Jan Klöckner ist zuversichtlich, wenn er an den Zivilprozess denkt, der heute vor dem Trierer Landgericht startet. Seit mehr als vier Jahren kämpft der Trierer Student für seine Mutter Mandy, die seit einer Impfung mit dem Wirkstoff von Astrazeneca ein Pflegefall ist. Deshalb will die Familie Schmerzensgeld vom Pharmakonzern.
"Sie war früher eine starke Frau, Erzieherin mit Leib und Seele", sagt ihr Sohn. "Zu sehen, dass sie jetzt auf Hilfe angewiesen ist, ist schwer."
Hirnschaden nach Corona-Impfung
Im März 2021 ließ sich Mandy Klöckner mit dem Impfstoff von AstraZeneca gegen Corona impfen, auch um ihren Job als Erzieherin weitermachen zu können. Kurz darauf erlitt sie eine Sinusvenenthrombose – eine gefährliche Verstopfung der Venen im Gehirn.
Wochenlang kämpfte sie im Krankenhaus um ihr Leben. Heute geht es Mandy Klöckner zwar besser, doch es gibt auch immer wieder Rückschläge, etwa einen epileptischen Anfall bei einer Urlaubsreise im Sommer in Dublin, erzählt Sohn Jan. Sie könne vieles nicht mehr allein, sei rund um die Uhr auf Unterstützung angewiesen.
80 Klagen gegen Impfstoff-Hersteller an Gerichten in RLP Nach Corona-Impfung schwer krank - Betroffene kämpfen um Entschädigung
Einige Menschen hat die Corona-Impfung vermutlich nicht geschützt, sondern schwer krank gemacht. Zum Teil versuchen sie, direkt gegen die Hersteller der Impfstoffe zu klagen.
Pflege und Therapien notwendig
"Es wird nie wieder wie früher", sagt auch ihr Mann Alexander Klöckner. Die Familie versucht, den Alltag so gut es geht zu bewältigen – mit Therapien, viel Geduld und gegenseitigem Beistand. Doch die Belastung ist groß. "Manchmal wird sie wütend, wenn sie etwas nicht mehr selbst tun kann", erzählt Jan.
Der Impfschaden von Mandy Klöckner ist offiziell anerkannt. In Rheinland-Pfalz gehört sie zu bislang 21 Fällen, in denen das Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung eine dauerhafte gesundheitliche Schädigung nach einer Corona-Impfung bestätigt hat.
Klage gegen AstraZeneca
Mandy Klöckner erhält damit zwar finanzielle Unterstützung, dennoch will die Familie Schmerzensgeld von dem Impfstoffhersteller AstraZeneca. Dabei geht es laut Sohn Jan auch um eine lebenslange Entschädigung für die Schäden, die sie bereits erlitten hat, und für jene, die noch kommen könnten.
In Deutschland hat es bereits mehrere Impfschaden-Klagen gegeben. Bisher sind sie in erster Instanz stets abgewiesen worden. Die Begründung: Der Nutzen der Impfung für die Allgemeinheit sei höher als das Risiko eines möglichen Impfschadens Einzelner.
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Eine Mainzer Zahnärztin ist seit der Corona-Impfung mit AstraZeneca auf dem rechten Ohr taub. Sie will Schadenersatz, scheitert aber erneut mit ihrer Klage vor Gericht.
Warum Jan Klöckner dennoch zuversichtlich ist? Gemeinsam mit ihrem Anwalt wolle die Familie ein neues Argument in die Verhandlung einbringen, um Schadenersatz zu erhalten. "Wir sind der Auffassung, dass es bessere und sichere Impfstoffe gegeben hätte, mit denen man meine Mutter hätte impfen können."
Mandy Klöckner nicht in Gerichtssaal
Nach mehreren Fällen von Thrombosen infolge einer AstraZeneca-Impfung in Deutschland waren am 19. März 2021 Impfungen mit dem Vakzin vorübergehend ausgesetzt worden. Dann empfahl die Ständige Impfkommission (Stiko), den Stoff in Deutschland nur noch an Menschen über 60 Jahren zu verimpfen.
Mandy Klöckner wird im Gerichtssaal nicht dabei sein. "Das könnte ich mir nicht anhören", sagt sie. Ihr Mann Alexander und ihr Sohn Jan hoffen trotzdem darauf nach dem Prozess einen Abschluss finden zu können: "Dann kann man sagen: Man hat ein Stück weit Gerechtigkeit erfahren."