiert ist, haben Patrick und Heinrich sie übersehen.
Schrift im Aufzug schwer lesbar
Im Aufzug, der Patrick und Heinrich zur Ausstellung bringt, folgt die nächste schwierige Situation: Die Information, dass sich die Marc-Aurel-Ausstellung im 2. Obergeschoss befindet, ist in weißer Schrift auf Glas angebracht - dazu klein und hoch platziert.
Für Menschen im Rollstuhl oder mit eingeschränktem Sehvermögen ist das kaum lesbar.
Viele dunkle Bereiche
In der Ausstellung fällt Patrick und Heinrich eines direkt auf: Viele Räume sind bewusst dunkel gestaltet. Für Menschen mit Sehbehinderung oder eingeschränkter Wahrnehmung wird die Orientierung dadurch deutlich schwieriger.
Die Lichtverhältnisse sind hier nicht optimal.
"Ich bin mit meinem Rollstuhl fast an einen Pfosten gestoßen. Die Lichtverhältnisse sind hier nicht optimal, ich konnte nicht alle Ausstellungsstücke erkennen", sagt Patrick.
"Wir haben strenge Vorgaben von den leihgebenden Museen, daher müssen wir das Licht dimmen", erklärt Katharina Ackenheil vom Rheinischen Landesmuseum die dunkle Beleuchtung in der Ausstellung.
Das betreffe nicht nur lichtempfindliche Exponate wie Papyrus. "Auch Steinobjekte haben klare Lichtvorgaben. Daran müssen wir uns halten."
Kaum Kontrast bei Texttafel
Die meisten Schrifttafeln in der Ausstellung sind gut lesbar. Doch Patrick und Heinrich stoßen auf einzelne Tafeln, bei denen helle Schrift auf hellem Hintergrund verwendet wurde.
Für Menschen mit Leseschwäche - wie Heinrich - ist das ein echtes Problem. "Das ist sehr viel Text, ich sehe alles total verschwommen", sagt Heinrich.
Katharina Ackenheil vom Rheinischen Landesmuseum räumt ein: "Diese Tafel ist hoffentlich eine Ausnahme - sie ist in der Tat nicht gut lesbar. Uns ist es aber generell sehr wichtig, dass der Kontrast bei den Texttafeln stimmt, damit die Ausstellungstexte für alle einfach zu erfassen sind."
Tafeln mit zu viel Inhalt überfordern
Manche Informationstafeln enthalten sehr viel Text - für Menschen mit Leseschwierigkeiten kann das schnell überfordernd sein. Das Museum bietet deshalb einen Audioguide in Leichter Sprache an.
Ich kann alles verstehen und die Bedienung ist einfach.
"Wir haben die Leichte Sprache als Hörführung durch die gesamte Ausstellung. 30 Stationen werden erklärt", so Katharina Ackenheil vom Rheinischen Landesmuseum.
Heinrich kommt mit dem Audioguide gut zurecht: "Ich kann alles verstehen und die Bedienung ist einfach."
Dunkler Flur zum nächsten Aufzug
Um zum nächsten Ausstellungsbereich zu gelangen, müssen Patrick und Heinrich eine Etage tiefer. Der Weg zum Aufzug führt durch einen fast unbeleuchteten Flur.
Hier ist es stockdunkel. Es könnten irgendwo Stufen sein - ein Fehltritt und ich liege hier.
"Da kann man sich in der Dunkelheit leicht verlaufen. Man sieht nicht einmal, wo der Aufzugsknopf ist", sagt Patrick. Auch Heinrich fühlt sich unwohl: "Hier ist es stockdunkel. Es könnten irgendwo Stufen sein - ein Fehltritt und ich liege hier."
Vitrinen schwer einsehbar
Viele Einzelstücke in der Marc-Aurel-Ausstellung werden in gläsernen Vitrinen präsentiert. Einige davon sind jedoch so hoch platziert, dass Menschen im Rollstuhl sie nur mit Mühe vollständig betrachten können.
"Ich muss mich schon ganz schön strecken, weil das ziemlich hoch ist. Manchmal sehe ich nur die Hälfte des Ausstellungsstücks", so Patrick.
Orientierung teils schwierig
Was Patrick und Heinrich ebenfalls auffällt: Nicht überall ist klar ersichtlich, wo es weitergeht. Es fehlen klare Beschriftungen oder Symbole.
Wenn ich ganz allein wäre, würde ich mich gar nicht zurechtfinden.
Für Menschen mit Orientierungsschwierigkeiten kann das zur echten Herausforderung werden. "Wenn ich ganz allein wäre, würde ich mich gar nicht zurechtfinden. Die Beschilderung könnte besser sein", erklärt Patrick.
Manuelle Tür schwer zu öffnen
Im Stadtmuseum Simeonstift zeigt sich ein nahezu unüberwindbares Hindernis für Patrick: Die große Eingangstür zur Ausstellung öffnet sich nicht automatisch.
Menschen im Rollstuhl, die allein unterwegs sind, stehen dadurch vor einer echten Herausforderung - sie können die Tür ohne fremde Hilfe kaum oder gar nicht öffnen.
Kein direkter Aufzug zur unteren Etage
Im Stadtmuseum Simeonstift gibt es außerdem eine bauliche Hürde: Zur unteren Etage am Ende des ersten Teils der Ausstellung führt nur eine Treppe - ein direkter Aufzug fehlt.
Menschen im Rollstuhl müssen gegen den Besucherstrom wieder zurück zum Aufzug im großen Treppenhaus am Eingang, um ein Stockwerk tiefer zu gelangen. "Wir kennen das Problem. Das war aus bautechnischer Sicht leider nicht anders zu lösen", so eine Sprecherin des Museums.
Positive Bilanz trotz Barrieren
Trotz einiger Kritikpunkte ziehen Patrick und Heinrich am Ende ihres Checks ein positives Fazit zur Barrierefreiheit der Marc Aurel-Ausstellung.
"Die Ausstellung ist schon sehr gut und an die Barrierefreiheit wurde gedacht. Aber weil es an manchen Stellen so dunkel ist, verliert man als Rollstuhlfahrer schnell mal die Orientierung", erklärt Patrick.
Heinrich sieht das ähnlich: "Im Dunkeln erkennt man oft gar nichts und die Beschriftung für Menschen im Rollstuhl oder mit Leseschwäche ist nicht überall optimal."
Am Ende vergeben die beiden die Schulnote "2" - eine gute Bewertung mit Luft nach oben.
Selbsttest auch in Leichter Sprache
Das inklusive Medien-Team Tacheles der Lebenshilfe Trier zeigt den Barrierefrei-Check auch in Leichter Sprache - mit Videos und Fotos zum Rundgang.