Erntehelfer könnten zum Teil überflüssig werden

Neue Technik aus der Region Trier erkennt kranke Trauben im Weinberg

Fachleute testen an der Mosel ein neues Gerät, das kranke Trauben während der Ernte aussortieren soll. Winzer könnten damit Arbeit sparen und die Qualität ihres Weins verbessern.

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Von Autor/in Christian Altmayer

Die Weinlese an der Mosel ist schon so gut wie vorbei. Die meisten Winzer haben die Ernte schon im Keller. Nur vereinzelt hängen noch Trauben an den Rebstöcken.

Fachleute sehen großes Potential

Durch einen Weinberg etwas oberhalb von Graach, im Kreis Bernkastel-Wittlich, rollt trotzdem ein Traktor - mit einer silbernen Kiste vor der Motorhaube. Darin sind 24 kleine Sensoren und Lampen, die die Rebstöcke durchleuchten.

Die Sensoren sind genau auf Höhe der Rebstöcke angebracht.
Die Sensoren sind genau auf Höhe der Rebstöcke angebracht. Christian Altmayer

Es ist einer der ersten Testläufe mit dem neuen System "QualiSelect", von dem sich das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) in Bernkastel-Kues einiges verspricht. "Irgendwann soll die Technik so weit sein, dass sie schlechte und kranke Trauben bereits während der Ernte aussortiert", sagt Weinbauingenieur Christopher Hermes vom DLR.

Für den Versuch haben die Fachleute die Sensorleiste an einen Schmalspurtraktor geschraubt. Das Ziel ist es aber, die Sensoren später in einem Traubenvollernter zu verbauen. "Das System soll dann während der Ernte in Echtzeit entscheiden, welche Rebstöcke geschnitten werden und welche nicht", erklärt Hermes.

Christopher Hermes betreut das Projekt "QualiSelect" beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum in Bernkastel-Kues.
Christopher Hermes betreut das Projekt "QualiSelect" beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum in Bernkastel-Kues. Christian Altmayer

Sensoren können kranke Trauben erkennen

Bislang ist das noch Zukunftsmusik. Das Projekt läuft erst seit vergangenem Jahr, in Zusammenarbeit mit der Universität Trier und dem Julius Kühn Institut. Die Traktoren kommen von der Firma Ero aus Simmern im Hunsrück, die Sensorik steuert das Unternehmen Premosys aus Kalenborn-Scheuern in der Vulkaneifel bei.

Sarah Lentz ist Innovationsmanagerin bei der Firma Premosys aus Kalenborn-Scheuern in der Vulkaneifel.
Sarah Lentz ist Innovationsmanagerin bei der Firma Premosys aus Kalenborn-Scheuern in der Vulkaneifel. Das Unternehmen stellt Sensoren für alle möglichen Zwecke her - unter anderem für den Weinbau. Christian Altmayer

"Und wir haben da schon einige Fortschritte gemacht", sagt Sarah Lentz, die Innovationsmanagerin der Premosys GmbH: "Unsere Sensoren können an der Farbe des Laubs erkennen, ob ein Rebstock gesund ist oder zum Beispiel von einem Pilz befallen ist, ob er gut oder schlecht wächst."

System soll genauer sein als Drohne

Das System ist zum Beispiel in der Lage, die sogenannte Esca-Krankheit zu erkennen - an den Flecken auf den Blättern, die eine Art Tigermuster verursachen.

Die Pilzkrankheit Esca war früher nur aus südlicheren Gegenden bekannt. Durch den Klimawandel tritt sie auch an der Mosel immer häufiger auf.
Die Pilzkrankheit Esca war früher nur aus südlicheren Gegenden bekannt. Durch den Klimawandel tritt sie auch an der Mosel immer häufiger auf. Erkennbar ist sie an den dunklen Flecken auf den Blättern. Christian Altmayer

Mit Drohnen können Winzer zwar jetzt schon kranke Reben aus der Luft ausmachen. "Aber dass wir jetzt jeden einzelnen Rebstock durchleuchten können - das ist neu und einzigartig"; sagt Lentz.

Automatische Auslese spart Arbeitskräfte

Zudem soll "QualiSelect" die Auslese gleich mit übernehmen. Bislang wird diese wichtige Arbeit noch per Hand erledigt. Erntehelfer sortieren kranke Trauben aus, damit nicht zu viele von ihnen im Wein landen. Denn Krankheiten wie Esca machen die Trauben sauer und ruinieren den Geschmack des Weins.

Kleine Lampen durchleuchten die Blätter - auf der Suche nach verräterischen Flecken.
Kleine Lampen durchleuchten die Blätter - auf der Suche nach verräterischen Flecken. Christian Altmayer

Wenn das künftig automatisch läuft, würde das die Winzer unabhängiger machen. "Denn Erntehelfer sind schwer zu finden und werden durch den Mindestlohn immer teurer", sagt Hermes. Die Auslese an die Maschine abzugeben, würde die Betriebe entlasten.

Prototyp erst Ende 2027 erwartet

Bis Winzer das System kaufen können, wird aber noch einige Zeit vergehen. "Wir haben jetzt ein Jahr hinter uns und sind auch schon einen guten Schritt weitergekommen", findet Sarah Lentz von Premosys: "Aber es ist auch noch einiges zu tun."

Das Projekt läuft Ende 2027 aus. Bis dahin gibt es vielleicht einen ersten Prototypen, schätzt Christopher Hermes vom DLR - also einen Vollernter mit integrierten Sensoren.

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